Klack

von

Familienbiographie

224 Seiten (gebunden)
Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsdatum: 14.02.2013

ISBN: 9783462045154

Rezension von

Verfasst am: 06.02.2013

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Zwischen Wirtschaftswunder und kaltem Krieg…

Anhand der Schnappschüsse mit seiner ersten Kamera erzählt der Junge Markus aus seiner Jugend und dem Leben im Nachkriegsdeutschland Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre. Er lebt in der norddeutschen Provinz, wo es adrett und ordentlich zugeht. Die Familie am Esstisch und Gespräche mit den Eltern und der Großmutter belegen: alles riecht nach Mief und kleinkarierter Gutbürgerlichkeit.

Da wird getratscht und geklatscht; die Kommentare zur Weltpolitik sind ebenso selbstgerecht wie die Beurteilung eines Onkels „vom anderen Ufer“, will sagen „schwul“.

Die Moral war stickig und getragen von Vorurteilen, denen man mit Inbrunst und gelegentlich auch verschämt nachging. Liest man heute diese Zeilen, begreift man erst, wie eng und verdruckst die Zeiten damals waren. Erste Ansätze von Fortschritt bieten die Gesänge von Elvis Presley und Bill Ramsay. Klaus Modick fängt mit seiner Geschichte alte Zeiten ein, die erst im Ansatz so etwas wie Aufbruch zeigten. Mehrheitlich war die Vergangenheit nicht bewältigt, und man verharrte in alten Schemata von Moral und Anstand. Doch die Mutter umschwärmt den Fernsehansager Klaus Köpcke und wiegt sich beschwingt zu Swing und Rock. Mittendrin träumt Markus von der ersten Liebe oder wenigstens dem ersten Kuss.

Die Atmosphäre ist treffend eingefangen. Man erinnert sich der Bedrohungen durch den kalten Krieg und spricht von der „Zone“ (DDR) und von denen „da drüben“.

Liest man das alles, wird einem der ganze Krampf und die verquere Weltsicht der damaligen Zeit noch einmal deutlich vor Augen geführt. Der Fortschritt ließ die Vergangenheit und den verlorenen Krieg versinken, deren man sich nur ungern erinnerte. Die Niederschrift dieser Erinnerungen mutet nostalgisch an und ist doch nur Dokument einer erst nach und nach beginnenden neuen „Aufklärung“, mit der die Reflexion im Gedankengut einzelner Einzug hielt. Der Fortschritt nahm in den achtziger Jahren Fahrt auf und mündet in das Zeitalter der Technik, in dem alles schnell, scharf und flink zugeht. Partnerschaft, Handy und PC sind die neuen Götzen der Anbetung, und längst sind die Jahre des Aufbaus und der ersten tastenden Schritte in eine gelungene Demokratie Vergangenheit.

Für diejenigen, die sich der alten Zeiten gerne erinnern, wird so manches Ereignis der Aufbaujahre noch einmal lebendig.

Klaus Modick hat mit seinem „Klack“ ein Zeitbild heraufbeschworen, das anschaulich und konkret in Rede und Antwort und dem täglichen Geschwätz an die Jahre der Spätfolgen des Nachkriegs erinnert.
Er bietet uns leichte Unterhaltung mit Erinnerungswert.

Migliedermeinung

Rezensentenbewertung (1):

  • 5.0000/5 Sterne.

Leserbewertung (0):

  • Momentan 0/5 Sterne.

Ihre Bewertung:

  • Momentan 0/5 Sterne.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5