Zauberer

von

Erzählung

Aus dem Polnischen von Agnieszka Grzybkowska

256 Seiten (gebunden)
Luchterhand Literaturverlag

Erscheinungsdatum: Februar 2006

ISBN: 9783630871837

Rezension von

Verfasst am: 17.04.2008

Bewertung:

  • 4/5 Sterne.

Die Verwegenheit und Naivität der Jugend!
Als Kind ist man verführbar, und Überblicke über die Gefahren des Lebens hat man noch nicht. Nur kurz hat der kleine Romek in Krakau die Wohnung verlassen. Sehnsüchtig schaut er auf das rote Auto und die gelbe Hupe des Tretautos von Lala! Für das Ausleihen des Autos ist der Preis leider recht hoch! Die Anzahl der Minuten, die man es ausleihen darf, richtet sich nach der Anzahl der Küsse, die Lala einem abverlangt! Und die sind eklig! Aber für das Auto tut man doch alles…..

Nicht ahnend, dass zu Hause Räuber die gesamte Wohnung ausräumen, genießt Romek die Fahrt um den Marktplatz mit dem schönen Tretauto.
Als er schließlich in die Wohnung zurückkehrt, ist das Entsetzen groß. Wertvolle Kleidung, das gesamte Besitztum der Eltern und die Pelze, die zur Änderung eingelagert waren, sind verschwunden.

Von diesem Schlag können sich die Eltern nicht erholen. Er überschattet das ganze Leben der Familie und Romek, der sich schuldig fühlt, kann das alles nicht fassen.
Der Vater ist ein stiller Wodkatrinker, der die Mutter kurz vor Kriegsausbruch geheiratet hat. Mit seinem Schneideratelier ernährt er die Familie, näht für Freunde, Partisanen und die Feinde.
In komisch naiven und kurzen Sätzen sieht man die Welt aus Romeks Augen. Ängste und Freuden halten sich die Waage.
Magisch erhofft er sich Hilfe von Gott, mit dem er Zwiesprache über seine Wünsche und Hoffnungen hält. Seine Zweifel an der Güte und Gerechtigkeit Gottes lassen sich dabei nicht ausräumen.
Romek beweist mit seinen Anmerkungen eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe. Er ist ein ruhiges, ängstliches, seinen Träumen und vagen Vermutungen über die Dinge in der Welt ausgelieferter Junge.
Das Polen der fünfziger Jahre, wüste Zeiten des Überlebens und schelmische Selbst – und Fremddarstellungen bieten Einblicke in die Sichtweise eines Zehnjährigen, der mit den Jahren seine Unschuld verliert.
Ein Entwicklungsroman wie es ihrer viele gibt.
Er zeichnet sich durch eine naiv lakonische und fast trockene Erzählweise aus. Bei allem Ernst bietet der Roman Stoff zum Schmunzeln.

Über Polen weiß man nicht viel. Dieser Roman gewährt Einblicke in das kommunistische Polen und in die Welt eines von der Kindheit zur Schwelle des Erwachsenen stehenden Protagonisten, der die Schwankungen des Lebens zu nehmen versteht. Geht es einem heute schlecht, so wird es morgen wieder besser. Nur mit einem ausgeprägten Fatalismus lässt sich das Leben ertragen, das ist die Lehre, die unser Held davon tragen wird.

Die Lektüre lässt ahnen, wie es sich nach dem Krieg in einem Land lebte, das von der Diktatur und der Besetzung durch die Nazis zur Diktatur unter kommunistischer Herrschaft geriet. Die politische Seite der Geschichte bleibt geschickt verborgen und schimmert lediglich durch den Handlungsrahmen hindurch.
Nachdenklich und amüsiert legt man das Buch zur Seite.

Migliedermeinung

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