Skulduggery Pleasant 01: Der Gentleman mit der Feuerhand

von

Jugendroman

Aus dem Englischen von Ulla Höfker

344 Seiten (gebunden)
Loewe

Erscheinungsdatum: 01.09.2007

ISBN: 9783785559222

Rezension von

Verfasst am: 04.09.2011

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Bereits am Cover kann man erkennen, dass es sich bei diesem Buch um einen Jugendroman handelt.

Es ist sehr farbintensiv und wirkt lebendig, fast schon ein bisschen kribbelig. Abgebildet ist die Hauptfigur des Buches – Skulduggery Pleasant – ein adrett gekleidetes Skelett. Aus den Händen steigen Flammen empor. Am auffälligsten jedoch ist der Buchschnitt. Er leuchtet schon von weitem in einem grellen Orange. Unter den Jugendlichen ist diese Reihe von großem Erfolg gekrönt und das Gute daran ist, dass auch Erwachsene sie lesen können, ohne sich zu langweilen. Und das hat letztlich auch zu meiner Entscheidung geführt, mich mit dieser Reihe zu versuchen.

Als der erfolgreiche Buchautor Gordon Edgley plötzlich verstirbt, gibt es nicht sehr viele Leute, die um ihn trauern. In der Verlagswelt erfreute er sich nicht gerade größter Beliebtheit, denn seine Art, Leuten vor den Kopf zu stoßen – selbst, wenn es nicht beabsichtigt war – war beunruhigend. So ist es auch nur wenig überraschend, dass sich auf seiner Beerdigung mit einer Ausnahme nur Familienangehörige befinden. Wirklich bestürzt über das plötzliche Ableben ist einzig seine zwölfjährige Nichte Stephanie. Und nur ihr fällt der fremde Gentleman auf, der etwas abseits von den anderen Trauergästen an einen großen Baum gelehnt ist. Er trägt einen braunen Anzug, der bis oben hin zugeknöpft ist und einen um die untere Hälfte des Gesichts geschlagenen Schal. Eigentlich ist es für eine solche Aufmachung viel zu warm an diesem Tag.

Dass die Begegnung auf der Trauerfeier kein Zufall ist, stellt Stephanie fest, als sie diesem mysteriösen Mann im Haus ihres Onkels wiederbegegnet. Sie erfährt, dass er ein Freund ihres Onkels war. Als er sich verabschiedet, muss sie feststellen, dass er ihr noch nicht einmal seinen Namen verraten hat. Tatsächlich erfährt sie erst auf der Testamentseröffnung, dass der ehemalige Freund ihres Onkels den Namen Skulduggery Pleasant trägt. Und noch etwas anderes erfährt sie: Ihr Onkel Gordon hat sie – sehr zum Missfallen ihres Onkels Fergus und seiner Frau Beryl – als Erbin seines gesamten Besitzes, einschließlich seiner Vermögenswerte und Tantiemen eingesetzt. Und diese sollen genau an ihrem achtzehnten Geburtstag auf sie übertragen werden. Während ihre Eltern noch in sprachlosem Staunen verharren und ihr Onkel und ihre Tante in fassungslosem Entsetzen die Köpfe schütteln, gratuliert ihr ein sichtlich zufriedener Skulduggery Pleasant und spaziert zur Tür heraus.

Noch am gleichen Nachmittag fahren Stephanie und ihre Mutter in das Haus von Gordon Edgley und Stephanie gelingt es, ihre Mutter davon zu überzeugen, sie für eine Weile alleine im Haus ihres Onkels zu lassen. Aus einer Weile wird allerdings aufgrund einer Überschwemmung eine ganze Nacht und Stephanie nutzt die Zeit, um ein noch nicht veröffentlichtes Manuskript ihres Onkels zu lesen. Als das Telefon klingelt, fühlt Stephanie sich als neue Besitzerin des Hauses dazu verpflichtet, den Hörer abzunehmen. Eine nicht sehr freundliche Männerstimme versucht energisch, Stephanies Namen zu erfahren und den Grund ihrer Anwesenheit. Als sie versucht, den Mann abzuwimmeln, droht dieser ihr, dass er sehr wütend werde, wenn sie die Pläne seines Meisters durcheinander bringe. Stephanie legt einfach auf. Kurze Zeit später steht genau dieser Mann vor der Tür und verschafft sich gewaltsam Zutritt. Er fordert die Herausgabe eines Schlüssels. Noch bevor der Mann sich auf Stephanie stürzen kann, wird die Tür aus den Angeln gehoben und Skulduggery Pleasant liefert sich einen Kampf mit dem Bösewicht.

