Das Phantom des Alexander Wolf

von

Erzählung

Aus dem Russischen von Rosemarie Tietze

192 Seiten (gebunden)
Hanser

Erscheinungsdatum: 27.08.2012

ISBN: 9783446238534

Rezension von

Verfasst am: 27.11.2012

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Liebe und Tod als unversöhnliche Gegenpole.
Der Icherzähler und Held der vorliegenden Geschichte lebt als russischer Emigrant Ende der zwanziger Jahre in Paris. Er ist Journalist.

Mit unverhohlener Gewalt plagen ihn Erinnerungen an einen Mord, den er als Weißgardist im Russland der Revolutionsjahre begangen hat. In der Gestalt einer Erzählung meint er, den von ihm Ermordeten wieder zu erkennen.

Mit feinem Strich und äußerst delikat beginnt eine Geschichte, in der es um Mord und Totschlag, um Liebe, Schuld, um Tod und Auferstehung geht.
Man wird nicht müde, der Erzählung zu folgen, die sich mit zarten Details über die moralischen Skrupel des Icherzählers auslässt.

Er war jung, vielleicht 14 oder 15, als er dem Gegner in einem Waldstück in Südrussland auf Erkundungstour begegnete. Um selbst dem Tod zu entgehen, hat er aus Notwehr zuerst geschossen. Dass der Getroffene den Angriff überlebt haben könnte, war ihm nie in den Sinn gekommen.
Doch er findet 15 Jahre später im Exil in Paris die Erzählung “I’ll Come Tomorrow” von Alexander Wolf. In ihr werden die Ereignisse von damals so detailgenau beschrieben, dass unser Held nicht umhin kann, den von ihm vermeintlich Ermordeten in ihnen wieder zu erkennen.
Nun beginnt eine intensive Suche nach Alexander Wolf. Doch ist er ein Phantom oder ein lebender Schriftsteller?
Man wird sehen.

Fein ziseliert und konstruiert erlebt man die Geschichte die ganze Zeit als verwirrend, mysteriös und schemenhaft. Eine unergründliche Düsternis überschattet das Werk. Die dramatische Liebe zu Jelena verwirrt den LeserIn ebenso wie vielfältige andere Begegnungen mit Exilrussen. Paris war zur damaligen Zeit das Auffangbecken für zahlreiche russische Emigranten, die nach der Revolution in ihrer Heimat nicht mehr bleiben konnten. Doch geht es hier um die innere Erkundung der jeweiligen seelischen Befindlichkeiten und nicht etwa um die politischen Verhältnisse. Erstere sind faszinierend und stimmen zuweilen sprachlos. Ein Erzählstrang greift unerklärlich in den nächsten, so dass man eifrig am Ball bleiben muss, um den Faden nicht zu verlieren.

Gaito Gasdanow ist ein spät wieder entdeckter russischer Schriftsteller, dessen kleine Novelle bereits 1947 zum ersten Mal aufgelegt worden ist. Jetzt ist sie in der Übersetzung von Rosemarie Tietze auf Deutsch erschienen. Die Kritiken zu seinem Werk ergehen sich in höchstem Lob, – zu Recht, wie ich finde!

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