Nach dem Schlußakkord

von

Erfahrungsbericht

112 Seiten (gebunden)
Hanser

Erscheinungsdatum: 08.03.2010

ISBN: 9783446234826

Rezension von

Verfasst am: 09.03.2010

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

„Ich hasse Lärm. In der Musik baut alles auf Stille auf.“

Mit diesen Worten ist der Meister des Klaviers, Alfred Brendel, deutlich gekennzeichnet. In seinen Aufzeichnungen von Gesprächen, Gedichten, Beantwortung von öffentlichen Fragebögen und einem Selbstgespräch gibt Alfred Brendel dem Abschied vom Konzertleben einen Schlussakzent.

Die Gespräche in dem vorliegenden Erinnerungsband drehen sich um Musikinterpretationen, um Künstler, die besonderen Vorlieben von A. Brendel, Aussagen zu seinen Eindrücken über Filme, Komponisten, Künstler, Maler und allgemeinen Musikbetrachtungen.
Hier zeigt sich der Pianist mit einer Vielzahl an Begabungen. Malerei, Architektur und Literatur, dazu das Verfassen von eigenen Gedichten bieten Einblicke in den Charakter einer Persönlichkeit, die uns über Jahre im Konzertleben mit Klavierkonzerten und Soloabenden erfreut hat. A. Brendel ist ein humorvoller, nüchterner, uneitler und klar denkender Mensch, der sich keinen Illusionen über sich oder das Leben hingibt. Er weiß genau zu unterscheiden, wo er eigenen Ansprüchen genügt, und wo sie ihm versagt blieben. In aller Bescheidenheit wirkt er gelassen, selbstironisch und immer wieder dankbar für seine Musikbegabung, die ihn durchs Leben begleitet hat. In deutlicher Manier bezeichnet er sich selbst als nicht vom Intellekt gesteuert. In seinen Worten:
„Im Zusammenwirken von Chaos und Ordnung, Gefühl und Überlegung sollte die Hitze des Chaos’ durch die Ordnung zur Wärme reduziert werden. Die Wärme erwärmt ihrerseits wiederum die Kühle zur Ordnung. Ob das bewusst oder unbewusst geschieht, hat kaum Bedeutung, solange das Resultat stimmt…“
Und immer wieder spricht er über das Husten, eine Störung im Konzertleben, die ihn gelegentlich unwillig einhalten ließ, um die Zuhörer um Stille zu bitten!

Mit der Beantwortung von Fragebögen aus verschiedenen angesehenen Zeitungen rundet sich das Bild des Pianisten zu einer originellen, klaren und durchaus heiteren Persönlichkeit, von der man gerne hört, wie sie zum Leben, der Musik, der Freundschaft und den Künsten steht.
In einer letzten anrührenden Hommage an den Künstler Alfred Brendel sind die Worte von Peter Hamm zu verstehen, in denen er ihm dankt. Er hebt darin hervor, dass sich Brendel für die letzten Monate oder Wochen seines Lebens Haydn als Begleiter wünscht. Damit wird auch dem Publikum die Musik eines zuweilen zu gering beachteten Komponisten der Wiener Klassik ans Herz gelegt.

Das schmale Buch liest sich schnell und erfordert einige musiktheoretische Kenntnis.
Der einzige Mangel dieser Ausgabe ist die sehr kleine Schrift.

Migliedermeinung

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