Rezension: Die Stille nach dem Gesang

Anspruchsvolle Familienstudie

In einem lakonischen und ruhigen Stil beginnt der Roman über eine unmögliche Liebe. Warum sie unmöglich ist, dessen wird man erst allmählich gewahr.

Zwischen 1993 und 2001 wechseln Zeit und Schauplätze dieser obskuren Handlung.
Die wenig erfolgreiche Sängerin Alexandra war mit dem Popsänger Falk Markgraf liiert und hat mit ihm eine gute Zeit verlebt. Er kam aus einer großbürgerlichen Familie in Bayreuth und ließ das Großbürgertum hinter sich, um lieber im Auflehnung gegen seine Herkunft als Popsänger zu brillieren. Er ließ sich nicht in eine Ehe einbinden, und so kehrt Alex alleine aus Barcelona, wohin sie ihn begleitet hatte, nach Berlin zurück. Geheimnisvoll und vielsagend steht seine Familie und hier besonders die Schwester Isolde zu dem Bruder, der später unerwartet und plötzlich zu Tode kommt. Seine Familie lässt Alexandra fühlen, dass sie mit ihr als Gefährtin für den geliebten Bruder und Sohn nicht einverstanden war. Zu Alex’ Freude und zum Ärger Isoldes gebar Alexandra nach Falks Tod die Tochter Wanda. Isolde bleibt misstrauisch, ob Wanda wirklich Falks Tochter ist. Immerhin lässt man sich in der Familie auf Erbansprüche des Kindes ein. Inzwischen gibt es bei Alexandra noch den Sohn Rafi, Spross einer flüchtigen Beziehung Alexandras mit einem spanischen Geschäftsmann, der vier Jahre nach Wanda geboren wurde. Alexandra schlägt sich schlecht und recht mit den Alimenten des Spaniers durch, der von seiner geliebten Frau niemals lassen wird.

Auf ungewöhnliche Weise versteckt Katharina Döbler ihr Familienepos in die Rahmengeschichte einer Mesalliance. Zwar spielt Alexandra die Hauptrolle, doch letztlich geht es um den Niedergang einer Großbürgerfamilie. Der Vater und die etwas dümmliche Mutter von Falk, beide glühende Wagneranhänger und der Vater wohl auch ein ehemaliger Nazi, können keines ihrer Kinder auf die eigene Lebensvorlage einschwören. Ihr Sohn Falk entfernt sich innerlich und äußerlich aus dem Dunstkreis des spießbürgerlichen Elternhauses, und zwei weitere Söhne der Familie tun es ihm gleich.

Katharina Döbler berichtet über Familienstile und über veränderte soziale Verhaltensweisen in der Nachkriegszeit; nach der berühmten Wende tastet sich die Autorin an gerade diese Familie heran, indem sie den Lebensweg Alexandras mit dem der Familie sich kreuzen lässt.
Atmosphärisch sind die Lokalitäten in Berlin und an Spaniens Küsten gut getroffen.

Am Ende bleibt in Buddenbrookscher Manier vom ehemaligen Glanz und Erfolg des ehrgeizigen Unternehmens nicht mehr viel übrig.
Die Sängerin Alexandra verbleibt Zeit ihres Lebens im Dunstkreis ihrer Liebhaber. Sie ist unausgeglichen, schwach und zu einer eigenen Lebensplanung nicht fähig. Insofern mischen sich in diesem Roman Züge eines konservativ-traditionellen Unternehmergeistes, die wir aus Thomas Manns Werken kennen, mit den schwachen und sozial unakzeptierten weiblichen Figuren, die Fontane in seinen Romanen durchaus sozialkritisch verewigt hat.
Auch heute noch besteht in gewissen Kreisen ein gesellschaftliches Gefälle, das modernen Zeiten nicht gerecht wird.

Katharina Döbler hat mit dieser Studie über die Grenzen gesellschaftlicher Freiheit berichtet. Es ist ihr ein nachdenklicher, teilweise ernster und anspruchsvoller Roman gelungen.

Verfasst von Claudine Borries am 24.08.2010.

 

 

 

Bookreporter
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Buchinfos

Die Stille nach dem Gesang

 


Die Stille nach dem Gesang

Roman

272 Seiten (gebunden)
Galiani Berlin

Erscheinungsdatum:
19.08.2010

ISBN: 9783869710211


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