Alzheimer und Ich

von

Sachbuch

241 Seiten (broschiert)
Huber

Erscheinungsdatum: 15.10.2008

ISBN: 9783456846439

Rezension von

Verfasst am: 05.03.2010

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Aufklärung über eine schwere Alterserscheinung.

Als Richard Taylor, ein Psychologieprofessor aus Texas, sich im Alter von 58 Jahren mit der Diagnose „Alzheimer“ konfrontiert sah, hat er drei Wochen lang geweint. Erschüttert und angerührt folgt man seinen weiteren Ausführungen, in denen er sich mit seinem Werdegang als Alzheimerkranker auseinander.

Das Schreiben wurde wichtigste Stütze für ihn, um die Veränderungen an sich selber zu beobachten und zu kontrollieren. Er beschreibt als unmittelbar Betroffener, wie er versucht, mit dem Schwund seines Gedächtnisses und seiner Erinnerungen umzugehen, denn eine Heilung gibt es bis heute nicht. Auch zehn Jahre nach der Diagnose kann er noch beobachten und beschreiben, was in ihm vor sich geht. Über sein Gehirn, Sinn und Zweck seiner Medikationen, die Behandlung durch Freunde, Ärzte, Kollegen und die Familie tastet er sich vor, um ein Bild seines Krankheitsverlaufes und der Reaktionen seiner Umwelt zu vermitteln. Traurig sind Erfahrungen mit nahen Kollegen und Freunden, von denen sich viele zurückziehen, als seine Krankheit akut wird.
Die Fragen nach den tiefsten Tiefen seiner Existenz münden bei Richard Taylor in die Erkenntnis: dass unsere lebendige Existenz zwar mit unserer Identität gekoppelt ist, dass es aber nicht unbedingt nur darauf ankommt, was wir tun und was wir können. Dennoch bleibt eine tiefe Angst vor dem Verlust von Handelsfähigkeit, Würde und Selbstbestimmung.
Bei all’ seiner pessimistischen Grundstimmung kommt Richard Taylor zu dem Schluss: “Es geht im Leben nicht um Kataloge, Schubladen, Gut und Böse, Richtig oder Falsch. Es geht im Leben um Erfahrung, Gefühle, Blickwinkel und Wachstum.“

Wenn man dieses Buch gelesen hat, verliert man ein wenig die Angst vor der Krankheit Alzheimer, weil es zeigt, dass sie nicht nur unheimlich ist, sondern Bestandteil unseres Altersprozesses sein kann. Die Demenz zu benennen, mit Betroffenen und Angehörigen offen und bestimmt umzugehen, ist wichtige Voraussetzung, um den Schrecken des Alters gelassener entgegen zu sehen!
Über Symptome, Unsicherheiten bei der Diagnose, Ursachen, Wirkungen und Möglichkeiten bei der Begleitung wird ausführlich referiert. Kein Fall ist wie der andere, und Hilfen sollte man sich überall auch im Austausch mit anderen Betroffenen suchen.
Mit der Veröffentlichung dieser Schrift auf Deutsch rückt der Herausgeber Christian Müller – Hergl und die Übersetzerin Elke Steudter die Diagnose Alzheimer auch in Deutschland
einmal mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Das Geleitwort stammt von Christine Sowinski, Kuratorium Deutsche Altershilfe. Im Anhang finden sich einschlägige Adressen, wo Betroffene Hilfe finden können.

Verdienstvoll sind Schrift und Vorgaben, mit denen man hiermit auch in Deutschland der möglichen Zukunft beim Altern Aufmerksamkeit zollt.

Migliedermeinung

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