Rabenliebe

von

autobiographischer Roman

450 Seiten (gebunden)
Galiani Berlin

Erscheinungsdatum: 19.08.2010

ISBN: 9783869710204

Rezension von

Verfasst am: 20.08.2010

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Folter oder Freiheit? Eine Aufarbeitung der Vergangenheit.
Verlassen von der Mutter und aufgewachsen in Heimen und Pflegefamilien ist kein „rechtes Leben im Falschen!“
In seinem autobiographischen Roman „Rabenliebe“ und in Abwandlung des Begriffes „Rabenmutter“ erzählt der Autor Peter Wawerzinek seine eigene Geschichte.

Der assoziative Erzählfluss, unterbrochen nur von Geschichten aus den Nachrichten über verlassene und vernachlässigte Kinder, über Folter und Strafen an Kindern, Auszüge von Gesetzesauslegungen über Elternrechte und -pflichten und eingefügte Texte aus bekannten Kinderliedern, bekommt man einen Einblick in das Leben eines verlassenen Kindes.
Dieser Icherzähler erlebt sich als „Ding“ und nicht als Mensch. Mit vier Jahren wird er von den Aufsichtsbehörden in ein Heim gegeben, nachdem sich die Mutter aus dem Osten Deutschlands in den Westen abgesetzt und ihn ohne Aufsicht zurückgelassen hat. Man spürt förmlich, wie sie sich nicht mehr nach ihm ungesehen hat und schnell in die vermeintliche westdeutsche Freiheit geflüchtet ist. Er wurde ohne Einschränkungen seinem Schicksal überlassen.
Von Heim zu Heim geschleift, unterbrochen nur von der gelegentlichen Aufnahme bei mehr oder weniger fürsorglichen Frauen, die ihn als Pflege – oder Adoptivkind anzunehmen versuchen, geht er einem Schicksal entgegen, in dem er nur folgen, gehorchen und sich fremden Regeln unterwerfen muss.
Lange bleibt der Junge stumm, spricht nur mit den Vögeln und lauscht den Geräuschen der Natur, bis er der Wirklichkeit näher kommt. Niemand hat je gefragt, wie es diesem Kind geht. Tief in sich selbst eingeschlossen ist es weniger ein Leben als ein Überleben, dem sich der Junge ausgesetzt sieht. Die Gefühle von Verlassenheit und mangelnder Zugehörigkeit werden in unübertroffener Diktion durch monotone und kalt-nüchterne Beobachtungen des Opfers sinnfällig. Es gefriert die Seele, wenn man liest, was ein kleiner Mensch aushalten kann und muss.
Wo ist die Mutter? Warum ließ sie ihn im Stich?
Lebenslang quält er sich mit Fragen nach dem “Warum”.

Als er sich nach langen Jahren auf der Suche nach dem Verbleib seiner leiblichen Mutter bei ihr im Kreise vieler Halbgeschwister wieder findet, entspricht sie nicht dem Bild, das er die ganze Zeit in sich trug.
Erschütternd, tragisch und enthüllend sind diese Aufzeichnungen eines Gezeichneten. Zum Menschen wird man erst durch Liebe, Zuwendung und Ermutigung.

Peter Wawerzinek hat mit der Poesie die Brücke zur Welt gefunden. Seine Ausführungen sind von sensibler und penibler Genauigkeit, klangvoll und tiefenscharf. Hier hat sich einer mit Wort und Schrift vom Trauma eines Lebens befreit. Ein hoch zu lobendes und preiswürdiges Buch!

Migliedermeinung

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