Rezension: Die Zahlen der Toten

Eine verstümmelte Frauenleiche wird auf einem Feld eines (amischen) Bauern in Painters Mill gefunden, sie wurde übel zugerichtet und auf ihren Bauch wurden römische Zahlenzeichen eingeschnitten.

Kate Burkholder, selbst als “Amische” aufgewachsen und der Glaubensgemeinschaft nicht beigetreten, somit eine “Gebannte” der Amischen, die Polizeichefin von Painters Mill beginnt zu ermitteln, 16 Jahre vorher wurden in dem ruhigen Örtchen in Ohio schon einmal ähnliche Morde verübt. Kate will nicht daran glauben, dass der Mörder wieder zurückgekehrt ist, denn sie glaubt zu wissen, was damals passiert ist und möchte verhindern, dass diese Wahrheit an die Öffentlichkeit kommt – eine Wahrheit, die ihr Geheimnis bleiben soll. Um ihr Geheimnis zu wahren, verschleppt sie die Ermittlungen etwas, eigentlich hätte sie Hilfe von anderen Polizeistandorten oder vom FBI/BCI anfordern müssen und als der Täter wieder zuschlägt eskaliert die Situation, die Öffentlichkeit beginnt gegen die Polizeichefin zu rebellieren, der Bürgermeister und besorgte Bürger, die Angst um ihr Leben (oder das ihrer Kinder) und den Ruf ihres Städtchens bei den Touristen haben, sorgen dafür, dass Detective Tomasetti vom BCI und der Sheriff Dexter vom Nachbarort hinzugezogen werden. Kate fühlt sich (zu Recht) hintergangen und nach und nach wird sie aus den Ermittlungen gedrängt. 



“Die Zahlen der Toten” ist das “Thriller-Debut” von Linda Castillo und es ist durchaus recht gut gelungen. Diesem Buch sollen noch weitere Bände mit Kate Burkholder und ihrem Team in Painters Mill folgen und ich werde sicherlich wieder einen Blick darauf riskieren. Obwohl der Thriller nach altbekanntem Muster gestrickt ist, empfand ich ihn nicht als langweilig, oder zu plump, oder einfach abgekupfert. Im Gegenteil ich wurde gut und spannend unterhalten. Natürlich gibt es noch Spielraum nach oben und einiges an unausgeschöpftem Potenzial, so hätte ich mir mehr Informationen über die “Amischen” gewünscht und Kates Konfliktpotenzial mit ihrer Familie, bzw. ihrer “englischen” Lebensweise (“Englisch” so benennen Amische den Rest der Welt) hätte noch mehr einbezogen werden können, um dem Buch mehr Tiefe und etwas mehr Anspruch zu geben. 

Kurz zur Erläuterung (Quelle Wikipedia): Die Amischen sind eine täuferisch-protestantische Glaubensgemeinschaft. Sie haben ihre Wurzeln in der reformatorischen Täuferbewegung Mitteleuropas. Im Jahre 1693 spalteten sich die Amischen von der Gruppe der Mennoniten ab. Im Jahr 2010 lebten sie in 28 Staaten der Vereinigten Staaten sowie im kanadischen Ontario in 427 Siedlungen und 1826 Gemeindedistrikten. Sie führen ein stark im Agrarbereich verwurzeltes Leben und sind bekannt dafür, dass sie den technischen Fortschritt in vielen Fällen ablehnen und Neuerungen nur nach sorgfältiger Überlegung akzeptieren. Die Amischen legen großen Wert auf Familie, Gemeinschaft und Abgeschiedenheit von der Außenwelt. Sie stammen überwiegend von Südwestdeutschen bzw. Deutschschweizern ab und sprechen untereinander meist Pennsylvaniadeutsch. 

"Die Zahlen der Toten" ist ein guter, wenn auch wieder teilweise ein sehr brutaler Thriller, die Folterungen der Opfer werden sehr detailliert geschildert, mich persönlich stört das nicht, doch denke ich, dass das Buch nicht für dahingehend zarte Gemüter gemacht ist. Für unentschlossene, potenzielle Leser – einfach den Prolog lesen, sehr viel schlimmer wird es nicht. Wobei der Prolog schon, von der Brutalität her, fast an meine Grenzen geht, es ist schon wirklich sehr schockierend beschrieben, was dem Opfer angetan wird und ich frage mich, wie die Autorin (eine Frau) auf so krasse und kranke Gedanken kommt. Prinzipiell mag ich ja “kranke” Geschichten, aber ich muss auch nicht alles haarklein beschrieben bekommen, oft reichen auch schon Andeutungen, der Leser hat ja auch eine gewisse Phantasie, um sich Dinge (nach seinen Maßen) vorzustellen. Die Geschichte um Kate, ihr Geheimnis und die Ermittlungsarbeit lesen sich dagegen sehr angenehm, prinzipiell zwar auch nichts was es so oder so ähnlich nicht schon einmal gab, aber dennoch ganz unterhaltsam. 

