Humor auf Abwegen!
Sketsche, Kurzgeschichten oder Erzählungen: eine genaue Bezeichnung für die Geschichten von Alan Bennett fehlt mir. Die sechs Monologe in diesem Büchlein wurden 1987 vom Autor von „Die Souveräne Leserin“ und „Die Lady im Lieferwagen“ für die BBC geschrieben und aufgezeichnet.
Anders als in den beiden vorgenannten Büchern sind hier Geschichten zusammengekommen, die zunächst verrückt und nichtig anmuten. Die aufgeführten Stücke, die in Form kleiner Sketsche erscheinen, sind in ihrer Diktion knapp, kurz und skurril. Aus dem Nichts fängt der eine oder andere an zu reden, und erst allmählich begreift man die Zusammenhänge. Es geht um tägliches Allerlei und geronnene Zustände: eine alte Frau ist vermeintlich mit ihrem Sohn verheiratet; eine Pfarrersfrau empfindet das kirchliche Brimborium ihres Mannes als Nonsens und vergnügt sich mit einem indischen Gemischtwarenhändler. Dass sie auch noch Alkoholikerin ist, die den Messwein leert, setzt der Erzählung den Gipfel auf. Der Kräcker findet sich bei einer alten Dame unterm Kanapee. Dort sollte Zulema eigentlich Staubwischen,—aber gut, dann tut man es eben selber und bricht sich das Bein dabei! Ist das ein mögliches Ende der alten Dame?
Die Quintessenz der Geschichten liegt in der Verwirrung, in der Banalität des Alltags und der überspitzten Darstellung unseres alltäglichen und an skurrilen Effekten reichen Lebens.
Bennett versteht es, seinen Protagonisten mit ihren Eigenheiten eine witzige Seite abzugewinnen und erreicht damit, den ernsten Seiten des Lebens, dem Alter, der Schrulligkeit und den ganz gewöhnlichen Schwächen eine besondere Note von Komik zu geben. Wenn auch keine Geschichte der anderen gleicht, so ist doch der Ton unüberhörbar: belustigt, amüsiert und zuweilen makaber gibt er sich mit den vermeintlichen Tugenden ab und zieht aus dem Hintergrund den versteckten Witz hervor. Geistreich und abgründig ist sein Verständnis für die kleinen und großen Schwächen des Menschen.
Diese Geschichten lesen sich nicht so leicht, wie die anderen Erzählungen von Alan Bennett. Liegt es an der Umformung aus Fernsehsketschen in das geschriebene Wort? Die sinnlose Aneinanderreihung von spontanen Gedanken der Protagonisten erschwert das Verständnis, wenn man keine Mimik und Gestik dabei sieht.
Man muss den Humor Bennetts mögen, um sich an seinen Werken zu erfreuen, dann versprechen sie in der Regel Heiterkeit und Spaß!
Alan Bennett ist in England bekannt als Dramatiker. Er schreibt Theaterstücke und Stücke für das Fernsehen und den Rundfunk.
Verfasst von Claudine Borries am 07.03.2010.
Aus dem Englischen von Ingo Herzke
144 Seiten (gebunden)
Wagenbach
Erscheinungsdatum:
23.02.2010
ISBN: 9783803112682
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