Madame de

von

Novelle

Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky

128 Seiten (gebunden)
Dörlemann Verlag

Erscheinungsdatum: 13.02.2012

ISBN: 9783908777748

Rezension von

Verfasst am: 10.05.2012

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Liebe, Leidenschaft und Nostalgie!

Dieses kleine Büchlein, mehr eine Novelle denn ein Roman, schmückt ein Foto von Vittorio de Sica und Danielle Darrieux.
Man sieht die beiden verführerisch und lasziv in eleganter Aufmachung beim Tanz.

Verführerisch und lasziv ist die ganze Geschichte, die uns hinter die Kulissen des Adels in Frankreich Mitte der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts entführt, und die von Max Ophüls 1953 verfilmt wurde.

Madame de ist eine adelige Dame, elegant und anziehend und das Schmuckstück einer jeden Gesellschaft. Stilvoll und berückend scheut sie keine Ausgaben, um ihr Äußeres zu verbessern. Ihr verschwenderischer Lebensstil hat sie in hohe Schulden getrieben. Sie verkauft in ihrer Not Ohrringe in Herzform aus Diamanten an einen Juwelier, der ihr Stillschweigen über den Ankauf verspricht. Die Ohrringe waren das Hochzeitsgeschenk ihres Mannes! Wie die Dinge so laufen, kommt dieses Schmuckstück auf Umwegen an die Verkäuferin zurück, die sich inzwischen unsterblich in einen Diplomaten verliebt hat.

Louise de Vilmorin kennt die Kreise, in denen Madame verkehrt und weiß um die Gelüste, die ein langweiliges Gesellschaftsleben in den Teilnehmern dieser Kreise auslösen. Leidenschaften, die vielleicht gar keine sind, befallen die angeödeten Damen auf der Jagd nach Abwechslung. Gekonnt spielt die Autorin auf der Klaviatur der gesellschaftlichen Geflogenheiten und entwirft das Bild einer Epoche, in der Umgang und Beziehungen alles waren. Madame de versteckt ihre Amouren geschickt vor den Augen ihres Mannes, ist aber innerlich zerrissen von dem missglückten Spiel, dass sie mit ihrem Ehemann und dem geliebten Diplomaten spielt. Liebe und Eifersucht sind die Triebfedern für ein Geschehen, in dem sich am Ende alle verfangen.

Mit wenigen Skizzen nur zeichnet Louise de Vilmorin ein Gesellschaftsbild, in dem neben der Geselligkeit Fantasien freisetzt werden, die nur zum Unglück führen können.

De Vilmorin erinnert mit ihrer Geschichte an die großen Vorbilder Maupassant, Flaubert und Balzac. Gibt es doch von Maupassant die Geschichte “Der Schmuck”, in der wie hier ein Schmuckstück zur Überführung einer ungetreuen Ehefrau führt.

Liebesschmachten, Herzgeschichten, Langeweile und die stolze Gesellschaft einer verwöhnten Klasse bilden den Hintergrund für die Geschichte. Die Raffinesse, mit der die Autorin Gefühle aufzeigt und die Not der verbotenen Liebe beschreibt, ist unübertroffen.
Man liest die Geschichte mit nostalgischen Gedanken an eine Zeit, in der romantische, leidenschaftliche und in ihren Auswüchsen zuweilen tragisch endende Liebesehnsüchte den Alltag bestimmten. Konventionen und Haltung galten viel und waren die Voraussetzung dafür, dass man weiterhin “dazu gehörte”.

Es handelt sich bei der Novelle um eine hübsch inszenierte und fein ausgesponnene Geschichte, die durch die äußere Aufmachung des Büchleins aus dem Dörlemann Verlag noch den Geschmack des kultivierten Lesers anspricht. Die Übersetzung von Patricia Klobusiczky krönt das kleine Meisterwerk.

Louise de Vilmorin war selber mit berühmten Männern ihrer Zeit liiert und gehörte zur Klasse des Adels. Sie starb 1969.

Migliedermeinung

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