Die Kunst der Konversation

von

biographische Erzählung

Aus dem Französischen von Claudia Steinitz, Tobias Scheffel

112 Seiten (gebunden)
Steidl

Erscheinungsdatum: 01.09.2012

ISBN: 9783869305172

Rezension von

Verfasst am: 01.11.2012

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Kultur, Umgangsformen und Gesellschaftsleben aus drei Jahrhunderten!

Salons aus drei Jahrhunderten spielen den Part in dieser vornehm aufgemachten Abhandlung.
Das Blaue Zimmer der Madame de Rambouillet im 17. Jahrhundert, der Salon der Madame du Deffand im 18. Jahrhundert und der Salon von Madame de Stael im 19. Jahrhundert.

Allen drei Damen ist gemeinsam, dass sie mit der gepflegten Konversation einen Rahmen schufen, in dem der Geist zu Hause sein sollte. Jede hatte zu ihrer Zeit die liebe Not damit, sich aus der Masse der Unbedarftheit und der Oberflächlichkeit herauszuheben.

Heirat und Kindergeburten waren den Damen nicht genug. Sie waren alle drei intelligent, gebildet und kultiviert.

Die Autorin verweist in einem kurzen eingeschobenen Text darauf, Zitat „heute sind die Glücksmomente der Konversation letzte Ausflüchte aus den tödlichen Fängen der Langeweile, der Dummheit und der Aggressivität“ (S. 13). Wie wahr! Und wie sehr lechzt der moderne und gebildete Mensch gerade nach einer Form der Unterhaltung, in der zugehört und im Wechsel dazu gesprochen wird! Ist doch heute die Selbstdarstellung, um nicht gleich von der Selbstverliebtheit zu sprechen, Gang und Gebe.

Die Damen des gehobenen Adels, die jene ferne Spielart der „Salons“ zur Berühmtheit führten, hatten außer dem Wechselspiel von Zitat, Rede und Antwort noch für sich den Vorzug entdeckt, dass sie in ungewöhnlicher Form eine Art Emanzipation für sich geltend machen konnten. Sie nahmen sich und hatten die Freiheit, ihre Gäste nach Charakter und Fähigkeit um sich zu scharen. Die Autorin Chantal Thomas findet eine feine und gelegentlich fast ironisierende Form des Ausdrucks, mit dem sie in uns die Erinnerungen an die genannten Salons in die Gegenwart holt.

Die Kapitel sind mit den passenden Überschriften versehen wie z.B. „Utopie“. „Es liegt etwas Fantastisches, Surreales in der Faszination für die Salons des 17. Und 18. Jahrhunderts, für ein Ritual, das wir uns kaum noch vorstellen können.“ (S. 21)

Chantal Thomas versteht uns wunderbar einzustimmen auf die Umgangsformen dieser fernen Jahrhunderte, in denen die Sprachkultur und die literarische Kompetenz, auch die Liebe zu ungewöhnlichen Männern die Voraussetzungen für die Teilnahme der Gäste in ihren Salons boten. Man beschränkte sich dabei nicht auf die Literatur, sondern bezog das Theater und die Singspiele mit ein.

Jede einzelne der drei adeligen Damen wird von der Autorin mit ihren jeweiligen Eigenheiten und Charakteristiken, ihrer Kultur und ihrer äußeren Aufmachung vorgestellt. Ein feines und ansprechendes kleines Werk ist ihr damit gelungen.

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