Am Ende eines Sommers

von

Roman

Aus dem Englischen von Rainer Schmidt

352 Seiten (gebunden)
Eichborn

Erscheinungsdatum: 01.07.2010

ISBN: 9783821861203

Rezension von

Verfasst am: 06.08.2010

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Familienleben mit Hindernissen

Als Jake eines Morgens im November die Eiseskälte spürt und sich an der frischen, scharfen Luft erfreut, kann man sich zuerst keinen Reim auf die Geschichte machen. Er wird sich später mit seinem Vater treffen. Dieser fälscht das Alter von Jake auf 14 Jahre, um ihn mit in den PUP nehmen zu können.

Schnell ist man dann mitten in einer Familiengeschichte, in der es nicht sehr geordnet zugeht. Die Mutter trinkt, die Eltern leben getrennt und Matthew, der älteste Sohn, hat die Familie verlassen. So ist Jake mit seinem kleinen Bruder Andy alleine bei der gestörten Mutter zurückgeblieben. Er verdient sich sein Geld mit allerlei Botengängen.

Im Wechsel verschiedener Jahreszahlen zwischen 1963 bis 1984 und aus der Perspektive von Jake und seiner Mutter Mary werden parallel die Familiengeschichten von Mary und ihrer Schwester Rachel heute und früher beschrieben. Im Jahr 1984 ist Mary eine trunksüchtige und verlorene Person, um die sich Jake mit seinen 13 Jahren kümmern muss.

Die beiden Schwestern Mary und Rachel waren zu ihrer Jugendzeit lebenslustig und hatten ihre kleinen Liebeleien. Heute im Jahr 1984 haben sie heranwachsende Kinder und nehmen nach Jahren erst wieder Kontakt zueinander auf.

Was hat sich von ihrer Jugend an bis heute abgespielt?

Mit Szenen aus dem Leben der Mehrgenerationenfamilie findet man ein Lebensbild, das zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwankt. Ein schwer zu ergründendes Familiengeheimnis hat Mary in die Isolation getrieben. Ihr Unglück und ihr Trauma bleibt ihr Geheimnis, die Folgen nicht. Sie trinkt, sorgt nicht mehr für ihre Kinder und ist insgesamt schwer erträglich. Bill, ihr Mann, hat sie verlassen, denn auch er konnte mit dieser phlegmatischen und gestörten Frau nicht mehr leben. Stimmungsvolle Bilder stehen im Wechsel zu Gesprächen zwischen Nachbarn und Freunden mit dem Vater von Jake und seinen Söhnen. Vom ältesten Sohn Matt hört man nichts mehr. Die Bilder einer innerlich zerstörten Familie werden gekonnt in Szene gesetzt.
„Vor meinem Haus bleibe ich stehen und betrachte die Reihe der Türen, die vor dem neuen Jahr fest verschlossen sind. Unsere ist die einzige ohne Weihnachtskranz. Ich schließe die Tür zu meinem kalten, leeren Haus auf und sehe Andys verschlissenen Pantoffeln“. Mit Sätzen und Passagen wie diesen wird die Atmosphäre einer trostlosen und einsamen Jugend eingefangen.

Die Autorin holt weit aus, um eine Generationengeschichte zu erzählen, die zeigt, wie die Zeiten Menschen verändern und Lebensschicksale alle Hoffnungen zunichte machen können.
Was in der Jugend voller Neugierde und Zuversicht auf das Leben beginnt, endet in zahlreichen Fällen in einem familiären Desaster.

Poetisch und treffsicher ist die Sprache von Isabel Ashdown.

Dennoch bleibt die Erzählung ohne besondere Höhepunkte. Das Geschehene wird plastisch und aussagekräftig erläutert, ohne einen Spannungsbogen aufzuweisen. Insgesamt kann man diesen sehr poetischen und realitätsnahen Roman durchaus empfehlen.

Die Autorin Isabel Ashdown gilt in England als herausragendes Gegenwartstalent.

Migliedermeinung

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