Edelsüß

von

Krimi

282 Seiten (broschiert)
Gmeiner

Erscheinungsdatum: 09.07.2012

ISBN: 9783839213230

Rezension von

Verfasst am: 04.11.2012

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Mit „Edelsüß“ schickt Susanne Kronenberg ihren vierten Krimi mit der sympathischen Privatdetektivin Norma Tann ins Rennen. Optisch gesehen weicht dieses Cover von den Vorgängern ab, die allesamt mit einem Foto als Titelmotiv überzeugen konnten. Aber auch die Zeichnung eines kleinen Dorfes und die beiden Wappen auf dem goldgrünen Hintergrund machten mich sofort auf das Buch aufmerksam. Der Totenkopf in einem der Wappen macht schnell deutlich, dass es sich hier um einen Krimi handelt.

Schauplatz ist der Wiesbadener Stadtteil Schierstein, denn hierhin begleitet Norma ihren Schwiegervater Lutz Tann. Dieser möchte seine Villa verkaufen und ein kleines Weingut erwerben. Zusammen mit einem Makler besichtigen sie das Weingut Adebar, welches einer älteren Dame namens Henriette Medzig gehört. Die Witwe hat zwar einen Sohn, der aber offensichtlich kein Interesse an dem Gebäude hat, außer mit dem Verkauf einen hohen Geldbetrag zu erzielen. Normas Schwiegervater ist sofort Feuer und Flamme für das Anwesen. Seine Freude ist allerdings schnell getrübt, als er erfährt, dass das Fachwerkhäuschen gegenüber dem Haupthaus aus dem Ensemble ausgeschlossen ist, weil es von einer alleinstehenden Staatsanwältin bewohnt ist. Dr. Angela Bennefeld ist auf dem Nachbarweingut aufgewachsen, welches bis zum Jahre 1986 ihrem Vater gehörte. Doch der Glykolskandal im Jahre 1985 traf viele Winzer schwer, und besonders die Unschuldigen hatten schwer darunter zu leiden, weil aufgrund der Panscherei niemand mehr deutschen Wein kaufen wollte. Für das Ehepaar Medzig war es der Anfang vom Ende ihres Weinguts. Noch im gleichen Jahr verschwindet Henriettes Mann Ewald spurlos und im Jahr darauf wird Angelas Vater Karl Bennefeld zum verbitterten Trinker, der kurze Zeit später nach einem missglückten Selbstmordversuch im Rollstuhl sitzt.

Während der Besichtigung des 1000 m² großen Kellergewölbes verkündet die Hausherrin, dass es ursprünglich sogar einen Geheimgang zum Keller des Nachbarn Bennefeld gab. Angela ist überrascht, denn sie hört dies zum ersten Mal. Ausgerechnet der frühere Lehrling und spätere Geschäftsführer des Weinguts Medzig, Harry Halvard, entdeckte diesen Geheimgang zufällig beim Aufräumen. Als Angela das erfährt, möchte sie aufgebracht von Henriette Medzig wissen, ob Harry die Verbindung vor oder nach Ewalds Verschwinden entdeckt hat. Aber Henriette kann ihr da nicht weiterhelfen und sich ebenso wenig erklären, warum diese Auskunft für Angela so wichtig ist.

Der Leser erfährt ein paar Seiten weiter, warum Angela diese Frage so wichtig war, denn auf einen anonymen Tipp hin wurde der Keller der Bennefelds im September 1985 von Weinprüfern untersucht, die schließlich auch eine Anzahl Glykolkanister und weitere Chemikalien fanden. Für den schuldlosen Karl Bennefeld, der vor Schock wie gelähmt ist und keine Worte zu seiner Verteidigung findet, bedeutet es das berufliche Aus. Im Frühjahr 1987 übernimmt Harrys Vater Onno Halvard das Weingut der Bennefelds. Im Jahr 1993 setzt die junge Referendarin Angela alles daran, um Harry Halvard seinen Anteil am Weinbetrug nachzuweisen – und scheitert kläglich. Aufgrund der Tatsache, dass es eine Verbindung zwischen den beiden Kellergewölben gab, ist Angela mehr denn je davon überzeugt, dass Harry ihrem Vater das Glykol untergeschoben hat, um ihn zu ruinieren. Wenige Tage später wird die Leiche der Staatsanwältin aus dem Schiersteiner Hafen geborgen. Die Polizei geht von einem Unfall aus, da Angela am Tag des Unglücks, wie so oft, betrunken war. Ihre Stiefmutter jedoch ist sich sicher, dass jemand nachgeholfen hat, und bittet Norma Tann, Ermittlungen anzustellen …

Meine Zusammenfassung ist nur ein Bruchteil dessen, was das Buch noch an weiteren Überraschungen zu bieten hat. Ich habe mich selber gewundert, wie es der Autorin gelungen ist, auf 282 Seiten so viel an Krimihandlung unterzubringen, ohne die Geschichte überladen wirken zu lassen. Zu keiner Zeit wirkt die Erzählweise hektisch oder zu überfüllt an Ereignissen – im Gegenteil. Der Erzählstil von Susanne Kronenberg ist ruhig und fließend, jedoch niemals langweilig oder langatmig. Der Leser erfährt viel über den damaligen Weinskandal und auch die Landschaftsbeschreibungen sind sehr gelungen, sodass ich die Örtlichkeiten immer bildlich vor Augen hatte. Ich habe mich wohlgefühlt in der Geschichte und auch mit den authentisch beschriebenen Charakteren. Am besten gefallen hat mir Norma, die sich vor allen Dingen durch ihr soziales Engagement auszeichnet und das Herz am rechten Fleck hat. Da ich die ersten beiden Bände der Reihe noch immer nicht gelesen habe, macht es mich wieder unheimlich neugierig, zu erfahren, was mit ihrem Mann passiert ist, der verstorben ist. Da es sich um abgeschlossene Krimifälle handelt, ist der Roman auch ohne dieses Vorwissen gut zu lesen, aber auch wenn, oder vielleicht auch gerade weil, das Thema immer wieder angeschnitten wurde, hat es mich schon geärgert, Normas Vergangenheit einfach noch zu wenig zu kennen.

Interessant sind die Verwicklungen, die sich erst nach und nach etwas entwirren, aber dennoch keinen Hinweis auf den Täter liefern oder zumindest so angelegt sind, dass man jeden verdächtigen kann. Einzig das fehlende Motiv wird dem Leser erst kurz vor Schluss präsentiert. An diesem Fall habe ich mir irgendwie die Zähne ausgebissen. Es waren schon ein paar Ansätze meinerseits da, die in die richtige Richtung gingen, aber irgendwie gab es einfach zu viele Verdächtige und zu viele Personen, zu denen Angela kurz vor ihrem Tod noch Kontakt hatte.

Susanne Kronenberg ist ein guter, mit viel Lokalkolorit gefüllter Krimi gelungen, dessen Handlung sowie seine Charaktere absolut überzeugen. Auch wenn das Mitraten sich etwas kniffelig gestaltet, so hat es Spaß gemacht, dem Mörder auf den Fersen zu sein. Die Spannung baut sich langsam aber stetig auf. Ich empfehle „Edelsüß“ gerne weiter und freue mich schon auf den nächsten Band aus dieser Reihe. Ich vergebe fünf Sterne.

Migliedermeinung

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