Rezension: Die Demütigung

Alternder Schauspieler in Not …
In seinem neuen Roman „Die Demütigung“ greift Philip Roth die alten Themen von Liebe, Sehnsucht, Obsession und betrogenen Hoffnungen wie in seinen letzten Romanen ein weiteres Mal auf.

Nicht mehr sein Alter Ego Zuckermann taucht auf, sondern ein unbekannter Schauspieler, Simon Axler. Er ist 65 Jahre alt und übernimmt den Part des alten Mannes, der an seinen Fähigkeiten zweifelt und nach einem Nervenzusammenbruch nicht mehr spielen kann. Sein Agent Jerry, schon achtzig Jahre alt, tut sein Bestes; doch Simon kann nicht mehr!
Zu allem Übel ist seine letzte Ehe gescheitert, weil seine Frau Victoria mit ihrem Leben selber nicht mehr zurechtkam.
In zögernder Freude erlebt er mit der Tochter eines alten Freundes, die plötzlich bei ihm auftaucht, noch einmal das leidenschaftliche Aufflackern seiner Lebensgeister. Pegeen Mike leidet am Leben und hatte sich in Frauenbeziehungen geflüchtet. Ob sie die Richtige für ihn sein kann? 25 Jahre jünger als Axler ist sie bereit, einmal eine Männeraffäre zu riskieren.
Philip Roth lässt all’ die Verzückungen einer neuen Beziehung aufscheinen und zeigt uns die Qualen der Vergeblichkeit. Der Held gerät ins Abseits eines fiktiven Glücks, das nicht von Dauer sein kann. In seine Hoffnung mischt sich Skepsis, die Axler sagen lässt: „In den vergangenen Jahren war mein Leben gefährlich instabil, und ich fühle mich nicht stark genug, die Zerstörung meiner Hoffnungen auszuhalten.“
Obsession, Sex und Enttäuschung: es sind die alten Themen, mit denen Philip Roth sich und den Leser beschäftigt.
Die Schärfe seiner Wahrnehmung und Beobachtung steigert sich während der Erzählung, so dass man wieder einmal staunt, wie intensiv Philip Roth über die Bedrängungen rudimentärer Gefühle zu sprechen weiß.
Er hat mit diesem Roman die Reihe von kleinen Werken über das unausweichlich nahende Alter fortgeschrieben. Unterhaltsam, zuweilen etwas zermürbend, wenn er z.B. Simon Axler in endlosen Tiraden über das Ende seiner Schauspielerkarriere lamentieren lässt, steigert der Roman mit fortschreitender Lektüre seine Dynamik. Roth weiß über Ängste, Hoffnungen und Verluste faszinierend zu berichten!

Es ist nicht das beste Werk von Philip Roth und dennoch: fast alles, was er beginnt, gewinnt an Schärfe und Tiefe beim Betrachten des menschlichen Verfalls. Man hat sein neuestes Buch erwartet und hofft noch auf viele weitere.

Verfasst von Claudine Borries am 10.03.2010.

 

 

 

Bookreporter
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Buchinfos

Die Demütigung

Hanser Verlag


Die Demütigung

Roman

Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren

144 Seiten (gebunden)
Hanser

Erscheinungsdatum:
08.03.2010

ISBN: 9783446234932


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