Tango: Wehmut, die man tanzen kann

von

Sachbuch

Aus dem Spanischen von Eva Maria del Carmen Kobetz Revuelta

176 Seiten (gebunden)
Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann

Erscheinungsdatum: 26.07.2010

ISBN: 9783570580219

Rezension von

Verfasst am: 26.07.2010

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Die Tiefe des Tanzes

Ein Buch in ganz außergewöhnlicher Form und mitreißendem, berührendem Inhalt legen Salas und Lato (der Künstlername des Zeichners Horacio Santana) in der Edition Elke Heidenreich des C. Bertelsmann Verlags vor.

In der Form außergewöhnlich, weil diese Mischung von kurzen, knappen Erläuterungen, biographischen Einzelheiten, gemischt mit einer Vielzahl von (bestens übersetzten) Tango Texten sich mischen mit außergewöhnlichen Zeichnungen und gezeichneten Kurzgeschichten im Real-Comic Stil des Zeichners Lato.

Mitreißend im Inhalt, weil das Buch viel weniger ein Lehrbuch des Tango Tanzens darstellt (auch wenn am Ende hin Grundformen und Grundschritte sprachlich und grafisch mit erläutert werden), sondern in berührender, fast poetischer Kraft die Seele des Tango zum Schwingen bringt. In der gewählten Zusammenstellung der ausgewählten Texte entsteht eine ganz eigene (Sprach-) Melodie, die den Leser in bester Form Teil dieses argentinischen Nationaltanzes werden lässt, der sich von ganz unten her entwickelt hat und der, wie kein anderer Tanz ansonsten, die Empfindungen, Emotionen, die Melancholie und Sehnsucht der tanzenden Person zum Vorschein bringt und dafür kaum Rahmung setzt (im Gegensatz zu allen anderen Tänzen mit ihren weitgehend festgelegten Schrittfolgen).

Wohlgemerkt, es geht hier nicht um den europäischen Salontango (der natürlich ebenfalls als Unterform erwähnt wird), nicht um jene paar Schritte, die pseudo-verwegen in den Tanzschulen neben langsamen Walzer und Foxtrot noch mit unterrichtet werden, sondern um die unbändige innere Kraft des Tango Argentino, der von den Häfen Argentiniens, den Spelunken und der Halbwelt der Städte sich als getanzte Wirklichkeit entwickelte. Horacio Salas gilt als größter Tango Kenner der Welt und das spürt man dem Buch auf jeder Seite ab.

Was Tango ist, wie er die Seele der Musik zum Ausdruck bringt und wie die Musik selber sich dem Tango gemäß entwickelt hat bis in die Wahl der Instrumente herein, dies legt Salas genauso vor die Augen (und ins Herz) des Leser, wie die Geschichte herausragender Tango Tänzer und Tänzerinnen und die Texte der Lieder von zart poetisch bis derb anzüglich.
Der Tangomacho wird in klarer Form erläutert, ohne dass feministisch angehauchte Seelen gleich wieder mit Weihwasser sprühen müssten, die Kraft der Führung, aber auch die Bereitschaft, die Einladung der Führung durch den Mann anzunehmen, finden in der sprachlichen Dichte des Buches einen intensiven Niederschlag.

Der Tango ist mehr als ein Tanz, mehr als Zeitvertreib und reine Lust am Rhythmus, der Tango ist ein Teil der Lebenskultur und ausgedrückte Melancholie und Sehnsucht, zwischen Verführung und Abweisung, Erhörung und Zuwendung, kraftvollem Auftritt und Mut zur Schwäche, eng getanzt und bis heute mit einem leichten Anruch versehen.

Vom Beginn der Entwicklung an vollzieht Salas die Geschichte des Tanzes, die Entwicklung der Stilarten, die beteiligten inneren Haltungen, die Musiker und Dichter des Tangos Schritt für Schritt nach, bestens illustriert und damit vertieft und verdeutlicht durch die hervorragenden Zeichnungen Latos.

Ein Buch wie der Tanz. Selten gelingt es, die beschriebene Sache so fühlbar aus den Buchstaben heraustreten zu lassen, wie es auf diesen 170 Seiten gelingt. Der Erotik des Tanzes korrespondiert die emotionale Tiefe der Texte. Allerdings, die paar Seiten Schrittfolgen werden der aufkeimenden Lust an der Hingabe nicht gerecht, nach der Lektüre gilt es, sich umgehend einen guten Tango Lehrer in der Umgebung zu suchen.

Migliedermeinung

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