Auf den Schwingen der Hölle

von

Krimi

182 Seiten (broschiert)
fhl Verlag

Erscheinungsdatum: 17.04.2012

ISBN: 9783942829311

Brigitte Linke
Rezension von

Verfasst am: 04.08.2012

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Nomen est omen – Ein (Über)Flieger im Thriller-Genre.

Das Leben des Ehepaares Bachmann ist vorbei, nachdem ein Sexualtäter ihre Tochter Manu vergewaltigt und getötet hat. Die dafür ausgesprochene Gefängnisstrafe von 10 Jahren hätte noch ein Jahr dauern müssen, aber der Mörder Heiko Emmerlein wurde wegen guter Führung ein Jahr eher entlassen. Diese Mitteilung macht der Detektiv Schneider dem Vater, der mit ungebändigtem Hass im Herzen nur darauf wartet, seine geliebte Tochter zu rächen. Weitere Informationen hat Schneider nicht für ihn, nur dass Emmerlein mit einem roten Toyota fährt, mit dem er in seinem ersten Urlaub nach der Freilassung zu den Lofoten zum Angeln aufgebrochen sei. Endlich frei sein, das Leben genießen, sich treiben lassen ohne festes Ziel, das wollte er nach den Jahren der Haft. Das ist der Moment, in dem Bachmann endlich die Witterung des Gehassten aufnehmen kann, um ihn zu verfolgen und zur Strecke zu bringen. Niemand wird ihn hindern, noch nicht einmal seine Frau Sarah, mit der ihn einst Zärtlichkeit und gemeinsame Gedanken verbanden, die von unstillbaren Rachegelüsten ausgelöscht wurden, was beiden Menschen zuviel Einsamkeit brachte und die Schuld an Sarahs Depressionen trägt. Bachmann spürt es nicht oder verdrängt das Wissen um die verzweifelte Lage seiner Frau, die mit einem Leben, dessen Grundlage Hass und Tötungsverlangen sind, nicht zurecht kommt.
So macht sich Bachmann, den das Schicksal mit grausamer Hand zur rachebesessenen Marionette geformt hat, auf, ein gezeichnetes Menschenwild zu stellen, gottgleich darüber zu richten, in seiner Rolle als verzweifelter Vater. Eine verbissene, fast lautlose Jagd beginnt, flüchtig von einem Feriendorf zum anderen, bis endlich der rote Wagen vor einem Gästehaus parkt und der Verfolger weiß: Hier hat die Suche ein Ende, hier wird der Tod die eigene Rastlosigkeit stillen. Aber dieser Tod muss heimlich kommen, damit keine Verbindungen zu Bachmann geknüpft werden können. Kann er das umsetzen, was er in unzähligen, albtraumbelasteten Nächten immer wieder vor sich gesehen hat? Kann er es jetzt noch, nachdem er Emmerlein mehrfach Auge in Auge gegenübergestanden hat?

Jan Flieger hat hier ein grandioses Werk geschaffen. Es ist ein Thriller der besonderen Art. Ohne Blutvergießen und brutale Schilderungen – oder vielleicht auch gerade deshalb – schafft er einen Spannungsbogen, der praktisch von der ersten bis zur letzten Seite reicht. Nur dass er von einem Kapitel zum anderen an Intensität zunimmt, sich nahezu körperlich empfinden lässt in seiner dunklen Schwere, die man letztendlich trägt wie eine Bürde, während man immer mehr auf Erleichterung oder gar Erlösung hofft. Zuletzt möchte man nur noch, dass “es” passiert – was es auch sei – weil man will, dass sich ein Knoten löst, etwas Böses vergeht, vom gewaltigen Nordmeer mitgenommen wird oder im Sturm verweht – da kommt man wirklich an die Grenzen des “Ertragen-Könnens”.
Vielleicht klingt das Fazit ein bisschen zu salopp, was es beileibe nicht soll:
Dieser Roman ist einfach Klasse, ganz, ganz großes Kino !!

Etwas mehr von dieser Art Kriminal-Lektüre könnte dem Genre gut tun und zwei Begriffe könnten wieder miteinander existieren, nämlich Spannung und Ästhetik.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (1):

  • 5.0000/5 Sterne.

Leserbewertung (0):

  • Momentan 0/5 Sterne.

Ihre Bewertung:

  • Momentan 0/5 Sterne.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5