101 Nacht

von

Erzählungen

336 Seiten (gebunden)
Manesse

Erscheinungsdatum: 11.10.2012

ISBN: 9783717590262

Rezension von

Verfasst am: 30.11.2012

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Eine weltliterarische Sensation. Eine über 800 Jahre alte Sammlung der Geschichten von “101 Nacht” wurde gefunden – und von der bekannten Arabistin Claudia Ott in einer mustergültigen Ausgabe herausgegeben.

„Und so, mein Gebieter, geht die Geschichte weiter“. Wie also der König, ihr Gebieter, Abend für Abend, nachdem er die schöne und kluge Schahrasad geliebt hat, ihrer Geschichte lauschte, so lesen wir mit wachsender Begeisterung die wunderschönen Erzählungen aus „101 Nacht“.

„101 Nacht“? Ja – diese Geschichten sind sozusagen die „kleine Schwester“ von „Tausendundeine Nacht“. Beide sind zwar miteinander verwandt – und doch ganz anders. Und – die Erzählungen von „101 Nacht“ sind eine weltliterarische Sensation. Entdeckt von Claudia Ott, die sich bereits um eine großartige Ausgabe von „Tausendundeine Nacht“ verdient gemacht hat. Dies aber ist jetzt eine eigene, eine äußerst spannende Geschichte. 2010 fiel der berühmten Arabistin in der Ausstellung „Schätze des Aga Khan Museums – Meisterwerke islamischer Kunst“ eine 800 Jahre alte und damit die älteste Handschrift unter dem Titel „Hundertundeine Nacht“ auf. Ein Fund, auf den die leidenschaftliche Wissenschaftlerin und Übersetzerin gewartet zu haben schien.

Wie dies alles vonstatten ging, welche Hindernisse zu überwinden waren, um die Übersetzung zu realisieren, wie sie uns jetzt in einer außergewöhnlichen schönen Ausgabe vorliegt, hat Claudia Ott im Anhang dieses Buches ausführlich dokumentiert. Auch, dass diese Handschrift im Gegensatz zur großen Schwester nicht aus dem Orient stammt, sondern aus dem Okzident, sprich: aus Andalusien, dem „arabischen Osten“. Die ganze Geschichte liest sich jedenfalls, Claudia Ott dokumentiert wie ein literaturwissenschaftlicher Kriminalroman.

Das und mehr sollte man wissen, wenn man sich an die Lektüre dieser Geschichten macht, die Schahrasad ihrem Gebieter Nacht für Nacht erzählt. Eingebunden in eine Rahmenerzählung werden die Binnenerzählungen, aufgereiht wie auf einer Perlenschnur, immer wieder auch durch kleine Nebengeschichten unterbrochen – und geben doch ein geschlossenes Ganzes.

Eigenartige Wesen begegnen dem Leser: Lindwürmer und Jungfrauen. Edle Ritter bemühen sich um schöne Frauen, und weniger edle treiben ihr Unwesen. Kalifen und Wesire geben sich die Ehre. Von Abenteuern wird erzählt und von Liebe, Leidenschaft und Tod. Der König ist derjenige, dem all diese Geschichten der schönen Schahrasad zugedacht sind. Bisher hatte er seine Frauen nach der ersten Liebesnacht getötet. Jetzt aber fesseln ihn die fantasievollen Erzählungen der listigen Schahrasad, die um ihr Leben fabuliert. Sie endet ihre Erzählungen jede Nacht an der spannendsten Stelle, so dass der König nicht umhin kann, sie nicht nur nicht zu töten, sondern am nächsten Abend wiederzukommen, denn „so, mein Gebieter, geht die Geschichte weiter“.

Am Ende ist Schahrasad schwanger. „Da begnadete der König Schahrasad und ließ sie fortan unter ihren Mädchen und Dienerinnen ein angenehmes Leben führen. Lob sei Gott, dem Herrn der Weltbewohner! Damit ist die Geschichte von Hundertundeiner Nacht zu Ende.“

Leider. Aber man wird dieses Buch immer wieder gern zur Hand nehmen, wird sich bezaubern lassen von der blumenreichen und schönen Sprache, von den wundersamen Geschichten und nicht zuletzt von der herrlichen bibliophilen Ausstattung dieses Buches.

Ein Buch, das bezaubert. Vorrangig sind es die fantasievollen Erzählungen der schönen Schahrasad, die den Leser fesseln werden. Und letztlich auch die bibliophile Ausstattung dieses außergewöhnlich schönen Buches.

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