Abschied von Mona Lisa

von

Sachbuch

Aus dem Italienischen von Ingeborg Walter

160 Seiten (gebunden)
C.H. Beck

Erscheinungsdatum: 27.01.2010

ISBN: 9783406597817

Rezension von

Verfasst am: 14.09.2010

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Ausgelächelt?

Seit Jahrhunderten bereits verzaubert Mona Lisas geheimnisvolles Lächeln nicht nur Betrachter und Museumsbesucher, sondern es ranken sich auch zahlreiche Legenden um das Bild und seine Entstehung, genauso, wie das Bild Leonardo da Vincis bereits seit langer Zeit wissenschaftliches Interesse hervorruft.

Wen hat Leonardo portraitiert? Für wen entstand das Bild? Und warum ranken sich letztlich von Beginn an fast eine Reihe von Legenden um das Bild und die geheimnisvolle Frau?

Roberto Zapperi macht sich 140 Seiten, ergänzt durch 16 farbige Bildtafeln und 9 weitere Abbildungen auf, wie er selbst sagt, das Geheimnis des Bildes endgültig zu entschlüsseln.
Akribisch geht er in seinem Buch den Hauptvermutungen der Kunstgeschichte nach, widerlegt diese scheinbar Stück für Stück, zieht Parallelen zum jungen Raffael, unterstellt dabei Leonardo, stark von Raffael beeinflusst zu sein und findet schließlich zur These, das Bildnis stelle eine Mätresse des Guiliano de Medici dar, Pacifica Brandani.

Das Motiv des Guiliano de Medici findet Zapperi auf Umwegen. Da dieser den illegitimen Sohn der Mätresse aufnahm, vermutet Zapperi in Guiliano de Medici den eigentlichen Vater des Kindes Ippolito und sieht das Motiv der in Auftrag Gabe des Bildes darin, dem Sohn ein Bildnis seiner Mutter zu erhalten.

Mit dieser Kombination und anderen Indizien kunstgeschichtlicher und stilistischer Natur und der daraus folgenden Benennung der Brandani als „Mona Lisa“ wendet sich Roberto Zapperi gegen die überwiegend verbreitete Überzeugung, das Bildnis zeige die Frau des Seidenhändlers del Diocondo.

Aus dieser, akribisch durch Indizien belegten, These leitet sich letztendlich auch der Titel des Buches ab. Es geht nicht um einen Abschied vom Bild selbst, sondern um einen Abschied der bisherigen Lehrmeinung über Auftraggeber und Motiv des Bildes.

Roberto Zapperi schreibt lebendig und flüssig lesbar, nicht trocken abstrakt, verwendet allerdings eine Fülle von Fakten und Querverweisen, die durchaus ein überzeugendes Bild seiner These erstellen. Letztlich aber verbleiben auch ihm nur Indizien statt Fakten, Vermutungen statt historischer Dokumente. Eine Selbstaussage Leonardos zum Bild hat auch er nicht gefunden.

Dennoch verdient seine Betrachtung Aufmerksamkeit und ist das Buch sehr zu empfehlen. Zum einen werden, wenn auch in Abgrenzungen und damit subjektiv gewertet, die Hauptimpulse der wissenschaftlichen Betrachtung und mancher Legenden informativ dargestellt, so dass der Leser hier einen sehr kompakten und sprachlich gut lesbaren Einblick in die jahrhundertelange Betrachtung des Bildes erhält.
Zum anderen führt er als eigene These eine durchaus ernst zu nehmende und in sich schlüssige Argumentation an, die zumindest die vorherrschende Meinung über das Bild durchaus in Frage zu stellen vermag.

Selbst wenn man sich seiner Sichtweise nicht umgehend anzuschließen vermag, erhält zumindest die Diskussion um das Bild durch die Darstellung Zapperis und seiner neu eingebrachten Fakten neue Wendungen. Aufgrund der Seriosität der Darstellung im Buch lohnt es durchaus, diesen neuen Wendungen ernsthaft auch weiterhin nach zu gehen.

Zapperi schreibt ein faktisch fundiertes Buch mit akribischer Betrachtung kunstgeschichtlicher Quellen flüssig und nachvollziehbar geschrieben, das die überwiegend verbreitete Lehrmeinung über Auftraggeber, Entstehung und abgebildete Person des Bildes zumindest erschüttert. Schon als reine Information zum Gemälde und seine wissenschaftliche Betrachtung durch die Jahrhunderte hindurch empfehlenswert.

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