American Devil

von

Thriller

Aus dem Amerikanischen von Gabriele Weber-Jaric, Bettina Zeller

448 Seiten (broschiert)
Piper Verlag

Erscheinungsdatum: 25.10.2010

ISBN: 9783492259231

Rezension von

Verfasst am: 17.11.2010

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Ein intelligenter Serienkiller treibt in New York sein Unwesen, die Opfer sind ausnahmslos blond, Anfang 20, hübsch und stammen aus gutsituierten Verhältnissen. Jeder Mord wird auf seine Weise besonders inszeniert, die Opfer werden gequält, vergewaltigt und den Frauen werden Körperteile oder Organe entnommen.

Die Polizei tappt im Dunkeln und nachdem kein vernünftiger Ansatz zur Identifikation des Täters gefunden werden kann, wird ein (wegen Gewalt gegenüber einem Kollegen) beurlaubter Ermittler, Tom Harper, der sich in der Vergangenheit durch ein sehr gutes Gespür für Serientäter hervorgetan hat, reaktiviert. Zur Auflage wird ihm gemacht, dass er sich in psychologische Behandlung geben muss, um seine Aggressivität besser unter Kontrolle halten zu können – das übernimmt die Polizeipsychologin Dr. Denise Levene, die sich nach kürzester Zeit zusammen mit Tom mehr um die Mordermittlung kümmert, als um Toms Gewaltproblem.
Die Abstände zwischen den Morden werden immer kürzer, der Täter wird, obwohl er immer unvorsichtiger wird, nicht gefasst und eine Journalistin beschreibt, obwohl die Details der Morde nie bekannt gegeben wurden, die Morde des “American Devil” in allen Einzelheiten.

Das Buch ist ein genretypischer Ermittlungsthriller, der Oliver Stark (als Debüt) gut gelungen ist. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Tom Harper und aus der Sicht des Mörders erzählt, wobei der Teil, der sich um den “American Devil” handelt relativ viel Raum einnimmt, was ich persönlich sehr schätze. Die “schnöde” Ermittlungsarbeit nimmt relativ wenig Platz ein, dagegen versucht Oliver Stark genauer auf psychologische Aspekte und Ermittlungsansätze einzugehen.

Die Geschichte beginnt mit einem Prolog, in dem ein pubertärer Junge bei den Eltern der von ihm verehrten Chloe einbricht, er möchte sie nur ansehen, ihr nahe sein, da sie ihn komplett ignoriert. Sie erwacht und erschrickt, um sie zum Schweigen zu bringen und um zu verhindern, dass er bei dem Einbruch erwischt wird, wird sozusagen der “American Devil” geboren.
Danach (20 Jahre später) lernt man die Ermittler, bzw. Toms ehemalige Kollegen kennen, die nach den ersten brutalen Taten des Mörders keinen Ermittlungsansatz finden und sich bemühen, dass Tom Harper ihnen zur Hilfe kommt. Zögerlich lässt er sich auf den Deal ein, wieder in die Ermittlungsarbeit einbezogen zu werden und schluckt dafür die Kröte, die es für ihn bedeutet, sich auf eine psychologische Behandlung einzulassen.

