In Todesangst

von

Thriller

Aus dem Amerikanischen von Nina Pallandt

448 Seiten (gebunden)
List

Erscheinungsdatum: 11.09.2009

ISBN: 9783471350171

Rezension von

Verfasst am: 21.09.2010

Bewertung:

  • 3/5 Sterne.

Tim und Susanne Blake sind geschieden, ihre 17 jährige Tochter Syd(ney) lebt bei Susanne und ihrem neuen Lebensgefährten und dessen Sohn. Die Ferien verbringt Syd bei Tim, nebenbei jobbt sie in einem Hotel (dem “Just Inn Time”) an der Rezeption. Nach einem relativ belanglosen Streit, geht Syd zur Arbeit und kommt am Abend nicht mehr nach Hause zurück.

Tim macht sich Sorgen und begibt sich auf die Suche, er beginnt im “Just Inn Time”, doch niemand im Hotel kennt Syd oder hat sie überhaupt schon jemals gesehen. Die Polizei glaubt, dass Syd weggelaufen ist und höchstwahrscheinlich nach ein paar Tagen von selbst wieder auftaucht. Erst als nach Tagen ihr Auto, mit deutlichen Blutspuren im Innenraum, auf einem Parkplatz gefunden wird, beginnt die Polizei zu ermitteln.