Für mich gibt es auch noch einige Kritikpunkte, so wird auch in diesem Buch einiges an Klischees abgearbeitet, Detective Tomasetti hat seine Familie verloren, lebt depressiv mit latenter Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit und die obligatorische (und für mich überflüssige) Lovestory kommt natürlich auch noch dazu. Dagegen wurde einiges an Möglichkeiten, etwas Besonderes aus dem Buch zu machen verschenkt, zum Beispiel das Painters Mill Polizei-Team um Kate, das wären alles nette und facettenreiche Charaktere, die zusammenhalten (und auch zu Kate halten) aber (leider) nur als Statisten dienen. Oder wie schon oben beschrieben, mehr Infos über die Amischen und deren Zusammenleben mit den “Englischen”. Allerdings ist die Geschichte außerhalb der Morde auch nicht zu belanglos oder wirkt auf mich wie reine, nutzlose Füllinformation, dass einfach irgendwas, zwischen möglichst ekligen Details, erzählt wird – aber insgesamt wären einfach etwas mehr Tiefe bei den (Haupt-) Protagonisten und bei der Geschichte wünschenswert gewesen. Was ich auch gar nicht mag – und was mich auch fast dazu gebracht hat, das Buch nicht zu kaufen war einerseits der Aufkleber (vorne auf dem Buch) “Unbedingt lesen” – so etwas mag ich persönlich einfach nicht (dieses Urteil soll doch eigentlich dem Leser überlassen bleiben) und außerdem noch das beigelegte Lesezeichen (mag ich eigentlich sehr) aber bitte nicht mit übermäßigen Vorschusslorbeeren – der beste Thriller des Jahres (oder so ähnlich) – für mich weist das eher auf (schwaches) Mittelmaß hin, dass es notwendig hat, wie “sauer Bier” angepriesen zu werden – und das hatte das Buch wirklich nicht notwendig. 

Lesen lässt sich das Buch einfach und schnell, abwechselnd wird aus Kates Sicht, aus der Sicht eines “neutralen Beobachters” und aus Detective Tomasettis Sicht erzählt, Einschübe über die Opfer, bzw. im letzten Drittel auch aus der Sicht des Täters sorgen für Abwechslung und Spannung. 
Der Täterkreis engt sich für den geübten Thrillerleser eigentlich fast von Anfang an stark ein und bleibt dem aufmerksamen Leser sicher nicht verborgen, auch gibt es recht wenig “falsche Fährten”. Das Ende ist genretypisch, ein großer Showdown (was mir persönlich immer nicht ganz so gut gefällt und -), inklusive des Einbeziehens von Kate – für mich ohne große Überraschungen. Aber nun gut, irgendwie muss es ja enden (und mein Geschmack ist nun auch nicht das Maß aller Dinge).

Ein recht gelungenes und spannendes Debüt, teilweise sehr brutal – wahrscheinlich mehr für Frauen.

Verfasst von Stahlfixx am 31.08.2010.

 

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Klappentext: Die verstümmelte Leiche der jungen Frau liegt auf einem schneebedeckten Feld. Ihr Mörder hat sie regelrecht abgeschlachtet und ihr eine römische Zahl in den Bauch geritzt. Fassungslos steht Kate Burkholder, die neue Polizeichefin im verschlafenen Painters Mill, Ohio, vor der grausig anmutenden Szenerie. Kann es wahr sein? Ist der, den sie damals den „Schlächter“ nannten, und der vor 16 Jahren mehrere junge Frauen auf bestialische Weise tötete, wieder zurück? Für Kate steht jetzt alles auf dem Spiel: Sie muss den Mörder so schnell wie möglich finden. Doch dann muss sie auch ein Geheimnis preisgeben, das sie ihre Familie und ihren Job kosten könnte. ...weiter

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Bookreporter
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Buchinfos

Die Zahlen der Toten

 


Die Zahlen der Toten

Thriller

Aus dem Amerikanischen von Helga Augustin

432 Seiten (Taschenbuch)
Fischer Taschenbuch

Erscheinungsdatum:
12.08.2010

ISBN: 9783596184408


Nutzerbewertung:
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Die Autorin

 

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