Twitteratur

von ,

Geschenkbuch

208 Seiten (gebunden)
Sanssouci

Erscheinungsdatum: 07.03.2011

ISBN: 9783836302821

Katja Krause
Rezension von

Verfasst am: 14.04.2011

Bewertung:

  • 3/5 Sterne.

Die großen Werke der Weltliteratur verpackt im Twitter-Format von 140 Zeichen – geht das überhaupt?

Diese Frage stellt sich dem Leser, wenn er dieses Buch mit dem Namen Twitteratur zur Hand nimmt. Und schnell muss man feststellen: ja, es funktioniert. Vorausgesetzt, man nimmt dieses Experiment nicht zu ernst und liest es mit einem schmunzelnden Augenzwinkern. Denn was die beiden Autoren, übrigens sehr kundige Literaturstudenten, hier versuchen, scheint auf den ersten Blick ein ziemlich sinnfreies Unterfangen. Wie beispielsweise kann man „Ulysses“ von James Joyce in 140 Zeichen fassen oder etwa den ersten Teil von Prousts „Recherche“? Es bedarf schon einer außerordentlichen Kenntnis dieser Werke, die die beiden Autoren hier unter Beweis stellen.

Twitteratur, diese Mischung aus Twitter (der Internet-Plattform für kurze Textnachrichten) und Literatur, ist ein Versuch, die zum Teil „alten Schinken“ in die Gegenwart zu transportieren, sie auch für junge Leser der Generation Twitter, Facebook & Co lebendig zu halten. Heraus kommen dann Sätze wie „Wie bin ich nur Babysitter für Rain Man geworden? D.h. ohne das Genie.“ (John Steinbeck, “Von Mäusen und Menschen”) oder „D RomeostattHomöo: Wach auf, Liebes. Na los. Das ist jetzt kein Spaß mehr. Hör auf! Regie! Mist. Na dann, auf ex!“ (“Romeo und Julia”). Großartig sind auch die Einträge zu Kafkas “Verwandlung”: „Hab mich offenbar in einen großen Käfer verwandelt. Ist das einem von euch schon mal passiert? Netdoktor.de ist keine Hilfe.“ Und bei “König Ödipus” tauchen plötzlich Handys auf und es ist „PARTYTIME IN THEBEN“.

Dieses Buch funktioniert und macht Spaß, sofern man die Werke, die darin verhandelt werden, selbst schon einmal gelesen hat. Zentrale Elemente, pointierte Höhepunkte eines Werkes werden heraus gepickt, fast karikaturistisch in kurze, knappe Sätze in zeitgemäßer Twitter-Form verwandelt und mit Begriffen aus der neu-modischen (Internet-)Sprache versehen. Ein Glossar am Ende hilft beim Verstehen. Darüber hinaus liefern die beiden Autoren die Interpretation eines jeden Werks gleich mit. So ergibt sich ein geschickt konstruierter Kurztext, der dem Leser auf kurzweilige und unterhaltsame Art die großen Werke der Weltliteratur ins Gedächtnis zurückruft. Erinnerungen an die eigene Lektüre dieser bedeutenden Werke werden wach und man blickt vergnüglich zurück, auch auf manch zähe Lesemomente, durch die man sich, eventuell schon in der Schule, gequält hat.

Folgende zwei Kritikpunkte möchte ich dennoch anbringen. Die Kenntnis der einzelnen literarischen Werke ist Voraussetzung für den uneingeschränkten Lesegenuss. Der besondere, witzige Effekt dieses Buches stellt sich nicht so recht ein bei den Werken, die einem bisher unbekannt sind. Da ja nun aber das Buch nichts dafür kann, ist es wohl höchste Zeit, die Lektüre dieser Werke nachzuholen.
Zudem gleitet hin und wieder die Sprache für meinen Geschmack zu sehr ins Obszön-Vulgäre ab; zu übertrieben und aufgesetzt scheint dann der Wille nach Anpassung an den modernen Jugend-Slang. Wörter wie „Flachschwanzwichser“ und Themen von Sex, Gewalt und Drogenkonsum, die so ziemlich jeden Tweet durchziehen und mit dem jeder Originaltext förmlich gestempelt wird, zielen auf Klischees, die sowohl den jungen Menschen von heute als auch den literarischen Großtaten von damals unrecht tun. Da wäre etwas weniger sicherlich mehr gewesen. So bleibt einem das Lachen etwas im Hals stecken.

Fazit: Liebhaber der Weltliteratur werden mit der nötigen humorvollen Distanz ihren Spaß mit Twitteratur haben. Ideal für kurze Lesemomente zwischendurch. Über einige sprachliche „Schnitzer“ muss man wohl einfach hinwegsehen.
Und wer nun auf den Geschmack gekommen ist und von Twitteratur nicht genug bekommen kann, hat auf www.welttwitteratur.de die Möglichkeit, sich selbst einmal an der Formulierung seines Lieblingsbuches in 140 Zeichen zu versuchen.
Auf mich ist der Funke leider nicht hundertprozentig übergesprungen.

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