Um es kurz zu machen: Jedem Leser muss sofort klar sein, dass der Bösewicht diesen Kampf verliert, denn sonst wäre die Geschichte bereits auf Seite 43 beendet. Also besiegt Mr. Pleasant den Angreifer und verliert dabei seinen Hut und seine Haare. „Ohne Sonnenbrille und mit dem heruntergerutschten Schal ließ sich die Tatsache, dass er kein Fleisch auf den Knochen hatte, keine Haut, keine Augen und kein Gesicht, nicht leugnen. Sein Kopf war ein Totenschädel.“ Da Stephanie gerade nichts Besseres zu tun hat, fällt sie erst einmal in Ohnmacht, was natürlich angesichts der Tatsache, dass sie soeben Bekanntschaft mit einem lebenden Skelett gemacht hat, nicht weiter verwunderlich ist.

Als die junge Dame wieder ansprechbar ist, erzählt ihr Skulduggery, dass er sowohl Detektiv als auch Zauberer ist und sie erfährt, dass ihr Onkel auf sehr mysteriöse Weise ums Leben kam. Für Stephanie steht fest, dass sie bei der Suche nach dem Mörder ihres Onkels dabei sein muss und sie lässt sich diesbezüglich auf keine weitere Diskussion ein. Ab genau diesem Moment sind die beiden ein unzertrennliches Team und Skulduggery zeigt ihr eine Welt voller Magie, auf die sie um nichts in der Welt mehr verzichten möchte. Und dafür ist sie auch bereit, den Kampf gegen das Böse aufzunehmen …

Man mag es kaum glauben, aber dies ist nur eine Zusammenfassung der ersten 50 Seiten und somit auch nur die Vorgeschichte, wie es dazu kommt, dass die zwölfjährige Stephanie von nun an ein aufregendes Leben an der Seite eines Skeletts führt. Ein Leben, von dem ihre Eltern auf keinen Fall erfahren dürfen.

Der Auftakt zu Derek Landys Skulduggery-Reihe hat eingeschlagen wie eine Bombe und das vollkommen zu Recht. 352 Seiten ununterbrochene Spannung, gepaart mit (teilweise recht trockenem) Humor. Der Autor hat sich viel Mühe bei der Auswahl seiner Figuren gegeben. Die zwölfjährige Stephanie ist ein sehr eigenwilliges und mutiges junges Mädchen. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann lässt sie sich so leicht nicht davon abbringen. Überzeugungsarbeit ist Schwerstarbeit. Für ein Mädchen in dem Alter durchaus nicht ungewöhnlich. Aber sie besitzt eine gehörige Portion Humor, der angepasst an Skulduggerys Humor, für ein junges Mädchen ein wenig zu schwarz ist.

Während mir die Phase des Kennenlernens der beiden etwas zu reibungslos verläuft (sie fällt zwar in Ohnmacht, als sie erkennen muss, dass sie es mit einem Skelett zu tun hat, aber dann findet sie sich etwas zu schnell damit ab), ist die tiefe Verbundenheit der beiden beispiellos.

Der Autor leistet mit seinem Buch indirekt auch etwas Erziehungsarbeit, indem er spielerisch, aber verdeckt den Zeigefinger hebt. Ein schönes Beispiel ist die Testamentseröffnung. Während sich Stephanie und ihre Eltern bescheiden geben, ist die Gier ihrer Tante und ihres Onkels schon überwältigend. Ihren Denkzettel bekommen die beiden insofern, dass Stephanie quasi alles erbt und die beiden bekommen „nur“ seinen Wagen, sein Boot und eine Brosche. Einen Wagen haben die beiden bereits und dass Fergus seekrank wird, wusste sein Bruder nur allzu gut. Und als Beryl das Kästchen mit der Brosche öffnet, musste ich laut lachen als Fergus sagt: „Was ist drin? Der Schlüssel zu einem Tresor? Eine … eine Kontonummer?“

Ja, schlechte und habgierige Figuren haben in dieser Geschichte keinen leichten Stand und wer das Buch gelesen hat, wird am Ende noch einmal schmunzeln müssen, denn nicht alles, was einem wertlos erscheint, ist auch wirklich wertlos …

„Der Gentleman mit der Feuerhand“ bekommt von mir fünf Sterne und das Prädikat „wertvoll“. Es fallen zwar einige Kampfszenen etwas härter aus, aber für die heutige Jugend ist das durchaus vertretbar. Ein dickes Lob meinerseits für die ausgefallenen Namen wie Skulduggery Pleasant, Walküre Unruh oder Schneider Grässlich. Wer so viel Fantasie besitzt, ist in meinen Augen reich. Ich freu mich schon jetzt auf den nächsten Band aus der Reihe.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (2):

  • 4.5000/5 Sterne.

Leserbewertung (35):

  • Momentan 4/5 Sterne.

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