Rom, das bin ich: Marcus Tullius Cicero. Ein Leben

von

Biographie

Aus dem Spanischen von Sabine Panzram

381 Seiten (gebunden)
Klett-Cotta

Erscheinungsdatum: 01.09.2010

ISBN: 9783608946451

Rezension von

Verfasst am: 01.12.2010

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Über kaum einen antiken Politiker wurden derart viele Biographien verfasst wie über Marcus Tullius Cicero. Dennoch war Cicero nicht bloß Staatsmann, Rhetoriker und Chronist seiner Zeit, wer der Mensch Cicero hinter all dem war, versucht Francisco Pina Polo in seiner Cicero-Biographie zu klären.

Betrachtet man die Quellenlage, verwundert es nicht, dass Marcus Tullius Cicero zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Antike gehört. Von allen antiken Politikern ist er wohl der, dem über die Jahrtausende am meisten Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Selbst am Beginn des 21. Jahrhunderts fasziniert die historische Person Ciceros derart, dass sich seiner selbst Bestsellerautor Robert Harris (Enigma, Der Ghostwriter, Pompeji) mit einer eigenen Cicero-Trilogie angenommen haben, um in der mit Ciceros Leben untrennbar verbundenen Geschichte vom Untergang der Römischen Republik auch ein wenig Kritik an Entwicklungen der Gegenwart zu verarbeiten. Ein Vorteil für Cicero-Biografien ist, wie Francisco Pina Polo betont, dass durch dessen regen Briefwechsel mit Freunden, Familienmitgliedern und berühmten Persönlichkeiten seiner Zeit eindrucksvolle Zeugnisse von dessen ganz privaten Charakter erhalten geblieben sind. Der Privatmann Cicero ist jedoch genau der, der in so mancher Cicero-Hagiographie bewusst vergessen wird.

Doch da sich der Privatmann und Politiker Cicero gerade aufgrund dessen Verpflichtung kaum voneinander trennen lassen, muss auch dessen Biographie im Kontext der Geschichte Roms gesehen werden. Was “Rom, das bin ich” also bietet, ist eine Biographie des Menschen Marcus Tullius Cicero in seiner Zeit. Gerade weil Cicero sich als Historiograph seiner Ära verdient gemacht hat, ginge es auch kaum anders, all jene Werke die uns von Cicero erhalten geblieben sind, dienen ebenso als Quelle zur Geschichte des antiken Roms wie auch der Ciceros. Maßgeblich geprägt wird Francisco Pina Polos Cicero-Biographie jedoch von jenen hunderten Briefen, die er etwa an seinen hellenophilen Freund und Berater in finanziellen wie philosophischen Dingen, Titus Pompnius Atticus, schrieb. Um ein möglichst authentisches Bild von Ciceros Leben und Gedankenwelt zu ermöglichen, hat Pina Polo daher auf Zitate Ciceros zurückgegriffen, um ihn an entscheidenden Stellen selbst zu Wort kommen zu lassen. Gerade in der Offenheit gegenüber seinem wahrscheinlichen besten Freund und Vertrauten Atticus offenbart Cicero hier sehr viel über sich selbst und seine Motivation.

Durch diese Herangehensweise ist es Pina Polo gelungen ein sehr facettenreiches Bild Ciceros zu zeichnen, wodurch er es dem Leser erlaubt sich selbst ein Urteil über die Person Marcus Tullius Ciceros zu machen. Dessen Karriere dient zugleich als roter Faden durch die Geschichte der Römischen Republik. Nach einem durchaus interessanten Exkurs über Ciceros exzellente Ausbildung im Kreise der römischen Aristokratie und seine Rolle als Günstling des späteren Konsuls und “Triumvirn” Marcus Licinius Crassus geht Pina Polo auch daran Ciceros vergleichsweise spärlichen Militärerfahrungen aufzuarbeiten. Spätestens ab diesem Punkt merkt man, dass “Rom, das bin ich” keine aus der Verknüpfung biographischer Daten und einer Historie der Römischen Republik hervorgegangene Biographie ist, sondern ihren Protagonisten in den Mittelpunkt gestellt hat. So folgt die Erzählung Cicero auch ins Exil und konzentriert sich auf ihn, anstatt in Ausführungen zu Gaius Octavius Aufstieg oder Marcus Antonius ägyptisches Abenteuer abzuschweifen. Schon alleine dadurch ist die Biographie sehr gut gelungen. Sie vereint Ciceros Selbstzeugnisse mit einer gezielt auf ihn zugeschneiderten Perspektive.

Zugleich ist es Francisco Pina Polos mit seiner Cicero-Biographie gelungen das Leben des neben Gaius Julius Cäsar wohl bekanntesten Römers so darzustellen, dass man auch von dessen weniger “heldenhaften” bzw. glanzvollen Charakterzüge und Entscheidungen erfährt. Etwa seine stete Ablehnung längst überfälliger Landreformen oder den ausgeprägten Opportunismus, der ihn zunächst (in beinahe peinlicher Überschwänglichkeit) die Nähe des Gnaeus Pompeis Magnus suchen ließ. Durch seine Briefe sind auch so manche politischen Fehleinschätzungen des späteren Führers der republikanischen Opposition erhalten geblieben. Heute kann man so manche der opportunistischen und selbstbeweihräuchernd anmutenden Entscheidungen und Kommentare Ciceros (etwa seine Sorge um das Wohlgefallen Pompeius, seinen Platz in der Geschichte und von der Nobilität akzeptiert zu werden) auch schlicht als Imagepflege bezeichnen. Eine Empfehlung seines Bruders Quintus, dass er in seinem Konsulatswahlkampf betont auf Mehrdeutigkeit in seinen Aussagen und zu Versicherungen achten sollte, ist ebenso erhalten geblieben, wie der damit verbundene Marcus solle möglichst kein Programm vertreten, um es sich nicht mit irgendjemandem zu verscherzen.

Es passt sehr gut zu Titel und Werk, dass sich am Ende des Buchs neben einer Zeittafel zur allgemeinen Geschichte der Republik von Marius bis Ocatavian auch eine zu Ciceros Leben befindet. “Rom, das bin ich” ist irgendwie ja beides, die Lebensgeschichte des Marcus Tullius Cicero wie auch die Geschichte Roms zu Zeiten Ciceros. Dennoch dient die römische Geschichte in dieser sehr gelungenen Biographie vor allem als Kulisse für Aufstieg und Fall des wohl größten Redners seiner Zeit. Francisco Pina Polo verbindet Selbstzeugnisse Ciceros mit einer sehr gut auf Cicero zugeschneiderten Erzählperspektive und versteigt sich weder zu einer Verurteilung noch Glorifizierung Ciceros, viel mehr lässt er Cicero selbst zu Wort kommen und erlaubt es dem Leser so sich ein eigenes Bild zu machen. Das Buch ist also keine als Biographie verkleidete Einführung in die Geschichte der Römischen Republik und erfüllt seine Aufgabe das Leben Ciceros nachzuzeichnen bravourös.

Fazit:
Eine höchst gelungene Biographie, die vor allem durch Selbstzeugnisse und eine sehr auf ihren Protagonisten konzentrierte Erzählperspektive ein facettenreiches Bild des Menschen Ciceros in seiner Zeit schafft.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (1):

  • 5.0000/5 Sterne.

Leserbewertung (0):

  • Momentan 0/5 Sterne.

Ihre Bewertung:

  • Momentan 0/5 Sterne.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5