Unterdeß halten wir zusammen

von

Briefe

683 Seiten (gebunden)
Aufbau Verlag

Erscheinungsdatum: 31.05.2010

ISBN: 9783351033026

Rezension von

Verfasst am: 06.02.2011

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Ein fürsorglicher Vater!

Den meisten Lesern ist Sigmund Freud bekannt durch seine wissenschaftlichen Schriften und die mit seinem Namen eng verbundene Erfindung der Psychoanalyse.

In den hier vorliegenden Briefen, zusammengestellt und herausgegeben von Michael Schröter, findet man jedoch auch einen fürsorglich, verständnisvollen und anhänglichen Vater, der regen Anteil an den Schicksalen seiner Kinder nahm.

Die Korrespondenz begann ca 1909-1918, als Freuds Kinder langsam erwachsen wurden. Er war zu dieser Zeit bereits fünfzig Jahre alt.
Die sorgfältig zusammengestellten Briefe zeigen einen interessierten und aufmerksamen Vater. Durch die ebenso sorgfältig zusammen gestellten Biographien der Söhne und Töchter, die den Briefen jeweils vorangestellt sind, lernt man auch seine Kinder näher kennen.

Durchgängig ist die Korrespondenz in einem warmherzigen und Anteil nehmenden Ton gehalten. Der Vater nimmt sich der Sorgen, Nöte und der Entscheidungen seiner Kinder innig an. Da geht es um die Wahl der richtigen Ehemänner, um die Gesundheit, um die Berufswahl, die Zufriedenheit und Unzufriedenheit jedes einzelnen. Dass die drei Söhne und drei Töchter individuelle Charaktere hatten, geht aus den Briefen einfühlsam hervor. Der Vater machte sich um seine Kinder Sorgen und teilte ihre Freuden. Es sind die ganz normalen Ereignisse in einer großen Familie, die bis zum Wohlergehen von Tanten und Onkeln hin Erwähnung finden. Auch die Kinder interessierten sich für das berufliche Ergehen des Vaters, wie man aus seinen Antwortbriefen entnehmen kann. Die Krankheit Freuds 1923 (Krebs der Mundhöhle) und der Verlust der Tochter Sophie im Jahr 1920 zeigen, dass man sich in schweren Zeiten auf einander verlassen konnte.
Insgesamt waren die Beziehungen von gegenseitigem Vertrauen getragen. Freud hat mit immer wieder kehrenden Zahlungen nach dem Ersten Weltkrieg bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten den jeweils Betroffenen regelmäßig ausgeholfen.

Söhne und Töchter heirateten und Geburten erfreuten und Todesfälle bedrückten den Vater schwer. Er trat in seinen Briefen alleine in Erscheinung, denn seine Frau findet in den Schreiben kaum Erwähnung.

Insgesamt rundet sich das Bild einer großen Familie, die in der Tat zusammenstand.

Man liest das umfangreiche, mit vielen Fotos und Anmerkungen versehene Werk mit Aufmerksamkeit und hohem Interesse; zeigt es doch noch einmal den Menschen Freud, der nicht nur das Wissen um den Menschen erforschte, sondern auch im Lebensalltag und im Zusammenleben mit seinen Kindern ein interessierter und engagierter Partner war.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (1):

  • 5.0000/5 Sterne.

Leserbewertung (4):

  • Momentan 3/5 Sterne.

Ihre Bewertung:

  • Momentan 0/5 Sterne.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5