Das Grabtuch von Turin oder das Geheimnis der heiligen Bilder

von

Religion

160 Seiten (gebunden)
Pattloch

Erscheinungsdatum: 11.03.2010

ISBN: 9783629022615

Rezension von

Verfasst am: 28.05.2010

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Spirituelles Erleben

Der Journalist und Historiker Paul Badde, Auslandskorrespondent der Welt in Rom, wendet sich in seinem neuen Buch einem der größten Fragezeichen der Reliquien (offiziell in Bezug auf das Grabtuch benutzt die kath. Kirche das Wort Ikone) christlicher Prägung zu, dem Grabtuch von Turin.

Gerade in diesem Jahr wurde das originale Tuch nach Jahrzehnten wieder der Öffentlichkeit sichtbar gemacht. Ein 4,36 Meter langes und 1,10 Meter breites schlichtes Leinentuch, auf dem unter bestimmten Lichtverhältnissen die Gestalt eines Mannes sichtbar wird. Wendet man die Methode eines fotografischen Negativs an, so ist hervorragend der ganze Körper eines Mannes samt Vorder- und Rückseite erkennbar. Merkmale der Gestalt werden seit Beginn der Kenntnis von diesem Tuch auf Christus hin gedeutet (Kreuzesmale, Dornenkronenabdrücke).

Diesem “heiligen Bild” (und anderen Bilderna auf anderen Tüchern, vornehmlich dem auf dem “Schweißtuch der Veronika”) nähert sich Paul Badde in seinem Buch.

Einem, allein schon in der Form auffallend ästhetisch und schön gemachten Buch.

Eine Vielzahl hervorragender Bilder und Fotografien begleitet die Texte Baddes, ein lebendiger Eindruck des Tuches, der Orte seines geschichtlichen Weges und seines liturgischen Gebrauches in den Jahrhunderten seit der Entdeckung des Tuches. Einige der Bilder sind dabei an sich bereits ein spirituelles Erlebnis. Hervorzuheben ebenso, dass eine ganze Reihe der Bilder (neben bekannten Abbildungen), allgemein nicht bekannt gewesen sein dürften. Schon aufgrund dieses sorgfältig ausgewählten und in bester Qualität dargebrachten Bild- und Fotomaterials ist das Buch ein Gewinn.

Der hervorragenden Qualität der Bilder korrespondiert der Text Paul Baddes. Akribisch stellt er aus seinen vielfachen, persönlichen Eindrücken heraus, in gründlich recherchierter Weise die äußere Geschichte des Grabtuches dar, versteht es aber auch, die innere Geschichte des Grabtuches von den Evangelien ausgehend in schlüssiger und fundierter Weise nach zu vollziehen.
Ausgehend von der Erwähnung des Grabtuches, Schweißtuches und anderer Tücher im Grab Jesus im Johannes Evangelium entfaltet Badde in überzeugender Weise seine Sicht auf die Echtheit des Tuches. Dabei verweist er in schlüssiger Weise auf das Tuch selbst als “wahren Zeugen” der Auferstehung Christi. Für Johannes und Petrus am Grab zu einer bestimmten, unter bestimmten Lichtverhältnissen sichtbare Bild Jesu als das eigentliche Erleben am Ostermorgen. Ein überraschend anderer, neuer Blick auf das, was sich möglicherweise nach der Kreuzigung ereignet haben könnte.

“Nicht von Menschenhand geschaffen”, diese Erkenntnis durchdringt die Texte des Buches. Im Blick auf Paul Baddes ganz andere Evangelienauslegung und seine Betrachtung der Verwendung des Tuches in der Geschichte der ersten christlichen Gemeinde erhält diese Wertung des Tuches eine überzeugende Argumentation.
Basierend auf den Forschungen des katholischen Theologen Rudolf Pesch stellt Badde das “Erlebnis des Grabtuches” an den Anfang eines möglichen Ur-Evangeliums und findet Spuren des Buches bis in heutige, liturgische Praktiken hinein.

Historisch-theologisch sind eine Reihe seiner Argumente nicht eindeutig überzeugend und werden so zumindest in der aktuellen historisch-kritischen Wissenschaft nicht geteilt. Allerdings ist alle theologische Wissenschaft auf Vermutungen angewiesen, eindeutige Quellen aus den Jahren 0 bis 40 gibt es nicht.
Wenn dann noch bedacht wird, dass auch die Untersuchung des Turiner Tuches mittels der Radiokarbon-Methode und dem Ergebnis einer Entstehung des Tuches um 1300 herum bekanntermaßen fehleranfällig war, dann bietet Paul Badde ein durchaus schlüssiges Erklärungskonzept für die Echtheit des Tuches.

Die wissenschaftliche Betrachtung des Turiner Grabtuches (korrekter im Blick auf das zusätzliche Schweißtuch: der verschiedenen Tücher) ist letztlich in der Darstellung Paul Baddes in guter Weise jedoch nicht die entscheidende Betrachtungsweise.
Badde selbst verabschiedet sich auf den ersten Seiten bereits von den “Beweisen für oder gegen das Grabtuch”. Die Echtheit entscheidet sich jeweils in einer persönlichen Entscheidung (wie jede Glaubensentscheidung eine rein persönliche ist).
Auf dem Weg zu einer solchen Entscheidung für die Echtheit des Grabtuches aber nimmt Paul Badde den Leser auf seinem persönlichen Weg in einer wunderbar recherchierten, überzeugenden und in Bild und Sprache hervorragenden Art und Weise mit.

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