Arno Gruen. Jenseits des Wahnsinns der Normalität - Biografie

von

Biographie

180 Seiten (gebunden)
Klett-Cotta

Erscheinungsdatum: 01.04.2008

ISBN: 9783608944495

Rezension von

Verfasst am: 17.04.2008

Bewertung:

  • 3/5 Sterne.

Arno Gruen war ein außergewöhnlicher Junge.
1923 in Berlin geboren, verbrachte er die ersten Schuljahre noch in Berlin.
1936 gelang dem agilen Vater die Flucht vor den Nazis mit der Familie nach New York. Hier teilen sie das Schicksal vieler Auswanderer: man wohnt zuerst bei Verwandten, bis der Vater, ein tüchtiger Unternehmer, wieder Fuß gefasst hat.
In Amerika aber ist das Glück nicht von Dauer: der Vater geht pleite und ein neuer Anfang muss gewagt werden.
Wie lebt es sich als Junge auf der Flucht vor den Nazis? Und wie betrachtet man die Welt, in der es scheinbar kein Zuhause mehr für den Akteur gibt?

A. Gruen hat schon als Schüler über sein Leben nachgedacht und sich Zusammenhänge zu erklären versucht. Zugleich hat er sich mit dem Judentum auseinander gesetzt.
In Amerika erlebt Gruen den zweiten Weltkrieg und wird durch seine aktive Teilnahme am Krieg dank der Rechtslage im Schnellverfahren Amerikaner.
Nach dem Krieg studiert er Psychologie und wird Psychoanalytiker.
Er arbeitet an verschiedenen großen Kliniken, knüpft Kontakte mit gleichrangigen Wissenschaftlern und geht seinen eigenen Weg in der Forschung.
Seine Theorie weicht von der Sigmund Freuds ab: nach seiner Auffassung ist die Persönlichkeitsentwicklung des Menschen alleine durch Umwelt – und Sozialisationsfaktoren begründet. Den Destruktionstrieb, den man bei Freud findet, kann man bei Arno Gruen nicht ausmachen. Seine Definition von Glück basiert darauf, das Leben unbeeindruckt von Zwängen mit dem freien Ausdruck von Gefühlen zu leben. Die Suche nach dem wahren Selbst und den möglichen Verbildungen desselben beschäftigt ihn durch sein ganzes Forscherleben hindurch.

Er war mit vielen bekannten Wissenschaftlern, Schriftstellern und Künstlern befreundet. Für Neues war er immer offen, und seine Lebensstationen bieten Einblicke in ein wandelfreudiges und immer lernfähiges Selbst, wozu auch seine vier Ehen gehörten.
Die Bücher von Gruen Der Fremde in uns und Der Verrat am Selbst verschafften ihm einen größeren Bekanntheitsgrad.
Ungewöhnlich freimütig offenbart er der Autorin persönliche Lebensdaten. Ungewöhnlich deshalb, weil Abstinenz und Neutralität gemeinhin unabdingbare Voraussetzungen für den therapeutischen Prozess sind, in dem Projektion und Übertragung zu Instrumenten der analytischen Arbeit gehören.
Das schmale Buch ist mit vielen Fotos, vorwiegend aus der Familie, ausgestattet. Monika Schiffer betont im Vorwort, dass sie ein sehr persönliches Buch geschrieben habe, dass keinen Anspruch auf Objektivität oder gar Wissenschaftlichkeit erhebe. Und eben das muß man dem Buch zugute halten.
Man merkt, dass ihr das Leben Arno Gruens in besondere Weise am Herzen liegt. In einer Mischung aus Lebensdaten, theoretischen Forschungsergebnissen und Gesprächen ist das Bild des Psychoanalytikers Gruen entstanden.

Politisch und rassisch Verfolgte suchten in großer Zahl während der Naziherrschaft Zuflucht in Amerika.
Arno Gruen hat seinen Lebensweg in Amerika gemacht und ist gegen Ende des 20. Jahrhunderts nach Europa zurückgekehrt. Er ist zuletzt in der Schweiz sesshaft geworden.

Migliedermeinung

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