Jacob beschließt zu lieben

von

Familiensaga

405 Seiten (gebunden)
C.H. Beck

Erscheinungsdatum: 23.02.2011

ISBN: 9783406612671

Rezension von

Verfasst am: 16.02.2011

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Krieg, Flucht und Armut.

Schon in seinem früher erschienenen Roman „Zaira“ hat Catalin Dorian Florescu bewiesen, wie wunderbar er Familiengeschichten mit politischer Entwicklungsgeschichte zu einem Großen Ganzen verbinden kann.

In seinem neuen Roman geht es um die Familie Obertin, deren Ursprünge bis in die Zeit des dreißigjährigen Krieges nach Lothringen zurückreichen.
Mit versetzten Erzählstücken trifft man die einzelnen Protagonisten auf der Flucht, im Krieg und bei der Gründung von Haus und Hof in dem schwäbischen Dorf Triebswetter im rumänischen Banat. Hier sieht man nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs den mit „c“ geschriebenen Jacob Obertin, Spross seines jähzornigen und groben Vaters Jakob und seiner Mutter Elsa, die in ihrer Jugend kurzzeitig ihr Glück in Amerika versucht hatte.

Umgangsformen und Sitten in diesem Landstrich zu Ende der 20er und bis zum Beginn der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts sind als rau und fast brutal zu bezeichnen. In diesem Landstrich herrscht Armut, Hunger, Kälte und Not an allen Ecken und Enden. Jakob mit „k“ geschrieben hat sich in den Hof der Familie Obertin eingeschlichen und sich Namen und Hof durch die Heirat mit Elsa angeeignet. Er ist lieblos, herrschsüchtig und bestimmend. Den Zweiten Weltkrieg mit dem Einmarsch der Deutschen und Russen übersteht er mit List und Tücke, nur seinen schwächlichen Sohn Jacob lässt er im Stich. Dieser erlebt dramatische Abenteuer auf der Flucht vor den Russen, die ihn als Schwabendeutschen nach Sibirien verschleppen wollen. Er verdingt sich als Knochensammler und Sargträger und sucht nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges seine Eltern in Triebswetter. Über das Dorf ist der Krieg hinweggezogen und hat die dort ansässigen Zigeuner dezimiert. Die übrig gebliebenen Häuser und Höfe wurden mit Rumänen besiedelt.

Florescus zeigt bemerkenswerte Fähigkeiten, eine dumpfe und fast archaische Welt zu beleben. Das Klima zwischen den Menschen ist herbe, distanziert, und lässt die ganze Ärmlichkeit und Grobschlächtigkeit der Anwohner im Banat erkennen. Vater- und Sohnkonflikte zeigen fast biblische Ausmaße in ihrem Hass und Opferverhalten.

Unter der kommunistischen Herrschaft eskaliert das schroffe und aggressive Verhalten der Menschen untereinander. Da musste jeder schauen, wie er lebend durchkam und von Liebe war kaum die Rede.

Einem hohen literarischen Anspruch wird das Buch insofern gerecht, als Politik, Land und Leute mit ihren ruppigen Umgangsformen und in ihrem kargen Lebensrahmen plastisch sichtbar werden.
Da gab es nur Herr und Knecht, und beide gleichermaßen strebten nach einer angemessenen Überlebensstrategie. Wo sollte in diesem Klima Liebe wachsen? Die zarten Liebespflanzen zwischen Jacob und seinen Freundinnen zerstört die grausame Realität.

Titel und Einband beschwören eine eher lustige Geschichte herauf. Die wahre Geschichte bleibt jedoch düster und pessimistisch gefärbt.

Catalin Dorian Florescu ist in Rumänien geboren und lebt heute als freier Schriftsteller in der Schweiz.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (2):

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Leserbewertung (1):

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