Paradiessucher

von

autobiographischer Roman

304 Seiten (broschiert)
Hanser

Erscheinungsdatum: 28.01.2013

ISBN: 9783446241640

Brigitte Linke
Rezension von

Verfasst am: 13.02.2013

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Die Suche nach einer goldenen Welt.

Der Gedanke, sich aufzumachen, um das Paradies zu suchen, kommt der siebzehnjährigen Lenka Hrózová 1986, nachdem ihr die Schauspielschule, bei der sie sich beworben hat, eine Absage erteilte. Ihr fehlt es nicht an Talent und Enthusiasmus, aber der Text des amerikanischen Schriftstellers Tennesse Williams, den sie zum Vorsprechen verwendet, findet aus politischen Gründen keine Gnade vor den Augen der Jury.
Lenka, die mit ihrer Familie in Prerov, einer böhmischen Kleinstadt lebt, beschließt, ein Visum, das für sie und ihre Mutter bewilligt wird, um Verwandte in Westdeutschland zu besuchen, als “one-way-Ticket” ins Paradies zu nutzen und nicht zurückzukehren. Lange schon belastet sie die Unfreiheit und Enge ihrer dörflichen Rückständigkeit, sowie die ständige Furcht vor Denunziation und staatlicher Willkür. Ein voraussehbares Leben, wie es in seiner illusionslosen Gesetzmäßigkeit auf sie zukommt, bietet keinen Anreiz zu bleiben, und selbst der Verlust von liebgewordenen Menschen kann sie nicht zurückhalten.
Mit angstvoll gespaltenen Gefühlen lässt sie ihre beste Freundin Drobina, ihre Cousine Trubka und ihre Jugendliebe Pavel zurück und startet eines Tages mit ihrer Mutter Nadja im frisch geputzten Fiat Richtung Paradies – einer Insel der Seligkeit entgegen, deren wages Bild durch westliche Medien, deren Werbung für heiß ersehnte Konsumgüter und den unbändigen Drang nach Freiheit und Wohlstand entstanden war.
Eine wahrhafte Odyssee beginnt, ein schwieriger Weg über Grenzen und Barrikaden, über Hindernisse in Sprachen und Formalitäten und vor allem ein Wandel zu einem anderen Ich, mit bisher nicht erkannten Werten und Wünschen und einer neuen Form der Verwirklichung.
Rena Dumont lässt uns einen wunderbaren Roman lesen. Mit dem Herzen geschrieben, wie ein Stück ihrer selbst, erreicht er nach wenigen Zeilen schon das Herz der Leser.
Problemlos können wir auch die Eindrücke umsetzen, die von den Protagonisten ausgehen, eindringlich überzeugend ist die tändelnde Verhaltensweise der jungen Lenka und ihrer Altersgenossinnen, die ein Spiegelbild der Auswirkungen des Regimes abgibt, in dem den Menschen so Vieles vorenthalten wurde, selbst die Gründe, Eigenverantwortung zu übernehmen.
Wozu also irgendwelche Flugversuche machen, wenn deine Flügel sowieso beschnitten waren?
Besser man akzeptiert, was unabdingbar kommen und danach sein wird, so bleibt dann kein Raum für Enttäuschung. Eine Haltung, die verständlich und logisch erscheint.
Und ebenso greifbar und nachvollziehbar ist der Wandel, der eines Tages vollzogen werden muss, damit man im selbstgewählten Paradies die Dinge findet, um derentwillen es seinen Namen vielleicht verdient.

Ein wunderbares Buch voller Gefühl, Humor und Menschlichkeit, ein Stück warmherzige Lebensgeschichte, für das meine unbedingte Leseempfehlung gilt und dem ich gerne fünf “paradiesische” Sterne erteile.

Migliedermeinung

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