Die Mörder von Karthago

von

Historischer Krimi

320 Seiten (gebunden)
Heyne

Erscheinungsdatum: 04.10.2010

ISBN: 9783453525283

Rezension von

Verfasst am: 14.10.2010

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Ein weiterer punischer Kriminalfall

Dass Gisbert Haefs, der sich in den letzten Jahren intensiv dem Feld des historischen Romans und der historischen Romanbiographie zugewendet hat, seine Wurzeln im Genre des Kriminalromanes hat, ist an diesem Buch eindeutig erkennbar.

Im Karthago des Jahres 228 vor Christus herrschen eine bedrängte Friedensruhe einerseits und raue Sitten andererseits. Rom, der große Rivale, bedrängt das punische Reich von den Grenzen her, obwohl der nächste Krieg noch nicht offen ausgebrochen ist. In Karthago selbst sorgt der, aus vorgehenden Büchern den Lesern bekannte, Bomilkar, der „Herr der Wächter“ (der Stadtpolizei von Karthago) so gut er kann für geordnete Zustände und für seine eigene Person, mit manchen Oberen der Stadt steht er nicht im besten Verhältnis. Zudem ist ein Verbrecher geflohen, der ihm persönlich und seiner Familie blutige Rache geschworen hat.

Drei Morde auf einen Schlag tun das ihre hinzu, ihn vollends auszulasten. Ein Hausbesitzer und Vermieter, ein Stadtstreicher und ein indischer Pilger finden auf höchst unterschiedliche Weise fast zeitgleich den Tod. Höchst verwickelt stellen sich die Ermittlungen Bomilkars dar, zu allem Übel wird er noch einer Gesandtschaft nach Rom zugeteilt, die ihm eine weitere, gefahrvolle Mission einbringt.

Dass zwischen den Morden und der großen Politik ein Zusammenhang besteht, wird ihm erst später deutlich, als es fast schon zu spät ist und er selbst in Gefahr von verschiedenen Seiten aus gerät. Eine verwickelte Verschwörung entdeckt er bis in die obersten Ränge der Führung Karthagos hinein, Ränkeschmiede, in denen die Toten und er selbst nur Figuren eines weit größeren Planes sind, dem auch Bomilkar letztlich ohnmächtig gegenüber steht.

Wie gewohnt lässt Haefs in seine Schilderung fundierte Detailkenntnisse einfließen. Das Lokalkolorit der großen Städte und Widersacher Karthago und Rom, die angespannte Stimmung der Zeit ebenso, wie das ganz alltägliche Leben finden bilderreich und plakativ zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Auch der zunächst harmlos erscheinende und dann immer komplexer werdende Fall der drei Toten trägt in sich Spannung und eine Reihe von Überraschungsmomenten.

In der Skizzierung der Personen und ihrer Interaktionen allerdings fühlt sich der Leser eher an moderne Kriminalfälle erinnert. Wenn Bomilkar im Gespräch mit einem der Heilkundigen in gleicher Weise die Toten auf Spuren hin untersucht, wie ein moderner Kommissar mit einem Pathologen sprechen würde, oder er seine Berichte auf Tontafeln ritzt, wie Polzisten aus alten Zeiten grübelnd im Zwei-Finger-Such-System mechanische Schreibmaschinen bearbeiteten, tauchen unweigerlich Nähen zum Genre des modernen Kriminalromans auf. Ebenso ist es sicherlich historisch nicht genau getroffen, einen Priester auf seine Priester“Kollegen“ hin anzusprechen, da herrschte 300 v.C. real ein anderer Umgangston im Heiligtum.

Hier verlässt Haefs die historische Detailtreue offenkundig. Andererseits ergibt diese moderne Figurenführung und die angesprochenen, eher modern anmutenden Ermittlungstechniken eine doch dem Fluss der Geschichte zuträgliche Atmosphäre. Auch in sprachlicher Hinsicht flüssig erzählt verzichtet Haefs damit in guter Weise auf eine künstlich überhöhte Sprache und lässt die Protagonisten seiner Geschichte der Gegenwart nahe rücken.

In den historischen Gegebenheiten detailgetreu, im roten Faden des Kriminalfalles ohne logische Brüche mit manchen Überraschungen und zugleich die verzwickte und gefährliche politische Stimmung der damaligen Zeit einfließen lassend legt Gisbert Haefs einen gut zu lesenden und flüssig geschriebenen Kriminalroman historischer Art vor, der für ein durchaus anregendes Leseerlebnis sorgt.

Migliedermeinung

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