Fun Home

von

Comic

Aus dem Amerikanischen von Sabine Küchler, Denis Scheck

240 Seiten (gebunden)
Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsdatum: 14.01.2008

ISBN: 9783462039221

Rezension von

Verfasst am: 04.02.2008

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Eine tragi-komische Comic- Autobiographie

Alison Bechdel Fun Home Eine Familie von Gezeichneten

Ein Comic aus dem Hause Kiepenheuer & Witsch

Fun Home!
Nicht ein Spaß – Haus ist gemeint, sondern ein Funeral Home, ein Bestattungsunternehmen!

Alison Bechdel schreibt, zeichnet und würgt an ihrer Familiengeschichte!

Wie kam es dazu?

Sie ist im immer wieder vererbten Bestattungsunternehmen der Familie aufgewachsen.
Da man in der karg besiedelten Gegend ihres Wohnortes nicht von Bestattungen alleine leben konnte, war der Vater auch noch Englischlehrer an der Highschool.
Er war nahe und fern, kalt, pedantisch, autoritär und bedrohlich und hat die Familie unter sein Regime gezwungen.
Bücher liebte er, und auf dem Weg über Bücher war Kommunikation möglich.
Sie spielen auf dem Weg der Vermittlung des häuslichen Dramas denn auch eine besondere Rolle und werden zu Vergleichen nahezu unermüdlich herangezogen.
In ihren Comics, mit denen sie ihre Familiengeschichte erzählt, werden Anleihen von der griechischen Mythologie über die Literaturszene bei Proust bis Joyce und zum Existenzialismus Sartres und Camus zu Vergleichen herangezogen.

Das Haus der Familie, 1867 im gothic-revival-Style erbaut, quillt über von schrulligen und verspielten Einfällen. Die Einrichtung und der Lebensstil des Vaters führen bei Allison zu Vergleichen mit der Addamsfamily, einer skurrilen, makaberen und morbiden Cartoonserie von Charles Addams im New Yorker –Magazin seit 1930 -1980.

Durch die gesamte Comicgeschichte wirft der Tod seine Schatten. Nach dem Tod des Vaters, den die inzwischen erwachsenen Kinder nicht recht betrauern können, stellen sich ungewöhnliche Fragen nach den Vorgängen um seinen Tod.
Er wurde von einem Lastwagen überfahren, während er der sehr geliebten Gartenarbeit nachging.

Sarkastisch, tragisch und komisch gedenkt Alison Bechdel ihrer Kindheit, die im sterilen, unabänderlichen Angesicht des Todes seinen Widerhall findet. In ihren Texten und Comics spiegeln sich die Phantasien, mit denen sie die Eltern beobachtet, beargwöhnt, Vergleiche zu Figuren aus der Literatur heranzieht, philosophische Überlegungen zu ihrem Handeln anstellt und immer neuen Fragen nachgeht.

Das gedrängte und aus ihr heraus quellende Material der Erinnerungen ist von hoher Qualität der Anschauung und der Bedrückungen, unter der sie gelitten und gelebt hat.
Wie sie in ihrem Comicroman die einzelnen Stufen ihrer Wahrnehmungen berichtet, zeichnerisch und mit Texten unterlegt, das zeugt von ihrer außerordentlichen Fähigkeit, sich in Wort und Bild zu äußern.

Wer sie in Interviews erlebt hat, weiß, dass sie eine außerordentlich gescheite, reflektierte und am Leben leidende Frau ist, die mit dem Buch eine Art Befreiungsakt vollzogen hat. Indem sie für sich und den Vater das Bekenntnis der Homosexualität erklärt, kann sie verspätet dem Vater nachtrauern, der mit seinem verborgenen Geheimnis Düsternis über die ganze Familie verbreitet hat.

In Amerika galt ihr Comicroman noch vor McCarthy und Ford 2006 als das Buch des Jahres.

Migliedermeinung

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