Spaziergang durch die Weltgeschichte.
Zwei alte Freunde, Helmut Schmidt und Fritz Stern, haben sich zu einem Gespräch über das vergangene Jahrhundert im Sommer 2009 im Haus von Helmut Schmidt in Hamburg zusammengefunden.
Helmut Schmidt ist allseits bekannt als Bundeskanzler der BRD von 1974-1982. Fritz Stern hat als Jude Deutschland verlassen müssen und ist Historiker und Professor em. der Columbia University in New York. Beide sind über neunzig- und achtzigjährig und geistig voll auf der Höhe.
Die Unterhaltung der beiden alten Herren gleicht einem Spaziergang durch das 20. Jahrhundert, in dem die Weltgeschichte aus politischer und philosophischer Sicht bis in die heutige Zeit berührt wird.
Da sich die Freunde bestimmte Themen für jeden halben Tag von insgesamt drei Tagen vornehmen, ist der Themenkomplex umfangreich, tiefgründig und gehaltvoll. Der Ton ist bedacht und von ruhiger Gelassenheit. Sie sind sich in vielen Fragen einig, doch ab und zu kommen kontroverse Meinungen auf, die mit großer Freundlichkeit ausgetragen werden. Diese Gegensätze bringen Farbe in das Gespräch, das ansonsten bei allzu großer Einigkeit langweilig werden könnte.
Dem Leser öffnet sich ein weites Feld an Einsichten. Sie berühren Napoleon, preußische Geschichte, das Nazireich und Fragen nach der Verfolgung der Juden in aller Welt; weiterhin beschäftigt man sich mit Stalin und dem chinesischen Kommunismus, amerikanischer Geschichte von den Anfängen bis heute und nicht zu vergessen Israel,—es gibt kaum ein Thema, das ausgelassen wird. Die historischen Fakten gewinnen durch das Gespräch an Lebendigkeit, zumal beide Gesprächsteilnehmer zahlreiche markante Erscheinungen des öffentlichen und politischen Lebens persönlich kannten und über ein umfangreiches Bildungsreservoir verfügen, mit denen sie ihre Gedanken untermauern. So lässt sich Geschichte gut begreifen, da sie mit Erlebnissen und Erfahrungen der beiden Freunde an Lebendigkeit gewinnen! Aus dem Abstand des hohen Alters sehen sie das Jahrhundert nachdenklich und kritisch und können sich Bekenntnisse erlauben, die andere und vielleicht nicht so Erfahrene an Weltsicht sich kaum leisten dürften. Eine ungewöhnliche Freundschaft verbindet die beiden alten Herren, die alleine schon Bewunderung auslöst. Darüber hinaus aber ist das universelle Wissen der beiden Gesprächspartner von hoher Qualität.
Besser als durch diesen ausführlichen und langen Gedankenaustausch kann man sich nicht über die Politik, Philosophie und das Zeitgeschehen des letzen Jahrhunderts und davor informieren. Man kann das Buch jedem historisch interessierten Bürger, ganz gleich welcher politischen Richtung er angehört, uneingeschränkt empfehlen.
Verfasst von Claudine Borries am 26.02.2010.
287 Seiten (gebunden)
C.H. Beck
Erscheinungsdatum:
15.02.2010
ISBN: 9783406601323
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