Madame Hemingway

von

biographischer Roman

Aus dem Amerikanischen von Yasemin Dinçer

456 Seiten (gebunden)
Aufbau Verlag

Erscheinungsdatum: 02.07.2011

ISBN: 9783351033583

Rezension von

Verfasst am: 03.12.2011

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Große Liebe, glückliches Leben und Armut; Biographie eines wunderbaren Künstlerpaars.

Heftig verliebt in den Journalisten und angehenden Schriftsteller Ernest Hemingway zieht es Hadley Richardson immer wieder aus St. Louis nach Chicago, wo sie mit anderen jungen Leuten in der Wohnung eines Freundes die schönsten Partys feiern. Es wird viel getrunken, geraucht und getanzt. Die Atmosphäre ist rundum fröhlich und ausgelassen und Hash, wie sie genannt wird, kann nicht genug kriegen von all’ dem freien und ungebundenen Leben.

Zurück in St Louis wartet sie sehnsüchtig auf die Briefe von Ernest, die in schöner Regelmäßigkeit eintreffen. Sie ist bereits 28 und Ernest Hemingway erst 21 Jahre alt. Kann das gut gehen?

Doch als er ihr einen Heiratsantrag macht, nimmt sie ihn an und geht mit ihm 1921 nach Paris. Was für ein himmlisches Leben!

The „roaring twenties“ in Paris, das Leben der Bohème, die zahlreichen Treffen und Freundschaften mit anderen bekannten Künstlern und Schriftstellern: Paula McLain hat die Atmosphäre dieser aufgeheizten Jahre nach dem ersten Weltkrieg sehr treffend eingefangen. Man trinkt viel, liebt sich und feiert die schönsten Feste. Hash liebt ihren Ernest und er sie. Schon bald kommt der kleine Bumby, ihr gemeinsamer Sohn, auf die Welt, und das Paar kehrt nach der Geburt aus Kanada in die französische Hauptstadt zurück.
Hash ist eine liebe, treue und zuverlässige Gefährtin für den leicht depressiven Schriftsteller. Sie haben eine schöne Zeit zusammen, doch kleine Eifersüchteleien und ein starker Besitzanspruch an ihren Mann bietet eine Vorahnung von dem, was da noch kommen mag.

Mit dem beginnenden Ruhm Hemingways als bekannter und begehrter Schriftsteller wechseln seine Freundschaften, zu denen nun inzwischen reiche und schöne Frauen gehören. Man spürt, wie er seiner Frau Hash allmählich entgleitet und sieht ihre Sorgen und Ängste, was aus ihrer Ehe unter diesen äußeren Bedingungen werden soll. Und richtig: ihre glamouröse Freundin Pauline Pfeiffer verführt ihren Mann, so dass die Ehe nach quälenden Monaten geschieden wird.

Paula McLain hat der ersten Frau Hemingways mit ihrem Roman ein Denkmal gesetzt. Hadley Richardson war eine geradlinige, ehrliche und bodenständige Frau, die ihrem Ernest in tiefer Zuneigung und Liebe verbunden war. McLain wagt die Behauptung, dass Hemingway als Schriftsteller gar nicht so weit gekommen wäre ohne die Jahre mit dieser wunderbaren Frau. Hemingway ging noch drei weitere Ehen ein, bevor er sich 1961 mit 61 Jahren das Leben nahm.

Das Buch fesselt durch die lebensnahe und intensive Erzählweise aus den Augen der Protagonistin Hadley. Das Paar lebt zwischen Bangen und Hoffen auf den Erfolg, und die beiden machen zahlreiche Reisen. Finanzielle Hilfen kommen von reichen Freunden und kleineren Aufträgen, mit denen sie sich über Wasser halten. Hauptsache man schwimmt im Strom der Geselligkeiten und der allgemeinen Feierlaune mit exaltierten Frauen und ernsthaften Gesprächen mit. Die Namen von Zelda und Scott Fitzgerald, Gertrude Stein, A.B. Toklas und viele andere mehr sagen aus, zu welchen Kreisen man sich zählte.

Paula McLain hat Biographien und Briefe studiert, um allen Beteiligten gerecht zu werden. Hemingway zeigt durch ihren Blick sympathische Seiten. Er war nicht nur der berühmte Macho, als der er sich zeitlebens gab. Er war aus dieser Sicht ein schwacher Charakter, der den Frauen und dem Alkohol verfiel und zu Ende seines Lebens in seinem berühmten Buch „Paris, ein Fest fürs Leben“ seiner Trauer über die Vergeblichkeit der Vergangenheit und dem schönen Leben in den ersten Jahren des Zusammenlebens mit Hadley Richardson Ausdruck gegeben hat.

Die warmherzige Anteilnahme, mit der die Autorin über diese Zeit schreibt, bringt einem beide Protagonisten ganz nah. Man empfindet Mitgefühl für beide, die den Anfechtungen des freien Lebens in der Pariser Bohème erlegen sind.

Gut zu wissen, dass Headley ihr inneres Gleichgewicht in einer stillen und ruhigen Ehe wieder gefunden hat.
Eine bemerkenswerte Biographie, die sich wie ein spannender Lebensroman liest, ist Paula McLain mit diesem Werk gelungen.

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