Ich bin kein Serienkiller

von

Thriller

Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski

384 Seiten (broschiert)
Piper Verlag

Erscheinungsdatum: 23.09.2009

ISBN: 9783492701693

Rezension von

Verfasst am: 21.01.2011

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Jon Wayne Cleaver ist kein normaler 15 Jähriger, er wächst ohne Vater bei seiner Mutter auf, die mit ihrer Schwester ein Bestattungsunternehmen führt. John hilft dort gelegentlich und auch recht gerne beim Einbalsamieren der Toten. Er ist ein Einzelgänger und beschäftigt sich obsessiv mit Serienmördern.

Sein Sozialverhalten kann man als gestört bezeichnen, er hat keinerlei Empathie gegenüber anderen Menschen, eigentlich kennt er keine Gefühle, er imitiert Verhaltensweisen, die er sich bei “normalen” Menschen abschaut, um nicht aufzufallen – eigentlich der geborene (Serien-) Killer, ein normales Leben funktioniert für ihn nur, solange er sein Leben um Regeln herum führt, die er für sich aufgestellt hat, um seine gewalttätige und sadistische Ader nicht auszuleben.
Als in Johns Heimatort Clayton wiederholt Menschen auf ähnliche Art und Weise umgebracht werden, beginnt John, fasziniert von dem Gedanken einen für ihn realen Serienkiller zu jagen, den Mörder zu suchen.

Meine Meinung:
“Ich bin kein Serienkiller” ist das erste Buch einer Trilogie um den verhaltensgestörten (zumindest stark verhaltensauffälligen) Soziopathen John Wayne Cleaver.
Dan Wells hat ein sehr spezielles Buch geschrieben, das sicherlich polarisiert. Man kann es mögen oder für totalen Schwachsinn halten – ich mag es. Es ist ein wirklich ungewöhnlicher und interessanter Genremix. Deklariert ist das Buch als Thriller, was es aber nur teilweise beschreibt, relativ schnell wird auch dem Leser klar, dass der Mörder, hinter dem John herjagt, kein menschliches Wesen ist, in Clayton treibt ein Dämon sein Unwesen und John macht es sich zur Aufgabe, diesen zur Strecke zu bringen. Also kein Thriller mit den üblichen Verdächtigen und Ermittlern, sondern eine Geschichte, die ein wenig in Richtung Fantasy und/oder Horror tendiert. Wer sich auf fantastische Elemente nicht einlassen will, sollte die Finger von dem Buch lassen, der Realitätsbezug wird hier durchaus ein wenig “überdehnt”.
Anfangs lässt das Buch noch nicht erahnen, welche Wendung es nehmen wird, das erste Drittel könnte (wenn man den Klappentext nicht gelesen hat) den Leser davon ausgehen lassen, dass es sich um einen ganz “normalen” Thriller handelt. Dann tritt der Dämon in die Handlung ein – der Rest ist dann mehr oder weniger Geschmacksache.

Die Charaktere sind, wie auch das gesamte Buch, etwas speziell, aber durchaus interessant. Am besten gelungen ist natürlich John, ein gerade in die Pubertät kommender Junge, der fasziniert von Tod, Mördern und Feuer ist. Er ist überaus intelligent und kann seine Verhaltensstörungen erkennen, zwar nicht ändern, aber durch Regeln im Zaum halten.
Die Einblicke in die Seele und die Gedankenwelt eines potenziellen Killers, der gegen seine (abstrusen) Neigungen ankämpft sind ebenfalls gelungen.
Wären nicht die recht ausführlichen Beschreibungen der Taten des Dämons, der Mordopfer, von anderen Leichen und die Handlungen rund um das Einbalsamieren, würde “Ich bin kein Serienkiller” wahrscheinlich als Jugend(Horror)roman durchgehen… Erwachsenwerden unter erschwerten Bedingungen sozusagen… dazu passend beginnt John sich auch (auf seine Weise) für Mädchen zu interessieren.
Prinzipiell ein Entwicklungsroman (der etwas anderen Art), nicht für zu sensible Leser geeignet, allerdings auch nicht so grausam, dass für ein wirkliches Horror-Leseerlebnis reicht.
Was mich bei amerikanischen Autoren oft stört, ist der typische Pathos (Held, Heimat, Nation – alles wird gut) mit der die Geschichten erzählt werden, das hat Dan Wells für meinen Geschmack gut hinbekommen, nämlich weggelassen.

