Die hellen Tage

von

Roman

544 Seiten (gebunden)
S. Fischer Verlag

Erscheinungsdatum: 11.02.2011

ISBN: 9783100052223

Rezension von

Verfasst am: 17.03.2011

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Bizarre und verworrene Familienbande.

Die hellen Tage der Kindheit können sehr unterschiedlich ausfallen. Aus Kinderaugen sieht die Welt häufig geheimnis- und bedeutungsvoll aus.

Ganz anders ist die Erwachsenenwelt gepolt, in der es Verborgenes und Verdrängtes gibt, dem man gerne ausweicht. Den Kindern in diesem Roman haben es die Wunder der Natur angetan, die täglich mit dem Wechsel der Jahreszeiten neue Abenteuer versprechen.

Seri, die wenig profilierte und blasse Icherzählerin, berichtet von den Spielen und den Erlebnissen, die sie zusammen mit Aja erlebt. Letztere ist ein ungarisches Zirkuskind, das ihren Vater Zigi einmal im Jahr nur sieht. Es ist der Höhepunkt im Leben der beiden Freundinnen, wenn Ajas Vater rückwärts durch die Luft schwingt und auf den Händen läuft. Ihre Mutter lebt alleine in einer Hütte am Stadtrand einer süddeutschen Kleinstadt und wartet das ganze Jahr auf das Wiedersehen mit ihrem Mann. Wir befinden uns am Beginn der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.
Eines Tages stößt Karl zu der kleinen Spielgruppe dazu. In seinem Leben gab es einen kleineren Bruder, der mit großer Sorgfalt nach einer schwierigen Geburt herangewachsen ist. Doch eines Tages war er weg: er wurde von einem fremden Autofahrer mitgenommen und nie mehr gefunden. Was das für seinen Bruder Karl bedeutete, erfahren wir noch.

Zsuzsa Bánk erzählt geheimnisvoll und langwierig eine Dreiecksgeschichte, die in dem kleinen fiktiven Ort Kirschblüt in der Nähe von Heidelberg beginnt und zuletzt bis nach Rom entführt. Die drei Kinder Seri, Aja und Karl sind Hauptprotagonisten in einer Geschichte, die voller Merkwürdigkeiten steckt.
Aus der Sicht von Kinderaugen wirkt die Geschichte poetisch und verspielt. Doch entsteht mit jedem Einzelschicksal eine eigene Geschichte. Liebe, Heirat und Trennung werden in vielgestaltiger Weise abgehandelt.

Das Herumtollen in der freien Natur und die charaktervollen Mütter bieten die Würze, um die sich Familiengeschichten von einiger Eigenwilligkeit ranken. Kleine Geheimnisse des Alltags verbinden die drei heranwachsenden Kinder eng mit einander. Erst mühsam enträtselt man ihre Einzelschicksale, denn die ferne, abgeschottete Welt in dem kleinen Dorf lässt nicht ahnen, wie groß die Welt doch ist!
Rundum abenteuerlich ist besonders das Schicksal Ajas, gegen das Karl und Siri mit ihren Lebensgeschichten abfallen.
Über alle Schwierigkeiten hinweg halten die drei eng zusammen, bis sie als Studenten nach Rom gehen. Da zerbricht auch diese Idylle.

Zu lang und breit ist das Werk für meine Begriffe angelegt. Es will keine rechte Spannung aufkommen, so dass man sich ein wenig ermüdet zuletzt von einer Eröffnung über Familiengeheimnisse zur nächsten treiben lässt. Die abenteuerlichen und ungewöhnlichen Verbindungen enden jedoch versöhnlich, ohne in Kitsch auszuarten.

Insgesamt ist das Buch sprachlich überzeugend, aber in seinem Sujet übertrieben und zu weitschweifig.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (2):

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