Sunset

von

biographische Erzählung

192 Seiten (gebunden)
Eichborn

Erscheinungsdatum: 22.02.2011

ISBN: 9783821861173

Rezension von

Verfasst am: 27.02.2011

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Kriegsfluchtort und deutsche Künstlerkolonie Pacific Palisades.

Im Jahr 1956 findet man den emigrierten deutschen Schriftsteller Lion Feuchtwanger, 1884-1958, in Kalifornien.

Er geht seinen morgendlichen Gymnastikübungen nach, als ihn ein Telegramm mit der Nachricht erreicht, dass Bertold Brecht in Berlin gestorben ist! Tief erschüttert geht er noch einmal seine Erinnerungen durch, die ihn mit dem von ihm als Genie erkannten Dichter verbunden haben.

Lion Feuchtwanger lebte als letzter der ehemaligen Emigranten im von der MacCarthy Ära scharf kontrollierten Amerika. Die üppige Fauna im warmen Kalifornien erlaubte dem wohlhabenden und weltberühmten Autor ein behagliches Dasein. Da traf ihn der Tod des Freundes, der erst 58 Jahre alt war, tief.

Atmosphärisch einfühlsam und prägnant sind die Fetzen der Erinnerungen, mit denen Klaus Modick Feuchtwanger in die längst vergangenen Epochen von Beginn der zwanziger Jahre bis hin zur Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges in Kalifornien folgt.

Nach Pacific Palisades, einem Stadtteil von Los Angeles, hatten sich einschlägige Künstler und Autoren vor der Verfolgung durch die Nazis gerettet. Brecht ist einer von ihnen, der jedoch Feuchtwanger schon Ende der zwanziger Jahre in München kennen gelernt hatte. Beide so gegensätzliche Naturen gingen eine Arbeitsgemeinschaft ein. Brecht war teilweise der Ideengeber, und Feuchtwanger war der erfolgreiche und kaufmännisch auf der sicheren Seite lebende Autor, zu dem sich Kollegen aus Deutschland später auch in Amerika hingezogen fühlten. Die Emigrationsjahre so erfolgreicher Schriftsteller, Künstler und Musiker wie Heinrich und Thomas Mann, Hanns Eisler, Fritz Lang (Regisseur), Ludwig Marcuse, Alfred Döblin u. weitere finden Erwähnung. Sie zeigen ein Milieu, in dem Neid, Eifersucht, Erfolg und Missgunst dicht beieinander zu finden waren.
Feuchtwanger ergeht sich in Teils melancholischen Erinnerungen, die sein inneres Befinden feinfühlig und empathisch wiedergeben. Die Jahre der Emigration waren für alle Beteiligten nur schwer zu ertragen, und man hatte sich in Pacific Palisades mehr oder weniger eng zusammengeschlossen. Feuchtwanger war einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, der auch finanziell dem einen oder dem anderen unter die Arme greifen konnte. Furchterregend waren hingegen für ihn und die anderen die Fragen der Einwanderungsbehörden, die auf politische Zuverlässigkeit abzielten und schwer an den Nerven der Befragten zehrten.
Klaus Modick öffnet mit seinen Aufzeichnungen den Blick weit zurück in eine Zeit, in der die besten Künstler und Schriftsteller Deutschland verlassen hatten, um in Amerika Zuflucht zu suchen. Feinsinnig und in poetischen Bildern zeichnet er das Leben Feuchtwangers in diesen langen Jahren nach, womit ein atmosphärisch eindrucksvolles Porträt des inneren Lebensgefühls dieses Mannes entstanden ist.

Klaus Modick ist ein ausgewiesener Kenner der Werke Feuchtwangers, womit seinen Ausführungen ein hohes Maß an Kompetenz und Authentizität anhaftet.

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