Mädchenfänger

von

Thriller

Aus dem Englischen von Sophie Zeitz

464 Seiten (gebunden)
Wunderlich

Erscheinungsdatum: 16.07.2010

ISBN: 9783805208925

Rezension von

Verfasst am: 28.07.2010

Bewertung:

  • 3/5 Sterne.

Lainy (Elaine) ist ein typischer 13 jähriger Teenager, nicht aus bestem Hause und mit allen Problemen, die einem die Pubertät in diesem so Alter beschert. Nach einem Umzug musste sie die Schule wechseln und der Kontakt zu ihren alten Freunden reißt langsam ab, neue Freunde hat sie noch nicht gefunden.

Auch die familiäre Situation nervt, ihre Mutter interessiert sich nur für ihren (nervigen) kleineren Bruder, ihr Stiefvater ist “schmierig” und ihre große Schwester hat genügend eigene Probleme und blickt auf eine “Wegläuferkarriere” zurück. In diesem Durcheinander lernt sie in einem Chat “ElCapitan” kennen, einen 17 jährigen (sehr hübschen) Jungen – sie gibt sich für 16 aus und sendet ihm Fotos auf denen sie sich entsprechend nett zurechtgemacht präsentiert und … er will sich mit ihr treffen… es kommt wie es kommen muss – ElCapitan ist weder sehr hübsch noch 17 Jahre alt sondern er ist ein Psychopath, der sich gezielt im Internet auf die Suche nach gutgläubigen und sehr jungen Opern macht.
Special Agent Bobby Dees beginnt zu ermitteln, obwohl alles auf eine typische Wegläuferin hindeutet, folgt er seinem Gefühl und leitet die intensivere Suche nach Lainy ein. Bobby Dees trägt selbst ein “schweres Paket”, seine Tochter verschwand ebenfalls vor etwa einem Jahr spurlos, er leidet unter seiner Arbeit, denn die Suche nach anderen Kindern läßt ihn nie zur Ruhe kommen und um die Beziehung mit seiner Frau LuAnn steht es auch nicht zum besten. Ein Reporter, Mark Felding, drängt sich etwas in den Vordergrund, denn er vermutet, dass es mehr Opfer gibt, die alle dem selben Täter zum Opfer fielen und Bobbys Ermittlungsarbeit nur bei seiner eigenen Tochter auf Hochtouren läuft aber Jugendliche aus sozial schwächeren Umfeld würden bei der Suche nach ihnen benachteiligt. Dass es mehrere Opfer und einen Serienmörder geben muss bestätig sich, nachdem Mark Felding Ölbilder von verstümmelten jungen Frauen zugestellt werden.

Ich bin leider weder mit dem Buch noch mit seinen Protagonisten richtig “warm” geworden. Für mich ist “Mädchenfänger” maximal ein guter Durchschnittsthriller. Der Prolog, mit dem man ins Buch einsteigt, war gut gemacht, der Leser findet sich bei einem Maler, der gebannt einem (sehr fundamentalen) christlichen Prediger zuhört… und man kann sich denken, dass hier ein Psychopath und religiös motivierte Taten lauern. Danach lernt man Lainy kennen, die mit “ElCapitan” chattet und der Leser ahnt, was ihn und auch Lainy erwarten wird.
Das hört und liest sich im ersten Moment durchaus spannend, aber dann tritt nach und nach die reine und trockene Ermittlungsarbeit von Bobby Dees und seine persönliche Leidensgeschichte in den Vordergrund. Genau diese Leidensgeschichte passt zu gut in den Kontext, ist unwahrscheinlich und für mich nicht glaubwürdig, einfach too much.
Das Buch ist leicht und ohne großen Anspruch zu lesen, die Kapitel sind kurz gehalten und bieten zwischen einigen für mich recht langweiligen Ermittlungs- oder Beziehungspassagen auch einiges an Spannung, das tritt immer ein, wenn man die Geschichte aus Lainys Sicht oder aus der Sicht des Psychopathen erzählt bekommt. Was leider viel zu selten vorkam. Der Plot an sich wäre spannend gewesen und hätte viel Spielraum nach oben gehabt, wenn die Geschichte der Opfer und deren Leid mehr in den Vordergrund gerückt wären, so dreht sich die Opfergeschichte eigentlich nur um Lainy, es gab aber deutlich mehr gefangene Mädchen. Auch die Geschichte und Motivation des Täters hätte mehr gewürdigt werden können, das bleibt alles recht blass. Der Lesefluss, bei den sowieso schon etwas trockenen Kapiteln um die Polizeiarbeit wird leider noch zusätzlich permanent behindert durch unzählige polizeispezifische Abkürzungen, welche zwar meist bei ihrer ersten Nennung erklärt werden, aber kurze Zeit später hat man das wieder vergessen und dann taucht dieses Kürzel wieder auf – zurückblättern oder ignorieren? Da hat man als Leser die Wahl zwischen Not und Elend ;-))).  Ebenso der Chat zwischen Lainy und ElCapitan, der war wahrscheinlich sogar recht realitätsnah dargestellt, hat mich aber irgendwie beim Lesen gestört.
Ich denke, dass Jilliane Hoffman zwar einerseits aus ihrer Arbeit als Staatsanwältin profitiert, denn sie kennt die Abläufe der Ermittlung bis ins kleinste Detail, aber andererseits fehlt dem Leser das Verständnis und die Kenntnisse, die sie durch ihren Beruf als gegeben nimmt. Was ich auch nicht unbedingt schön finde sind die sehr häufig eingeschobenen Verweise auf “Cupido”, ein wenig Werbung für ein Vorgängerbuch – ok, aber bei unzähligen Hinweisen nervt mich das nur und erzielt, bei mir zumindest, gegenteilige Wirkung – ich werde es mit Sicherheit (vorerst) nicht lesen.
Auch der Schluss hat mir nicht besonders gefallen, er kam für mich zu hektisch und wirkte irgendwie krampfhaft, wenig gelungen – mit großem “Show Down”, einer zusätzlichen falschen Spur und ein wenig nachgereichtem Kitsch, aber mit recht dürftigen Erklärungen.

Ein durchschnittlicher Thriller, der mit den Ängsten von Eltern spielt.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (3):

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