Von der Wiederherstellung des Glücks

von

Familienbiographie

256 Seiten (gebunden)
Galiani Berlin

Erscheinungsdatum: 26.04.2010

ISBN: 9783869710136

Rezension von

Verfasst am: 24.04.2010

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Versuch einer Völkerverständigung!

Wer sich mit diesem Buch eine heimelige Geschichte von der kindlichen Glückseligkeit verspricht, der wird erstaunt sein; in Wirklichkeit geht es um eine ungewöhnliche Nachkriegsgeschichte!

Wenige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg siedelt sich eine deutsche Familie im Süden Frankreichs an. Man kann sich vorstellen, dass sie nicht gerade mit offenen Armen dort empfangen wurde. Der Krieg war noch zu gegenwärtig, als dass man die Gräuel der deutschen Soldaten schon vergessen hätte.
Die Familie der Heldin, die immer nur als „die Kleine“ tituliert wird, gehörte zu deutschen Bauern, die, aus Posen ausgesiedelt, in Frankreich auf einem Bauernhof eine neue Zukunft suchte.
Aus Sicht des etwa zehnjährigen Mädchens erzählt die Autorin von deren ersten Eindrücken im fremden Land. Angekommen auf einem verfallenen Bauernhof sieht sich die Familie mit kargem Wohnraum und wenig ertragreicher Landwirtschaft konfrontiert. Die „Kleine“ hört und bemerkt aufmerksam, was um sie herum geschieht. Der alte Sully zeigt sich ihnen als erster wohl gesonnen und vorurteilsfrei. Er führt sie mit seiner Fürsorge und Güte in die Dorfgemeinschaft ein.
Mit Neugierde und gelegentlichen Ängsten beobachtet die „Kleine“ ihre Umgebung und erkundet Feld, Wald und Wiesen mit Lust und Freude.
Anna Tüne befasst sich mit der polnischen Geschichte und den ständigen Grenzverschiebungen ebenso wie mit der Familienvergangenheit der eingewanderten Familie. Der Krieg und die deutsche Geschichte mit dem Nationalsozialismus sind entscheidend in ihrer Bedeutung und bestimmen die Handlung wesentlich mit. Hier in Frankreich spielt es keine Rolle, wer für oder gegen die Nazis gewesen ist: zuerst einmal wurden die Deutschen als unerwünschte „Boches“ angesehen.
Anna Tüne beschreibt in ernsten und feinfühligen Worten, wie das kleine Mädchen aus den Gesprächen der Erwachsenen lernt, was es mit den Deutschen, mit dem Krieg und dem Hass der Franzosen gegen die Deutschen auf sich hatte.

Die südfranzösische Landschaft entbehrt nicht der farbenfrohen, flimmernden und heißen Sommer, in denen man sich in Wald und Flur tummeln konnte. Anna Tüne feiert die Landschaft mit poetischem Aussagen. Ihr Bericht spiegelt ernste und traurige Wahrheiten und richtet den Blick zugleich auf die Schönheiten der Natur.
Die menschlichen Begegnungen schwanken zwischen Ablehnung und Wohlwollen. Niemand, der die Nachkriegszeit erlebt hat, wird vergessen können, in welchem Wechselbad der Gefühle sich die Nachgeborenen befanden, deren Wertesystem durch die Nazizeit ins Zwielicht geraten war. Diese ungewöhnliche Gefühlsage in bewegten Worten eingefangen zu haben, ist das Verdienst von Anna Tüne.
„Die Wiederherstellung des Glücks“ blieb für die Nachkriegsgeneration eine lebenslange Aufgabe!

In einem Nachwort wird der Bericht als eine Mischung aus Fiktion und Wirklichkeit deklariert. Nicht immer kann man den wechselnden Szenen zwischen Vergangenheit und Gegenwart gut folgen. Das Stimmungsbild ist dennoch gelungen und zeigt Möglichkeiten und Grenzen der Völkerverständigung.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (2):

  • 4.5000/5 Sterne.

Leserbewertung (10):

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