Das Buch hat (überdurchschnittlich) viele gute Ansätze, leider wurden sie nicht so konsequent umgesetzt, dass aus dem Buch wirklich etwas neues oder besonderes geworden wäre. Für einen Genreliebhaber bietet das Buch relativ wenig, was es so oder in dieser Art nicht schon einmal in irgendeinem Buch oder Film (ähnlich) gegeben hätte, es ist aber auch nicht so, dass es ein reines Kopieren von bekannten Inhalten ist, nein, das Buch kann durchaus gegenüber der Konkurrenz bestehen, leider sticht es dabei aber auch nicht besonders aus der Masse heraus.
Die Geschichte ist gut gesponnen, die Handlung ist (zwar leider schon etwas abgedroschen, aber) gut angelegt und relativ ausführlich, keinesfalls nur eindimensional. Geschickt werden auch Wendungen eingebaut (die allerdings auch irgendwie schon bekannt anmuten), z.B. wird recht schnell ein Verdächtiger/Trittbrettfahrer gefasst, der sich zu den Morden bekennt, oder (relativ spät) wird einiges aus dem Umfeld der Familie des “American Devil” aufgelöst, auch die psychotische Persönlichkeit wird für den Leser zum Ende hin klarer, zwar ist immer alles stimmig war aber irgendwie fehlte auch immer das “gewisse Etwas”.
Es sind leider viele Stereotype vorhanden – der geisteskranke, psychotische aber intelligente Killer, der mit den Ermittlern spielt, der Tathergang – relativ grausam, mit Verstümmelungen, Inszenierung und eine Trophäe, die mitgenommen wird… Alles Elemente, die nicht unbekannt sind.
Auch die (Haupt-) Charaktere sind zwar teilweise fast (aber auch leider nur fast, denn es fehlt auch hier immer ein kleines Quantum, um etwas außergewöhnliches zu beschreiben, oder gute Ideen und Ansätze zu Ende zu bringen) liebevoll gezeichnet, bieten aber auch fast nichts, was es nicht schon gab – Tom Harper, eine “relativ” gescheiterte Existenz, von der Frau verlassen, Typ einsamer (und brummiger) Wolf und beruflich auf dem Abstellgleis, mit nettem “Vogeltick” (schön, endlich mal etwas anderes als “Schema F”).
Eine gut aussehende (junge und blonde (bei dem einen oder anderen dürfte es jetzt “klingeln”) Polizeipsychologin, die in die Ermittlungsarbeit einbezogen wird, die sich allerdings – Vorsicht, kleiner Minispoiler – nicht in eine Affäre mit Tom stürzt, sondern “normale” Freundschaft mit ihm schließt. Für mich ein großes Plus (…der Verzicht auf pseudoerotische Elemente, bei denen ich immer noch nicht ganz weiß, warum sich, auch bei dem größten Gemetzel, immer Beziehungen oder zumindest Affären der Ermittler/Forensiker/Gerichtsmediziner/Psychologen ergeben…).
Bei den Nebencharakteren dagegen hätte es durchaus noch Spielraum gegeben, sie dem Leser irgendwie näher kommen zu lassen, die bleiben im Gegensatz zu Tom, Denise oder dem “Teufel” recht unscheinbar oder blass.

Auch der Schluss findet nichts wirklich neues, ein (geringfügig überzogener), dann doch recht plötzlich kommender Showdown (dazu fällt mir ein – wo gibt es sie nur, diese unendlichen unterirdischen Gänge und endlos großen leerstehenden Fabrikhallen, in dem man sich als “kranker Geist” (auch in der größten Stadt) ungestört zurückziehen kann…).

Trotz allem, das Buch bietet eine relativ dichte, sehr gut angelegte Story, mit netten (oder “nett kranken”) Protagonisten und anfänglich fast durchgehend Spannung, die sich allerdings im Mittelteil etwas relativiert, evtl. hätte es der Geschichte etwas geholfen, wenn nicht ab (ca.) der Mitte, der “American Devil” schon etwas zu viel (oder fast alles) über sich, sein Leben und seine Motivation Preis gegeben hätte und damit beginnt nur noch (unplausibel) auf persönlichen Konfrontationskurs mit Tom Harper zu gehen. Auch die Morde finden fast alle schon im ersten Drittel statt.
Sprachlich ist es, genretypisch eher einfach gehalten (aber nicht zu unterfordernd), flüssig geschrieben mit kurzen Kapiteln, stetem Schauplatzwechsel und natürlich einigen Cliffhangern. Die Handlung umfasst (neben dem Prolog) einen Zeitraum von knapp zwei Wochen und darunter leidet (wenn man im Nachhinein darüber nachdenkt) schon auch etwas die Glaubwürdigkeit.
Das Cover ähnelt ein wenig einer Wand in einem Schlachthaus, es wirkt als laufe Blut an Wänden herab, mir gefällt´s – wobei ich bei dem Cover ein etwas härteres Buch erwartet hätte (…was auch nicht heißt, dass es unblutig ist…).

Ein solider Thriller und durchaus kein unbeachtliches Debüt, mit einigen guten Ansätzen, das sich aber nicht wirklich aus der Masse abheben kann, sehr vieles, ob Protagonisten oder Story, ist bereits “x-mal” ähnlich beschrieben worden. Genreliebhabern bietet das Buch wenig “Innovationen”, für Genreneulinge allerdings sicherlich ein spannendes, (“mittelblutiges”) Leseerlebnis.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (3):

  • 4.3333/5 Sterne.

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