Als wir zwanzig waren

von

Autobiographie

Aus dem Französischen von Ruth Groh, Annette Lallemand

304 Seiten (gebunden)
Graf Verlag

Erscheinungsdatum: 29.09.2010

ISBN: 9783862200054

Rezension von

Verfasst am: 16.10.2010

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Abenteuer und Künstlerboheme.

Clara Goldstein entstammte einer wohlhabenden deutsch-jüdischen Bürgerfamilie. Als sehr junge Frau lernt sie ihren Lebensgefährten André Malraux kennen. Im hier vorliegenden zweiten Band ihrer Memoiren beschreibt sie ihr Leben an der Seite eines Mannes, dessen außergewöhnliche Persönlichkeit sie tief beeindruckte. In den frühen zwanziger Jahren gehörten beide zur intellektuellen Jeunesse dorée in Paris, die in Künstlerkreisen verkehrte. Zugleich beschreibt Clara Malraux in ihrem Buch ihre eigene Suche nach Standfestigkeit und Stabilität. Die Gespräche zwischen André Malraux und Clara Goldstein drehen sich um Literatur und Kunst und zeigen zwei junge Menschen, die sich auf Augenhöhe gegenüberstehen. Die gleichgesinnte geistige Präsenz machte sie zu ebenbürtigen Partnern. Gleichwohl ist Clara behütet und geborgen aufgewachsen, so dass ihr Ausscheren aus dem bürgerlichen Gleichmaß ihre Familie in Aufruhr versetzte.

Nur wenige Wochen nach der ersten Begegnung heiraten die beiden und beginnen eine mehrjährige abenteuerliche Reise zuerst nach Italien und später nach Asien. Ihre Reise endet in einem Desaster, als sie in Saigon eines Kunstraubs wegen verhaftet werden.

Der Stil dieses Erinnerungsbuches ist streng formal. Viele Namen fallen, die allgemein bekannt sind: von Kahnweiler über Picasso zu Utrillo und vielen anderen mehr. Dadaisten, Surrealisten und Expressionisten bestimmten die damalige Kunstszene. Die Darstellungsform bedient sich der Andeutungen und zeigt äußerste Diskretion. Clara nennt ihren Mann ihren “Gefährten” und benennt ihn nur selten mit seinem Namen. Ihre reiche deutsch-jüdische Herkunft steht im Kontrast zu dem armen André Malraux, der erst später sowohl als Schriftsteller als auch als Kulturminister zu Ruhm und Ehren gelangte. Sehr kapriziös erscheinen die beiden jungen Menschen, die von der ungewöhnlichen Verbindung ebenso leben wie von der Sonderstellung, die beide schon in jungen Jahren in ihren Kreisen einnehmen. Sie hat das Geld, das sie gewinnbringend anlegen, um davon zu leben. Nach der Inflation ist davon nur wenig übrig. Dennoch gelingt es ihnen mit Hilfe vieler Freunde und Gönner finanziell über die Runden zu kommen.

In differenzierten Berichten, klar und intelligent zeigt Clara Malraux sich als begabte Autorin, die ihren abenteuerlichen Reisen und Erlebnissen beredt Ausdruck zu geben vermag.
In kleinen Zwischenbemerkungen erahnt man, dass das Leben an der Seite ihres chauvinistischen und anspruchsvollen Partners nicht leicht war. Sie meistert ihren Part, indem sie neben ihm wächst und sich selber zu einer beeindruckenden Persönlichkeit entwickelt.

Die gedrängte Erzählung über ein viertel Jahrhundert erlaubt Einblicke in die goldenen zwanziger Jahre in Frankreich, die den Lebensjahren der beiden als Zwanzigjährige entsprach.
Die Lektüre ist anspruchsvoll.

Migliedermeinung

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