Bestattung eines Hundes

von

Roman

352 Seiten (gebunden)
Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsdatum: 10.03.2008

ISBN: 9783462039689

Rezension von

Verfasst am: 14.03.2008

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Liebesgeschichten von einiger
Vielfarbigkeit, Identität und Selbstfindung

Thomas Pletzinger Bestattung eines Hundes
Kiepenheuer& Witsch ISBN 3462039687

Daniel Mandelkern, der Held der Geschichte, bekommt den Auftrag, ein Interview und Porträt des Kinderbuchautors Dirk Svensson zu verfassen. Sinnigerweise ist Daniels Frau, die gleichzeitig seine Feuilletonchefin ist, seine Auftraggeberin. Er fährt zu Svensson in dessen Haus am Luganer See.

Eine sorgfältige aufgefächerte und fein gegliederte Geschichte beginnt.

Das Interview wird ständig aufgeschoben. Svensson entpuppt sich als skurriler Eigenbrötler. Bei ihm in seinem Haus am See sind sein dreibeiniger Hund Lua und seine Freundin, es könnte auch seine Frau sein, die schöne Finnin Tuuli mit ihrem kleinen Sohn und Kiki, eine Amerikanerin.
Die Frage nach der Vaterschaft von Sami, dem Sohn von Tuuli, ist so rätselhaft wie die Beziehungen der Protagonisten untereinander.

Mandelkern hat parallel zu seinen Eindrücken am See innerlich mit seiner Ehe zu tun. Elisabeth ist sechs Jahre älter als er, sehr dominant und fordernd und will unbedingt ein Kind von ihm. Er hat im Streit mit ihr die gemeinsame Wohnung in Hamburg verlassen.

Wechselnd zwischen seinem angeknacksten Innenleben und seinem ungeliebten Auftrag, denn er ist von Beruf Ethnologe und hat nur zufällig den Job als Journalist angenommen, erkennt Daniel eine verzwickte Dreiecksliebesgeschichte zwischen Svensson, Tuuli und dem fernen Felix. Was hat es mit ihm auf sich?

Daniels Studium der Ethnologie hat ihm die Fähigkeit zur teilnehmenden Beobachtung vermittelt. Mit dieser Beobachtungsgabe nähert er sich Svensson, dem man aber nicht nahe kommen kann.

Mandelkern entdeckt im Gästezimmer des Hauses ein Manuskript von Svensson, Astroland. Mit Hilfe dieser Geschichte fühlt er sich in das fremde Leben ein.

Svensson hat im Amerika und Brasilien gelebt. Mandelkern fasziniert das Leben von Svensson so sehr, dass er das seine langsam mit dem anderen vermischt.
Beide Lebensgeschichten überlappen sich ganz vorsichtig. Mandelkern lernt sich selber immer besser verstehen und kann zuletzt seine eigene Liebe, sein Leben und seinen Zustand sorgfältiger einordnen.

Die Erzählung ist im Stil eines wissenschaftlichen Werkes verfasst. Einschübe in Klammern, Anmerkungen und Überschriften versuchen, eine Ordnung in die Dinge zu bringen. Die Parallelität aller Lebensgeschichten fließen unmerklich ineinander. So erlebt der Leser Geschichten, von denen er fasziniert ist, die aber gelegentlich kaum auseinander zu halten sind. Der dreibeinige Hund bietet eine Schablone der Vermittlung: er ist Hund und zugleich eine Art menschlicher Ansprechpartner.
In diesem Buch sind Liebesgeschichten immer prototypisch und lassen sich nicht reduzieren auf einzelne.
Am Ende klärt sich einiges und Mandelkern besinnt sich auf sich selber und seine eigenen Perspektiven.

Pletzinger hat mit seinem Debütroman mehrere ungewöhnlich fein beobachtete Liebesgeschichten zu Papier gebracht.
Der Stil seiner Erzählung, in der er Orte, Handlungen und Lebensentwürfe immer wieder abwandelt, nimmt den Leser tief hinein in sein Phantasiegebilde.
New York mit dem 9/11 wird nicht ausgelassen.

Die Frage nach der eigenen Identität stellt sich Mandelkern wie nebenbei. Mit Fleiß, Nachdenken und Reflexion ist Pletzinger einer Antwort auf diese Frage nahe gekommen. Sein gelungenes Romandebüt zeigt das Ergebnis.
Rezesnion von Claudine Borries

Migliedermeinung

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Leserbewertung (3):

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