Die Wanderjahre 1980-2009

von

Memoiren

528 Seiten (gebunden)
Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsdatum: 26.04.2010

ISBN: 9783462042016

Rezension von

Verfasst am: 01.05.2010

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Leben und Werk eines Theatergiganten.

Im Juli 2009 starb der Regisseur und kreative Künstler Peter Zadek, der das Theater in unvergleichlicher Weise revolutioniert und umgestaltet hat.

In seinem letzten von drei Memoirenbänden, der posthum erschienen ist, kann man noch einmal nachlesen, mit welcher Leidenschaft sich Zadek seinem Metier gewidmet hat. Sein Leben WAR das Theater! Zu den Stationen seiner Arbeit zählten alle großen deutschsprachigen Bühnen von Zürich über Bremen bis Wien, Hamburg, Bochum, Stuttgart, Berlin und Hamburg.

Die Erinnerungen sind reich an Einzelheiten aus einem Theaterleben, zu dem zahlreiche große Schauspieler mit berühmten Namen aus der Theatergeschichte der letzten dreißig bis fünfzig Jahre und gleichfalls berühmte Regisseure zählten. Zadeks Erläuterungen zu Aufführungen, Dichtung, Umdichtung und Hintergründen der Aufführungspraxis sind detailliert und differenziert. Besessen von Ideen und inneren Vorstellungen über seine Stücke beginnt er jedes einzelne Vorhaben mit Verve und Energie. Er scharte eine Truppe von Schauspielern um sich, die genau wussten, wie er was haben wollte, und die ihre eigenwilligen Persönlichkeiten in seine Inszenierungen mitbrachten. Zu den bekanntesten Schauspielern gehören Namen wie Angela Winkler, Ulrich Wildgruber, der sehr häufig erwähnt wird, ferner Gerd Voss, Eva Matthes, Susanne Lothar und viele andere mehr. Er hat seine Schauspieler immer wieder seine “Familie” genannt. Seine Aufführungen waren nicht unumstritten, ja zuweilen geradezu verpönt, bis man sich daran gewöhnt hatte, dass hier ein fast anarchistischer Umstürzler am Werke war, der das Theater revolutionierte und in eine neue und der Zeit angepasste Form brachte.
Peter Zadek erzählt unbefangen und lebhaft über seine Theatervorstellungen, seine Freunde und nur wenig über sein Privatleben. Seine Ausführungen sind spontan, ehrlich und genau. Theateraufführungen werden teilweise in ihrer ganzen Entstehungsgeschichte aufgeführt. Auch spart Zadek Niederlagen und Enttäuschungen nicht aus, wie sie ihm durch Intrigen von Kollegen, Kritikern und anderen widerfahren sind. Konkurrenz und Eifersucht bleiben bei Kunstschaffenden nicht aus. Sie konnten seine Kreativität nicht brechen!

Eine seiner persönlichsten Aussagen in den Gesprächen mit seinem Verleger Helge Malchow gilt der neuen Technologie, der er nichts abgewinnen konnte. “Ich bin ein naiver Mensch. Ich finde es am schönsten, wenn zwei Leute an einem Tisch sitzen — zwei Stühle, ein Tisch, eine Tasse Kaffee — und miteinander reden. Dabei kommt am meisten raus.”
Peter Zadek war nicht nur Theaterregisseur, sondern er war auch Intendant in Bochum und Hamburg und Filmregisseur und hat eindrucksvolle Filme gedreht wie z.B. “Ich bin ein Elefant, Madam”. (Nach dem Roman von Thomas Valentin “Die Unberatenen”)

Insgesamt beinhaltet das Buch die Niederschrift von Gesprächen, die Peter Zadek mit seinem Verleger Helge Malchow geführt hat. Elisabeth Plessen, Zadeks Lebensgefährtin der letzten dreißig Jahre, hat sie in Schriftform gebracht.
Ein ausgezeichnetes Werkverzeichnis, Materialien, Aussagen von Kollegen und ein Register ergänzen diesen sehr fleißig zusammengestellten Memoirenband.

Liebhaber persönlicher Biographien werden sich eher überfordert fühlen von den vielen Einzelheiten, mit denen hier Theatergeschichte geschrieben wurde. Theaterfreunde aber dürfen einen Blick hinter die Kulissen des Theaters werfen, der einen Eindruck von der harten, freudvollen, realistischen und äußerst anspruchsvollen Arbeit der Künstler bietet.

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