Mann sein für Anfänger

von

Essays

Aus dem Amerikanischen von Andrea Fischer

320 Seiten (gebunden)
Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsdatum: 10.10.2011

ISBN: 9783462043303

Rezension von

Verfasst am: 15.10.2011

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Von Vätern, Ehemännern und Söhnen…

Michael Chabon, den man in guter Erinnerung hat mit seinem pfiffigen und hintergründigen Krimi “Die Vereinigung jiddischer Polizisten”, hat sich in seinem neuen autobiographischen Buch dem Thema “Männer” gewidmet. In irgendeiner Weise hat jeder Mann mit “Vätern” zu tun, sei es dem eigenen oder dem als Vater von eigenen Kindern. Michael Chabon ist Vater von vier Kindern, und sie regen zu ständiger Reflexion an.

Vorausgeschickt sei seine Einsicht, dass der Autor sich in dieser Rolle nicht immer so ganz wohl fühlt, weil ihn die Kinder vor Aufgaben stellen, die nicht immer leicht zu lösen sind. Er sinniert darüber nach, warum Väter besonderer Erwähnung zuteil werden, wenn sie im Supermarkt nett mit ihren Kindern umgehen. Niemals würde man sich über Mütter wundern, wenn sie liebevolle Mütter sind.
In den ungünstigsten Augenblicken fragen die Kinder ihn nach Dingen, die ihn in Verlegenheit bringen. Darf man den Kindern die Fragen nach dem eigenen jugendlichen Drogenkonsum verweigern? Er sehnt in diesen Zeiten seine Frau herbei, mit der er sich über alle Fragen, die ihre gemeinsamen Kinder betreffen, verständigen kann. Auch stellt sich die Frage, wo man die vielen Kunstwerke der Kinder lässt. Man entsorgt sie schweren Herzens, weil sie womöglich den Haushalt überschwemmen würden, —und natürlich dürfen die lieben Kleinen davon nichts erfahren!

Michael Chabon hat eine witzige, scharfsinnige und kluge Einschätzung seiner Vaterrolle vorgenommen. Sie präsentiert sich voller Humor und wirkt absolut authentisch. Selten nur mögen sich Eltern zu so klarer Selbsterkenntnis durchringen.

Nicht genug damit ist seine Geschichte über Väter und Söhne reich an Anekdoten über erste Lieben, verschmähte Liebe, kuriose Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, Treue, Liebe, Anhänglichkeit und dem Verhältnis zu den eigenen Eltern, frühen Freundinnen und ersten Sexerfahrungen. Ohne witzige und selbstironische Betrachtungen geht es dabei nicht zu. Das Judentum bekommt ebenso seinen Teil freundlicher Kritik ab wie die Rituale christlichen Lebens. Anlässlich der Bat Mizwa seiner Tochter Sophie befallen Michaael Chabon elegische Gedanken: “…als ihre Hand den Pfad der hebräischen Buchstaben auf dem Pergament nachfuhr, stellte ich fest, dass ich nicht an das Verstreichen der Zeit dachte, sondern an ihre unergründliche Stille, ihre Unbeweglichkeit, an die große universelle Fiktion, dass es so etwas wie Zeit überhaupt gibt.” Das klingt nachdenklich und zeigt den Tiefgang, der, bei aller Komik über das Mannsein, dem Buch innewohnt.

Wie tröstlich, dass am Ende jeder weiß, dass niemand vollkommen ist, und Fehler uns Menschen eigen sind. Auch Kinder werden bei gelungener Sozialisation lernen müssen, dass ihre Eltern nicht die Ideale bleiben, zu denen man als Kleinkind aufgeschaut hat. Chabon hat dieses in eine humorvoll witzige Satire gekleidet, die man mit Vergnügen liest.

Migliedermeinung

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