Obwohl das Buch sehr einfach geschrieben ist und den Leser in keinster Weise überbeansprucht, hat es mir überdurchschnittlich gut gefallen, wahrscheinlich wegen der außergewöhnlichen Idee und der Tatsache, dass mir so eine (schön abgedrehte) Geschichte noch nicht untergekommen ist (und ich lese wirklich überdurchschnittlich viel).
Erzählt wird aus Johns Perspektive und diese wechselt auch nicht, als Leser folgt man John und weiß immer genau soviel wie er. Die ganze Geschichte wirkt recht nüchtern erzählt, was sie authentisch macht, es würde ja auch nicht passen, wenn ein junger Mann, der eigentlich vollkommen gefühlskalt ist, eine (seine) Geschichte voller Gefühlsduseleien erzählt.
Mir hat die Geschichte an sich sehr gut gefallen, nüchtern betrachtet (gerade weil das Buch als Thriller angeboten wird) fehlt dazu aber eigentlich auch etwas an Spannung, die Entwicklungen an sich sind (für mich) interessant, jedoch weiß der Leser ziemlich schnell, wer der Dämon ist und man begleitet danach nur noch John bei der “Jagd”.

Auch die Gestaltung des Buches ist ungewöhnlich und mit viel Liebe zum (außergewöhnlichen) Detail gemacht. Der Buchschnitt ist nicht gerade, alle Seiten sind unterschiedlich (breit), was einen ziemlich verrückten ersten Eindruck macht, wenn man das nicht weiß, könnte man denken, dass es sich um einen Fehlschnitt/-druck handelt, oder um mindestens ein (zurecht) preisreduziertes Mängelexemplar.
Das Cover gefällt mir gut, passend zum Buch, blutige, verlaufene Schrift, wie mit einer Dämonenkralle eingeritzt… lässt schon von Weitem erahnen, dass es sich nicht unbedingt um einen Liebesroman handelt.
Auch im Buch zieht sich die etwas “wunderliche” Gestaltung weiter, die Kapitel sind durch graue Seiten getrennt, die mit der Überschrift “Kapitel XX” (krumm), ähnlich der Schrift vom Cover, betitelt sind.
Eventuell zu kritisieren wäre, dass die Seiten mit relativ wenig Text gefüllt sind, der auch noch relativ groß gedruckt wurde und so das Buch etwas dicker erscheinen lässt, als es eigentlich sein müsste. Es ist also nicht ganz der Wälzer, wie es auf den ersten Blick aussieht, sondern in sehr kurzer Zeit zu lesen (ein Abend für mich, aber ich lese auch sehr schnell).

Eigentlich hat mir das Buch sehr gut gefallen – vier Sterne – denn für den erwachsenen Leser bietet das Buch, trotz vorhandener Grausamkeiten, etwas zu wenig (Anspruch, Tiefe, Erklärungen, ausgearbeitet (nicht nur angedeutete) Nebenhandlungen). Ich denke es wäre für das Buch besser gewesen, es nicht als Thriller zu deklarieren, da die Optik und die Klassifizierung doch eher ein anderes Buch erwarten lassen. Etwas weniger Leichenfledderei und als Jugendbuch auf den Markt gebracht, wären es 5 Sterne (da ich nicht (mehr) unbedingt zu dieser Zielgruppe gehöre, wären die Erwartungen dann auch andere).

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (4):

  • 3.7500/5 Sterne.

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