Mädchenauge

von

Kriminalroman

464 Seiten (gebunden)
Deuticke

Erscheinungsdatum: 28.01.2013

ISBN: 9783552062085

Brigitte Linke
Rezension von

Verfasst am: 09.03.2013

Bewertung:

  • 5/5 Sterne.

Augenblicke des Verderbens.

Ein schwüler, hitzeflirrender Sommer hüllt Wien ein. Die Menschen sind nach einer langen, schier endlosen Periode des schlechten Wetters und der Kälte von wiedererwachter, glücklicher Leichtigkeit und genießen die Stunden in den Straßencafés und Lokalen entlang des Donaukanals, und das geschwätzig-fröhliche Beisammensein verleiht der alt-ehrwürdigen Metropole Unbeschwertheit und Sorglosigkeit.

Aber das sollte später nicht in der Erinnerung der Menschen bleiben, sondern die brutalen Morde, die ein eiskalter Serientäter in diesem Sommer an mehreren jungen Frauen verübt, die er mit makaberer Gesetzmäßigkeit an jedem zweiten Samstag auf grausamste Weise hinrichtet.

Die Angst geht jetzt um, lähmt die Menschen, macht sie furchtsam wie ein böser Albtraum und hilflos im Angesicht der drohenden Gefahr.

Für Major Belonoz, den eigenbrötlerischen, extravaganten Chef der Wiener Mordkommission und sein eingespieltes Team beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit – aber wo soll er beginnen, bei wem mit Nachforschungen anfangen, wenn die einzigen Hinweise ergeben, dass keinerlei Beziehung zwischen den Opfern bestanden hat außer der Tatsache, dass sie allein lebten und junge, attraktive Frauen waren?

Dass man ihm die relativ unerfahrene Staatsanwältin Dr. Lily Horn als Hilfe zuteilt, verbessert die Laune des Majors nicht wesentlich, da er ihre Kompetenz für diesen Fall in Zweifel stellt.

Lily Horn jedoch, die gerade aus persönlichen Gründen New York verlassen hat und nach Wien zurückgekehrt ist, geht mit viel Engagement und Durchsetzungswillen an das Projekt heran, entschlossen, sich weder von machtbesessenen Politikern und sensationslüsternen Medien noch von den Zweifeln mitarbeitender Kollegen aufhalten zu lassen.

Und diese Einstellung wird sie brauchen, wenn sie der grausigen Mordserie ein Ende bereiten will und dafür Spuren verfolgen muss, deren Ziel sie in ihren dunkelsten Vorahnungen nicht erwartet hätte.

Christian Davids Debütroman ist ein Volltreffer.

Mit wunderbar ausgeschöpftem Sprachreichtum nimmt er den Leser mit in ein Wien, dem er eine sehr facettenreiche Ausstrahlung zubilligt. Man spürt die Hitze des Sommers entlang des Donaukanals ebenso wie die Bedrohung des Geschehens im Umfeld der Opfer.

Seine Protagonisten sind ausnahmslos authentisch und interessant. Detailgetreu und überzeugend geschildert, wurden sie auf Positionen gestellt, die absolut nachvollziehbar sind.

Der Spannungsbogen baut sich langsam auf, steigert sich im Verlauf des Buches und endet in einem unvorhersehbaren Höhepunkt.

Ohne jeglichen Anflug von reißerischen Krimi-Effekten wirkt alles absolut professionell und doch von flüssig entwickelter Selbstverständlichkeit.

Ich habe mich in allen Belangen wunderbar unterhalten gefühlt und wäre sehr glücklich darüber, öfter auf solche schriftstellerische Qualität zu treffen.

Fazit sind natürlich alle Sterne, die hier zu vergeben sind.

Ein Kriminalroman der Superlative, ein großes Debut, dessen eindrucksvolle Akteure der Leser gerne wiedersehen würde.

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