Amely und Aymáho
Vielleicht fragen sich einige, wieso das Buch “die Bucht des grünen Mondes” heißt, denn für mich ist der Mond noch nie grün gewesen und wird es wohl auch niemals sein. Wir begleiten Amely direkt in die grüne Hölle Brasiliens mit all ihren Gefahren und Abenteuern. Irgendwann, so bin ich mir sicher, werdet auch ihr hinter das Geheimnis des Buchtitels kommen und es genießen, denn es ist farbenprächtig und detailliert erzählt. Mir hat die Geschichte sehr gefallen, denn es ist irgendwie magisch. Wie magnetisiert habe ich an dem Buch gesessen und oft auch einfach den Kopf geschüttelt über den Aberglauben der Indios oder ihre Rituale, die für mich völlig unverständlich sind und teilweise so grausam, dass allein das Lesen schmerzt. Welche Europäerin drückt ihr Baby in den Schlamm, damit es erstickt, da sie zum Zeitpunkt der Geburt schon weiß, dass dieser Säugling nicht überleben kann. Der Stamm schaut weg und toleriert. Klingt grausam, oder? Dieser Roman ist oft blutig, voller Hass und Intrigen, aber es entsteht auch etwas Gutes und das ist die tiefe Zuneigung der beiden Liebenden Amely und Aymáho. Ein Roman bestückt aus Gewalt, Hass, Grausamkeit, Ausbeutung der Armen um sich an ihnen zu bereichern, Angst und dabei eine wunderbare Liebesgeschichte, die so ganz anders wird, als erwartet, verspricht einen Roman, der uns mitnimmt in eine andere Zeit und in ein fernes Land. Schauen wir mal, ob er mir gefallen hat.
Wir sind im 1896, also mehr als 100 Jahre vor unserer Zeit, wo die Uhren noch anders tickten und auch mit Frauen anders umgegangen wurde. Amely muss von Berlin nach Brasilien, denn sie ist Killian Wittstock, einem Kautschukbaron, versprochen. Wir begleiten sie und ihre Dienerin Bärbel in eine ungewisse Zukunft. Das Leben in Manaus ist hart für Amely, denn statt Liebe und Zuneigung von Killian bekommt sie Hiebe und das nicht zu knapp. Manchmal fordert sie es regelrecht heraus und man möchte ihr zurufen, dass sie es nicht an die Spitze treiben soll, denn durch den täglichen Kampf mit dem Gin ist Kilian sehr brutal und gewalttätig. Er nimmt sich Dinge heraus, da wird einem beim Lesen wirklich übel. Menschen, gerade Indios und sonstige Sklaven, sind in seinen Augen nichts wert und auch Amely nicht. Was mich ein klein wenig gestört hat, ist das Wort “Neger”, welches uns des öfteren in diesem Buch begegnen wird. Vielleicht muss man das Wort ausschreiben um darzustellen, wie sehr die Menschen leiden müssen, ohne genügend Essen und Trinken, gehalten wie Vieh, nur damit der Kautschuk fließen kann. Die Reichen Kautschukbarone stoßen mich ab in ihrer Gier, auch Killian ist jemand, der über Leichen geht um immer mehr und immer mehr zu erhalten, Geld, Macht und Anerkennung. An ihm zeigt sich, dass Alkohol nicht immer nur ein Tröster ist, sondern einen Menschen sehr verändern kann. Killian hat in meinen Augen nichts Liebenswertes an sich und an seiner Person habe ich mich wirklich gestört. Ein Buch braucht aber Bösewichte und Menschen, die wir auf Anhieb nicht mögen, denn wenn alles immer nur Friede, Freude, Eierkuchen ist, dann wird es langweilig.
Wir lernen also die Welt der Reichen kennen, in der Amely sich nicht zuhause fühlt und nach ihrer Entführung die Welt der Indios, wo sie sich auch nicht zuhause fühlt, weil sie eine Außenseiterin ist. Aymáho selbst hütet ein Geheimnis, dem wir recht schnell auf die Schliche kommen. Wer glaubt, es wird alles gut, hat sich getäuscht, denn es wird immer schlimmer. Der Kampf ums Überleben ist hart und auch die starken Bände der Liebe heilen nicht alles oder machen alles gut, denn auch der Stamm hat sein Päckchen zu tragen.
Das Leben gestaltet sich hart für Amely und ich sehe in ihr eine starke und außergewöhnliche Frau, die sich gegen ihren brutalen und herzlosen Mann durchsetzen möchte um nicht zugrunde zu gehen. Ich sehe die grüne Hölle, die so anschaulich beschrieben wird als wäre ich selbst in Brasilien. Ich sehe einen jungen Indio, hin und hergerissen zwischen zwei Kulturen und ich sehe, dass trotz aller Lügen und Intrigen Versöhnung und Heilung möglich ist.
Isabel Beto hat es tatsächlich geschafft mich mitzunehmen in eine andere Zeit, in ein anderes Land und in einen wunderbaren Liebesroman, zweier unterschiedlicher Menschen. Es hat mir sehr gefallen und der Roman hat das halten können, was ich mir gewünscht habe. Spannung, Abenteuer und ganz viel Liebe. Nun gut, manche der Sexszenen waren so detailliert beschrieben wie in einem Nora Roberts Roman, das fand ich dann schon ein klein wenig zu dick aufgetragen, aber ansonsten kann ich wirklich rein garnichts finden, was ich als Negativ hervorheben möchte oder auch könnte, denn die Handlung ist durch und durch großartig und fesselnd!
Was ich noch anmerken möchte ist das wirklich gelungene Cover, welches einen tollen Einblick verschafft in das Brasilien, welches uns erwartet. Die Blumenranken auf den Buchseiten, sind wirklich wunderschön. Ich habe noch kein Buch in den Händen gehalten, welches mich schon allein von der Optik überzeugt hat!
Wunderschön, wenn auch manchmal recht kitschig und unglaubwürdig, aber insgesamt ein lesenswerter Roman!