“In Todesangst” ist der dritte Thriller aus der Feder von Linwood Barclay, vom Erstlingswerk “Ohne ein Wort” war ich sehr begeistert, meine Begeisterung ebbte mit dem zweiten Thriller “Dem Tode nah” (leider) etwas ab und auch dieses Buch konnte an den ersten Thriller wieder nicht heranreichen. Meiner Meinung ist es ein wenig (minimal) besser als das zweite Buch, aber mit ähnlichen und auch anderen, neuen Schwächen. Alle drei Bücher sind eigenständige, abgeschlossene Geschichten und haben nichts miteinander zu tun.
Am meisten störte mich an “In Todesangst”, dass die Geschichte (auf den zweiten Blick) dem vorangegangenen Thriller sehr ähnlich ist – zwar sind die Umstände andere (hier keine heile Familie, sondern ein geschiedenes Paar; im Vorgänger war es ein Sohn unter Mordverdacht, hier handelt es sich um eine verschwundene Tochter, aber beide in ähnlichem Alter) und damit scheint es sich durchaus zu unterscheiden, doch der Grundgedanke – der Vater, der sich selbstlos und unglaublich mutig durch alle Widrigkeiten kämpft um sein Kind zu retten oder zu finden und das Strickmuster – diverse Verstrickungen, die durch und durch, zwar gut und einfallsreich, aber (zu) sehr konstruiert sind – ähneln sich für meinen Geschmack zu sehr, also hat mich das ganze an mancher Stelle an einen zweiten Aufguss erinnert – und wie beim Tee, beim zweiten Aufguss schmeckt es einfach nicht mehr so gut (es sei denn man trinkt Jasmintee ;-)).
Der Einstieg ins Buch ist, trotz aller Kritik, wieder sehr gelungen, das versteht Linwood Barclay wirklich meisterhaft, den Leser mit den ersten Seiten einzufangen.
Doch die Spannung kann nicht das ganze Buch über gehalten werden, nach dem Prolog beginnt Tims Suche nach Syd und diese Suche hält zwar die eine oder andere Überraschung bereit, doch lesen sich manche Kapitel, Begebenheiten oder Passagen recht langwierig, ohne Biss, und ziehen sich (gefühlt) wie Kaugummi. Darunter fallen zum Beispiel Geschichten, die von Tims Job als Honda-Autoverkäufer erzählen (insgesamt empfinde ich “Honda” jetzt für mich als das Unwort der Woche, denn ich musste es in diesem Buch gefühlte 999 mal lesen und ein wenig "Schleichwerbung, ok, aber bitte nicht dauernd).
Bei diesem Buch kann ich (nicht wie beim Vorgänger) auch ausnahmsweise nicht über den Klappentext meckern, der verrät diesmal nicht zuviel, aber er verspricht diesmal recht viel, was das Buch meiner Meinung nach nicht wirklich ganz halten kann. Dieser Klappentext hat mich, zusammen mit dem Prolog, ganz gut bei “der Stange gehalten” und mich etwas über den zähen Mittelteil geschubst, aber schlussendlich doch auch etwas für Enttäuschung gesorgt.
“In Todesangst” kommt mit relativ wenig Blut aus, aber zwischendurch und dann gerade auch im letzten Drittel häufen sich etwas übertriebene Actionszenen, was mir persönlich einfach nicht so gut gefällt.
Erzählt wird die Geschichte aus Tims Sicht, als “Ich-Erzähler”, ist (genretypisch) einfach zu lesen, mit kurzen Kapiteln, die meist mit (mehr oder weniger guten) Cliffhangern oder mit neuen Erkenntnissen oder Spuren abschließen. Das Buch wirkt gekonnt, jedoch ohne besondere Raffinesse, geschrieben.
Auch das Cover ist genretypisch ansprechend gestaltet, signalrot mit einer schemenhaften Hand, den Titel fand ich jetzt nicht ganz so gut zum Buch passend (aber das ist nur mein persönlicher Eindruck, da sollte sich der potenzielle Leser selbst ein Bild machen).
Die Thematik ist eigentlich gut gewählt, fast erwachsene Sprösslinge werden gerne von ihren Eltern auch noch im fortgeschrittenen Alter als (Klein-) Kinder gesehen, und somit bot die Geschichte viel Potenzial – Tim erfährt im Laufe des Buches immer mehr Details über seine Tochter (Dinge, die eigentlich mehr oder weniger zu einer ganz normalen Entwicklung gehören, die die Eltern allerdings nicht unbedingt wissen möchten oder müssen), was ihm aber natürlich überhaupt nicht gefällt. Unterschwellig wird Spannung dadurch erzeugt, dass der Leser durch Andeutungen oder Ungewissheiten ständig mit dem schlimmsten Szenario rechnet, welches Syd zugestoßen sein könnte, denn schnell wird klar, Syd ist nicht nur aus einer Teenager-Laune heraus verschwunden, sie hatte das eine oder andere Geheimnis und anscheinend Kontakte zu zwielichtigen Gestalten.
Die Rahmengeschichte darum, Tims Suche und die Verwicklungen und Verstrickungen, die nach und nach ans Tageslicht kommen, sind meiner Meinung nach der Schwachpunkt des Buches, die Dinge, die Tim bei seinen Ermittlungen auf eigene Faust zustoßen, sind einfach (nur) unglaubwürdig, keine Widrigkeit und Komplikation wird ausgelassen, jeder mögliche Stein wird ihm in den Weg gelegt – etwas “großes Böses” scheint die ganze Suche zu überschatten, Tim trifft auf für ihn ausgelegte falsche Fährten, die versuchen ihn von der Bildfläche verschwinden zu lassen, die ihm Straftaten unterschieben wollen, die letzenendes dazu führen, dass die Polizei Tim verdächtigt mit Syds Verschwinden zu tun zu haben – aber kein Rückschlag oder kein Unglück kann Tim von seinem Weg Syd zu finden abringen.
Insgesamt ist der Thriller ein typisch amerikanisches Buch, auch mit den typischen Schwächen (für Genreliebhaber sind es eventuell auch keine) – alles ist etwas übertrieben, die Charaktere sind entweder gut oder böse – mit wenig Platz für Facetten und für meinen Geschmack auch zu viele Actionelemente. Was mir im Gegensatz zu “Dem Tode nah” besser gefallen hat, ist, dass Linwood Barclay bei diesem Buch etwas weniger (aber immer noch ausreichend) mit typischen amerikanischen Klischees um sich wirft und ein wenig Pathos aus der Geschichte genommen hat.
Die Auflösung um Syds Verschwinden mutet auch etwas seltsam und unspektakulär – maximal “an den Haaren herbeigezogen” – an, aber dafür übermäßig actionreich, eigentlich habe ich (durch den Klappentext) eine unglaubliche Verschwörung erwartet, welche die vorangegangenen Hindernisse, die Tim in den Weg gelegt wurden, erklären würden, aber irgendwie hinterlässt mich das Ende ratlos, mit noch einem Handlungsstrang, der genauso unglaubwürdig daherkommt (der mit Syds Freundin zusammenhängt), den es nun wirklich gar nicht mehr gebraucht hätte und der irgendwie im Raum stehen gelassen wird – so ein “Trara” wegen so etwas – naja. Im Gegensatz zu dem Tempo, in dem die Story anläuft, kommt das Ende dann auch etwas zu schnell, ist in wenigen Absätzen abgehandelt – ein Epilog, der noch einige Informationen nachreicht, hätte das Buch stimmiger abschließen lassen.
Ein kleiner Hinweis für alle, die die Bücher von Linwood Barclay lesen möchten, ich empfehle sie nicht in der Reihenfolge ihrer Erscheinung zu lesen, sondern in jeden Fall “Ohne ein Wort” bis zum Schluss aufzusparen, das bisher stärkste Buch des Autors, lässt die beiden Nachfolger einfach etwas in seinem Schatten stehen.

Ein solider, durchschnittlicher Thriller, der (leider) wieder nicht an “Ohne ein Wort” heranreicht, aber relativ spannend unterhält.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (8):

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