Als wir Gangster waren

von

autobiografische Erzählung

192 Seiten (gebunden)
Graf Verlag

Erscheinungsdatum: 09.03.2012

ISBN: 9783862200207

Rezension von

Verfasst am: 14.05.2012

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

In Memoriam Oliver Storz.

Schon um des schönen Vorwortes Willen, das Dominik Graf verfasst hat, lohnt es sich, das kleine Büchlein mit dem Romanfragment und einigen Erzählungen von Oliver Storz zu lesen.

Umreißt D. Graf doch in wenigen Worten, wie ehrlich, zuverlässig, ungeschönt und authentisch Oliver Storz war und schrieb.
„Menschen wie er haben eigentlich Sterbeverbot. Wir brauchen sie heute so sehr, in den allerdümmsten Zeiten, die unser Land seit dem Weltkrieg erlebt hat.“ Soweit Dominik Graf über den Filmregisseur und Schriftsteller Oliver Storz, der 2011 verstorben ist.

In der Titelgeschichte „Als wir Gangster waren“ beschwört Oliver Storz noch einmal die ersten Jahre nach Kriegsende in Deutschland herauf.
Schüler an der Altersgrenze derer, die noch kurz vor Kriegsende hätten eingezogen werden können, erleben den Schwarzmarkt, die ersten Annäherungsversuche zwischen Deutschen und Amerikanern und die Gefahr der Nähe zum Militär. Ein adliger Junge mit Namen Elmar von Grottenau, Ostflüchtling, stößt zur Schulklasse des Icherzählers. Der adlige Junge ist Autorität und mit seinem herrischen Auftreten einschüchternd. Charaktere wie dieser waren früh aufgrund von Hierarchien festgelegt und wurden nicht infrage gestellt.

Man lebte in der amerikanisch besetzten Zone irgendwo im Schwäbischen zwischen dem Schwarzmarkt und der geheimen Furcht vor Entdeckung. Es herrschte eine Art von Anarchie, denn die gewohnten Strukturen waren zerbrochen. Väter waren entweder nicht vorhanden oder kehrten als gebrochene und kranke Männer heim. Die Zeit vor dem Beginn des Aufbruchs in die Nachkriegszeit ist einerseits aufregend und andererseits gefährlich. Der Freund Elmar kommt um, erschossen von den Amerikanern, denn er plante die Befreiung von SS Angehörigen aus dem Gefängnis. Die ganze Unwägbarkeit dieser unsicheren Nachkriegsjahre wird aus den Zeilen Storzes sichtbar und atmosphärisch packend wiedergegeben.

In den weiteren Erzählungen handelt es sich um Essays und einen Schulaufsatz, indem die Pracht des Herbstes eingefangen ist. Mit klugen Spotlights umreißt der Autor heiße Sommertage und das häusliche Milieu, das aus väterlicher Autorität, mütterlicher Fürsorge und ersten scheuen Liebesannäherungen eines Pubertierenden an Klassenkameradinnen und Nachbarinnen besteht.

Es ist gut, dass dem Graf Verlag mit diesen Erzählungen ein Erinnerungsbuch an den Autor geglückt ist, das aus zahlreichen Impressionen und eindrucksvollen Erinnerungen besteht.

Oliver Storz, 1929-2011, war ein erfolgreicher Drehbuchautor, Regisseur und Schriftsteller.

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