Das Einstein-Mädchen

von

Roman

Aus dem Englischen von Sophie Zeitz

464 Seiten (Taschenbuch)
dtv premium

Erscheinungsdatum: 01.07.2010

ISBN: 9783423247832

Rezension von

Verfasst am: 19.07.2010

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Berlin, 1933 – Alma Siegel sucht unter Vermissten und Toten nach ihrem Verlobten, Dr. Kirsch, der als “Nervenarzt” an der Charité arbeitete, er begann sich mit der Einlieferung einer geheimnisvollen Frau, dem “Einstein-Mädchen” zu verändern, schien besessen von der Auflösung ihres Falles und verschwand spurlos.

Eine Rückblende ins Jahr 1932, Martin Kirsch begegnet zufällig auf der Straße einer Frau, die ihn vom ersten Moment an fasziniert, er folgt ihr, findet heraus, wo sie wohnt und versucht sich ihr zu nähern. Er trifft wieder auf sie, als die Frau bewusstlos, todesnah und ohne jegliche Erinnerung an ihr bisheriges Leben aufgefunden wird, sie trägt einen Zettel von einer Veranstaltung bei sich, bei der Albert Einstein sprach, deswegen wird sie über die Presse als "Einstein-Mädchen bekannt. Martin Kirsch versucht, vor dem Hintergrund der heraufziehenden nationalsozialistischen Diktatur, die Vergangenheit des “Einstein-Mädchens” zu finden, muss sich dabei auch seinen eigenen (Kriegs-) Traumata und Verlusten stellen, und distanziert sich immer mehr von Alma.

Das Einstein Mädchen ist ein sehr facettenreiches Buch, sehr viele, auch wissenschaftliche Themen werden angeschnitten, reale Geschichte und Fiktion werden vermischt, also für ein Buch sehr viel “Input”.

Die Geschichte der klinischen Psychiatrie wird angeschnitten, da psychisch Kranke Menschen in dieser Zeit, mangels “sinnvoller” Therapieansätze und Diagnosestellung, mit relativ seltsamen Behandlungsmethoden gequält wurden. Einerseits setzt sich Dr. Kirsch für einen eher ganzheitlichen Ansatz bei den Behandlungen der Kranken ein, andererseits beginnt mit den Rassehygienegesetzen ein sehr destruktives Zeitalter, was die Psychiatrie betrifft. Was diese Teile des Buches betraf, fand ich die Ausführungen sehr interessant. Die Ausführungen über Mathematik und Physik haben mich nur mit Grauen an meine Schulzeit erinnert und mögen bei dahingehend interessierten Lesern auf Begeisterung stoßen, mir waren sie aber zu “trocken”.

Der historische Hintergrund war sehr gut und ohne Übertreibungen und “erhobenen Zeigefinger” geschildert, er diente auch nur als Kulisse und wurde nicht zum Hauptthema. Die Bedrohungen und Veränderungen, die mit dem 3. Reich aufzogen, waren für den Leser spürbar und flossen bereichernd in die Geschichte mit ein.

Der Mix zwischen Realem und Fiktion hat mir (was ich vorher gar nicht dachte) gefallen, auch das Ende hat mich nicht unzufrieden zurückgelassen, es war ein guter, in sich stimmiger (und auch nicht übertriebener) Abschluss für das Buch.

Das einzige, was ich bemängeln muss, ist, dass das Buch als (historischer) Thriller deklariert wird, das Buch ist spannend und als Leser weiß man nicht, wie sich die Geschichte von Marija, dem “Einstein-Mädchen”, und Martin entwickeln wird, ob sie ihre Vergangenheit finden wird, was Albert Einstein damit zu tun hat, und ob Martin und sie eine Zukunft haben. Die Story ist nicht vorhersehbar und weiß zu überraschen – aber als Thriller würde ich das Buch nicht beschreiben.

Ein lesenswerter, anspruchsvoller und facettenreicher historischer Roman, der zu überraschen weiß.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (2):

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Leserbewertung (12):

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