Familienglück

von

Liebesroman

Aus dem Russischen von Dorothea Trottenberg

190 Seiten (gebunden)
Dörlemann Verlag

Erscheinungsdatum: 26.01.2011

ISBN: 9783908777625

Rezension von

Verfasst am: 29.01.2011

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Lebenslust, Freude und Niedergang.

In einer wunderschönen bibliophilen Ausgabe hat der Dörlemann Verlag diesen kleinen Roman von Lev Tostoj neu herausgebracht. 1859 erschienen nimmt das Werk schon die grandiose und feinfühlige Beobachtungsgabe des einzigartigen Dichters vorweg.

Man vertieft sich sogleich in eine Geschichte, in der es um Sommer, Landleben, Gutbesitz und die Sehnsucht der Protagonistin Marja Aleksandrovna geht, dem langweiligen Landleben zu entkommen. Ihre Eltern sind verstorben, und Katja, die ehemalige Gouvernante, ist ihre einzige Gesprächspartnerin. Hoch erfreut registriert Masa, wie sie genannt wird, die Ankunft ihres viel älteren Vormunds Sergej Michajlyc. Natürlich hält er gebührenden Abstand, kann sich aber dem Zauber des jungen Mädchens auf Dauer nicht entziehen. Eine zarte Liebe entbrennt zwischen den beiden. Masa ist überglücklich, mit der schnell anberaumten Hochzeit mit ihm ihrem perspektivlosen Landleben zu entkommen. Mit ihren überschwänglichen und romantischen Gefühlen wird der erste Teil der Erzählung überschwemmt. Ihr Eheleben erscheint in ihren Augen in einem einzigen Glanzlicht. Natürlich hält diese schwärmerische Phase der ersten Liebe dem langweiligen Landleben mit ihrem älteren Ehemann nicht stand. Überdrüssig und melancholisch strebt sie innerhalb kürzester Zeit schon nach mehr Geselligkeit. Im winterlichen Petersburg ist sie beseligt vom Glück des Erfolgs, auf den großen Bällen mit ihrer makellosen Schönheit Bewunderung hervorzurufen. Kurzweilige und oberflächliche Geselligkeit feiern hier in der großen Stadt Triumphe. Auf diese Weise werden die unterschiedlichen Neigungen der beiden Partner sichtbar. Sergej ist einerseits eifersüchtig und andererseits der leichten Unterhaltung nicht zugänglich.

Tolstoj arbeitet in diesem kleinen Roman seine Vorstellungen von Liebe, Glück und Beziehungen zwischen Mann und Frau heraus. Dass seine Ehe Vorbild für diesen Roman war, liegt auf der Hand. Auch der Dichter war viel älter als seine hübsche junge Frau, die mit ihren Hoffnungen und Vorstellungen von einer gleichwertigen Partnerschaft, wie man in ihrem Roman „Eine Frage der Schuld“ nachlesen kann, zutiefst enttäuscht wurde.
Lev Tolstoj zeigt einmal mehr sein Können als psychologischer Beobachter, denn keine Liebe übersteht auf Dauer romantisch-schwärmerische Anfangszeiten. Die raue Wahrheit bricht sich Bahn, und die Entfremdung zwischen dem Paar nimmt ihren Lauf. Tolstojs einfühlsame Beobachtungen markieren bereits in dieser frühen Erzählung sein Talent als außergewöhnlicher Dichter. Hinreißende Naturerscheinungen verbunden mit Lebenslust und einer schwärmerischen Begeisterungsfähigkeit wechseln mit Melancholie und Abschiedsgedanken und markieren das Ende einer hoffnungsfrohen und erwatungsvollen Jungmädchenerwartung.

Eine wunderbare Einführung in das Werk Tolstojs ist mit diesem kleinen Büchlein gelungen. L. Tolstoj nimmt mit der Figur der Masa die großen Gestalten seiner Romane „Krieg und Frieden“ und „Anna Karenina“ vorweg.

Von der Aufmachung her und in der Übersetzung von Dorothea Trottenberg ist dieses Büchlein ein passendes Geschenk für jede Gelegenheit.

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