Philippes Leben fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen, als seine Frau ihn nach der Scheidung vor die Tür setzt.
Seine größte Angst ist, seine kleine Tochter nicht sehen zu dürfen. Doch seine Frau hat zur Bedingung gemacht, dass er seine Tochter an den Wochenenden erst zu sich holen darf, wenn er eine eigene Wohnung hat. Doch der Gedanke daran rückt in weite Ferne, als er auch noch seine Arbeit verliert.
Das Geld wir knapp und schließlich bleibt ihm nichts mehr als die Kleidung, die er am Leib trägt. Von nun an führt Philippe ein Leben auf der Straße.
Harold Cobert hatte sich schon nach wenigen Seiten in mein Herz geschrieben. Schonungslos aber sehr einfühlsam beschreibt er Stufe um Stufe Philippes Abstieg. Ich hatte beim Lesen immer einen Kloß im Hals und habe mich gefragt, ob es tatsächlich möglich ist, so schell so tief zu fallen. Dieses beklemmende Gefühl bin ich die ganze Zeit über auch nicht mehr losgeworden.
Durch diesen Roman hat sich meine ganze Sichtweise völlig umgestellt. Dem Roman lag ein Schreiben vom Autor an die Buchhändler bei, wo unter anderem zu lesen ist: “Schlimmer als das Leben auf der Straße, das Elend und die Gewalt ist es, in den Blicken der anderen nicht mehr zu existieren. Auf ein unsichtbares Etwas reduziert zu werden.”
Diese Sätze haben mich nach Beenden des Buches den ganzen Nachmittag nicht mehr losgelassen. Wie reagiert man selber, wenn einem ein Obdachloser zu nahe kommt? Als erstes stellt sich der Fluchtreflex ein, weil diese Menschen nicht mehr die Möglichkeit haben, sich so sauber zu halten, wie es für uns selbstverständlich ist. Schon der Geruch stößt uns ab. Viele von ihnen haben zusätzlich noch eine Alkoholfahne, weil das Leben auf der Straße ohne Alkohol kaum zu ertragen ist. Aber kaum einer fragt sich, warum diese Menschen letztendlich überhaupt auf der Straße gelandet sind …
Als Philippes Freund sich von ihm abwendet, hat mich das sehr betroffen gemacht und das Schlimme ist, dass ich es trotzdem nachvollziehen konnte. Nicht nachvollziehen hingegen konnte ich das Verhalten von Philippes Exfrau und ihren Eltern. Dem Vater das Kind vorzuenthalten und dann auch noch wegzuziehen ohne eine Adresse zu hinterlassen, das ist das Allerletzte.
Erst als Philippe dann auf Baudelaire trifft und dieser Hund ihm zeigt, dass es sich zu leben lohnt, fasst er wieder Mut und bekommt sogar unerwartete Unterstützung.
Durch die kurzen Kapitel hatte ich das Gefühl, dass die Seiten nur so an mir vorüber flogen – dabei hätte ich liebend gerne noch viel mehr gelesen. Dieser Roman geht unter die Haut und lässt den Leser sehr nachdenklich zurück. Ich kann nichts anderes als fünf Sterne für dieses Werk vergeben und hoffe, in Zukunft noch viele Bücher von diesem Autor lesen zu dürfen.
Verfasst von goat am 29.08.2010.
Ein Buch, das ans Gemüt geht, das man nicht mehr aus der Hand legen möchte. ...weiter
Verfasst von
Wolfgang Hovestädt
am 15.07.2010.
Bewertung:
Philippe, ein junger Mann aus der Le Havre zieht nach Paris um dort mit Hilfe vieler kleiner Nebenjobs sein Studium zu finanzieren. ...weiter
Verfasst von
urmeli
am 19.08.2010.
Bewertung:
Jeder, der schon mal in Berlin oder einer anderen Großstadt mit der Bahn gefahren ist, hat sie bestimmt gesehen: die Obdachlosen, die mit monotoner Stimme um ein bisschen Kleingeld oder etwas zu essen bitten. ...weiter
Verfasst von
kleinfriedelchen
am 16.09.2010.
Bewertung:
Aus dem Französischen von Sabine Schwenk
288 Seiten (gebunden)
Pendo
Erscheinungsdatum:
09.08.2010
ISBN: 9783866122581
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