Blume ist Kind von Wiese

von

Geschenkbuch

144 Seiten (gebunden)
Edition Büchergilde

Erscheinungsdatum: 05.03.2010

ISBN: 9783940111661

Rezension von

Verfasst am: 10.03.2010

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Sprachkünstler mit Charme und Chuzpe!
Wir nehmen Sprache als gegeben hin, bedienen uns ihrer tagtäglich und sind uns nicht bewusst, welche ungeheure Kulturleistung das Erlernen von „Sprache“ bedeutet.

Im Unterschied zum Tier geht mit dem Erlernen der menschlichen Sprache Abstrahieren einher.
Dieses erlaubt die Schärfung unseres Verstandes und fördert die Intelligenz.
„Blume ist Kind von Wiese“ zeigt einmal mehr, wie viel Kreativität, Wissen und Fantasie benötigt wird, um Dinge mit Namen zu versehen, damit wir uns verständlich machen können. Herkömmlich lernen wir mit dem kindlichen Heranwachsen zunächst einzelne Worte, später ganze Sätze, um unsere Vorstellungswelt zu artikulieren und uns auch ohne Sicht eines Dinges ausdrücken zu können. Das ist ein langsamer und aufwendiger Prozess, der, je nach familiärem Hintergrund, zu den schönsten Ausdrucksmöglichkeiten führt.

Die ehemalige Deutschlehrerin Helga Glantschnig hat in Wien jahrelang Kinder mit Migrationshintergrund unterrichtet. Diese Kinder waren der deutschen Sprache nicht mächtig und haben in wunderbaren, poetischen Bezügen zu ihrer eigenen Wahrnehmung Dinge benannt und Sätze in der ihnen gemäßen Weise formuliert. Dabei sind teils komische und teils besinnliche und künstlerische Ausdrucksformen entstanden. Sie bieten einen Eindruck davon, wie Sinnzusammenhänge entstehen und wie bedeutend Sprachfähigkeit für unser Verständnis und die Wiedergabe unserer Wahrnehmung ist. Wunderbarerweise erkennt man an der Sammlung von Sätzen und teilweise auch den nicht zusammen hängenden Worten, dass diese Kinder noch nicht an Konventionen gebunden sind, so dass das Männerparfum als Mittel benannt wird, um nicht zu stinken! Ob Rosenduft, Wasser, Silvester, die Nacht, Ängste oder Katzen, die nachts wach sind,—die Kinder KÖNNEN sich ausdrücken und überbrücken damit ihre Isolation, in die sie ohne Verständigungsmöglichkeiten fallen könnten. Die Unbefangenheit und Freude, sich auszudrücken, ist unmittelbar spürbar.
Alphabetisch aufgereiht wirken die Sätze unterschiedlich: einmal komisch, einmal unbeholfen, dann wieder bilderreich und sogar poetisch!

Mehrdad Zaeri hat Illustrationen zu einer Reihe von Sätzen beigesteuert. Seine Zeichnungen sind ulkig bis grobschlächtig, zuweilen eine wenig märchenhaft, dann wieder einfühlsam, z.B. der popelnde Mann, aber auch makaber “Wenn der Vater stirbt, bleibt die Mutter übrig“.
Die einzelnen Kinder und ihre Herkunftsländer sind im Begleitwort namentlich aufgeführt, so dass sie sich hier als Künstler wiederfinden.

Ernst Jandl hat ein Vorwort geschrieben. Er versteht etwas von Sprachkunst und würdigt die Kreativität und unverbildete Fähigkeit, Bilder in naiver Weise in Sprache umzusetzen.

Helga Glantschnig hat schon Bücher über Erziehung und einige Romane geschrieben.
Der Illustrator Mehrdad Zaeri stammt aus dem Iran und lebt in Mannheim.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (1):

  • 5.0000/5 Sterne.

Leserbewertung (0):

  • Momentan 0/5 Sterne.

Ihre Bewertung:

  • Momentan 0/5 Sterne.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5