Briefe aus dem Gefängnis

von

Briefe

Aus dem Englischen von Birgit Veit, Ganna-Maria Braungardt

288 Seiten (gebunden)
Knaus

Erscheinungsdatum: 30.05.2011

ISBN: 9783813504491

Rezension von

Verfasst am: 29.05.2011

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Freiheit und Rechtlosigkeit als unvereinbare Lebensbedingungen.

Michail Chodorkowski ist ein Mann, der weit über die Grenzen Russlands hinaus Interesse und Neugierde weckt.

Bekannt wurde er, als er nach der russischen Perestroika zu einem der erfolgreichsten Unternehmer Russlands wurde und zu einem der reichsten Männer der Welt aufstieg. Mit Elan, Fantasie und ausnehmend weitblickend schuf er das Unternehmen “Jukos” und verkehrte mit Größen in aller Welt. Sein anfänglicher Aufstieg wurde jäh gebremst, als Putin Chodorkowski als potentiellen Gegner ausmachte, dem er die Flügel stutzen wollte. Mit den Vorwürfen kapitalistischer Misswirtschaft, Korruption und Veruntreuung stoppte er den Höhenflug des erfolgreichen Managers und ließ ihn in einem Schauprozess zu langen Jahren Haft verurteilen.

Schon vor seiner Einkerkerung hatte Chodorkowski eine Wandlung durchgemacht und war vom Unternehmer zum Wohltäter geworden. Er initiierte die Stiftung „Offnenes Russland“, die sich für soziale Einrichtungen und Bildungsinstitutionen stark macht, und er setzte sich für mehr Freiheit und Gerechtigkeit in seinem Land ein. Damit wurde er zum gefährlichen Gegner für Putin, dem es wie den Apparatschiks früherer Generationen vorwiegend um Machterhalt und Eigennutz geht. Demokratische Kräfte haben bis heute in Russland einen schweren Stand.

Viele Jahre Gefängnis konnten den Häftling Chodorkowski nicht beugen. Er setzt sich weiterhin für ein freies Russland ein, in dem durch demokratische Strukturen und ein intaktes Rechtssystem Korruption und Vetternwirtschaft verschwinden sollten.

Chodorkowski geht einen langen und schweren Weg. Er ist kein Ideologe, sondern zeigt sich in seinen Schriften als hoch reflektierter Mensch, der seine eigene und die Lage Russlands kompetent und tiefenscharf beobachtet.

In einem Essay von Erich Follath und in seinem Briefwechsel mit den Schriftstellern Ljudmila Ulitzkaja und Akunin zeigt er sich als Charakter von unanfechtbarem Willen. Das ganze Sowjetsystem seit den sechziger Jahren bis heute gelangt in seinem Briefaustausch auf den Prüfstand. Danach sieht es nicht gut aus für Russland!

Man steht voller Bewunderung vor dem standfesten und charakterstarken ehemaligen Unternehmensriesen. Fotos aus dem Gerichtskäfig vermitteln den Eindruck eines sensiblen, feinfühligen und freundlichen Mannes, der die Hoffnung auf Erneuerung in seinem Land nie aufgeben wird! Wann endlich wird auch in Russland Demokratie einkehren, die diesen Namen verdient?
Bis heute ist sie eine Farce geblieben.

Migliedermeinung

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