Mein afrikanisches Tagebuch

von

Reisebericht

256 Seiten (gebunden)
C. Bertelsmann

Erscheinungsdatum: 08.02.2011

ISBN: 9783570100769

Rezension von

Verfasst am: 20.02.2011

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Das Buch zur Dokumentation

Ruanda, Äthiopien, Kenia, Angola und Mosambik sind jene Länder, die Marietta Slomka in verschiedenen Reisen aufsuchte und mit ihrer Fähigkeit zum investigativen Journalismus auch hinter den Kulissen beleuchtet.

Ausgehend von der Leitfrage, die die bekannte Nachrichtenmoderatorin im Vorwort benennt, ist dabei eines ihrer zentralen Anliegen die Frage, warum in Afrika so viele arme Menschen auf so ungeheuer reichen Böden leben. Die althergebrachte, chauvinistische Erläuterung der Faulheit der Afrikaner kann hier von vorneherein als unzureichende Unterstellung zur Seite gelegt werden.

Viel eher, auch dies zeichnet sich als Bild aus den gesammelten Beiträgen des Buches, ist Afrika gerade ob seiner vielfachen wertvollen Ressourcen immer auch ein Spielball mächtiger Nationen gewesen, deren Interesse überhaupt nicht darin bestand, eine Emanzipation der Völkel und des Kontinents zuzulassen. Eine Haltung, die bis heute durchaus noch anzutreffen ist. Die vielfachen Rivalitäten zwischen einzelnen Volksgruppen von Ruanda bis Zimbabwe tun ihr übriges dazu, um gemeinsam mit korrupten Regierungen und Diktatoren den Kontinent auszubeuten, wie es seit Jahrhunderten der Fall ist. Durch Kolonialismus, durch ehemalige Versklavung, durch die oft rücksichtslose Politik mancher Konzerne.

Dennoch findet sich hinter den Bildern von Vorurteilen und exotischer Faszination eine tiefe Vielschichtigkeit in den verschiedenen geographischen Bereichen, Volksgruppen und Traditionen des Kontinents. Vielschichtigkeiten, die Marietta Slomka mit geschultem Blick und innerem Interesse durchaus zu benennen und in den Vordergrund zu rücken versteht.

So gelingt es ihr unter anderem im Blick auf Kenia, sicher eines der bekanntesten und touristisch breit erschlossenen Länder Afrikas, auch ganz andere Seiten noch in den Blick zu rücken als die „Rushhour“ auf den Safaris des Landes mit regelrechten Staus von Minibussen an den exaltierten Stellen zur Tierbeobachtung.
Dieser hektischen Eile das „afrikanische Tempo“ gegenüber zu stellen und unterschwellig durchaus die Frage im Leser zu verankern, ob dieses eher ruhige Tempo nicht viel mehr fürs Leben austragen kann als die hektischen „Fotografierarbeiten“, das gelingt Slomka ohne weiteres. Dabei muss sie gar nicht explizit erwähnen, wie peinlich halbnackte, leicht angeheiterte, „Ballermann orientierte“ Touristen in Kenia zur Wirkung kommen, solches Verhalten spricht für sich und ist genau jene Ursache, aufgrund derer die eigentlichen Schätze und die vorhandene kulturelle Tiefe des Landes von touristischen Besuchern nicht wahrgenommen wird. Eine Tiefe, die Marietta Slomka durchaus zu Gehör bringt und die sie in den tieferen Verflechtungen zwischen Mensch, Tier und Natur gut zu beschreiben versteht.

Was für Kenia die Tiere und Safaris sind, sind für Angola die reichhaltigen Bodenschätze, Fluch und Segen zugleich. Völlig unpassend zumindest wirkt der brandneue Flatscreen Fernseher im angolanischen Dorf ohne Elektrizitätsanbindung. Auch das ist Afrika mit seinen diffusen und oft unglaublich einfältigen, aber auch desinteressiert am Volk handelnden Regierungen. Luanda, als „reiche Stadt“ oft dargestellt, gut, dass Marietta Slomka den Blick neben die paar Straßen mit Villen schweifen lässt, wo auch dort umgehend Armut und Elend zu Hause sind.

Aber es tut sich was. Nicht umsonst nennt der Untertitel des Buches Afrika den „Kontinent im Aufbruch“. Spuren von neuen Ansätzen, von Bewohnern, die andere Haltungen und Ziele entwickeln, auch von staatlichen Programmen hier und da, die auf lange Sicht hin bessere Lebensumstände und einen anderen Umgang mit den Schätzen des Kontinentes ermöglichen können, stehen im Raum.

Marietta Slomkas Buch ist ein weiterer Beitrag zum tieferen Kennenlernen Afrikas hinter all den Vorurteilen und folkloristischen Bildern, die im Westen immer noch im Blick auf den schwarzen Kontinent herrschen. Ein Kennenlernen, das die Bereitschaft braucht, tiefer zu blicken und genauer hinzusehen als nur durch die Linse eines Fotoapparats auf irgendeiner Safari. Eine Bereitschaft allerdings, die sich lohnt, die aber auch immense Ungerechtigkeiten und bedrückende Verhältnisse ertragen muss, um die Chancen dahinter wahrnehmen zu können.
Marietta Slomka hat genau hingesehen und versteht es, den Leser mit hinein zu nehmen, nicht zuletzt durch den Bildteil in der Mitte des Buches, der die Texte zu illustrieren versteht.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (1):

  • 5.0000/5 Sterne.

Leserbewertung (0):

  • Momentan 0/5 Sterne.

Ihre Bewertung:

  • Momentan 0/5 Sterne.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5